Semana Santa in Antigua 17. – 31.03.2002 (34’100 km)

Die Semana Santa oder wie man sich seinen Platz im Himmel erkämpft

Eigentlich beginnt der Wahnsinn ja schon mehr als 1½ Monate früher. Immer wieder gibt es, besonders an den Wochenenden, Nachtwachen, Kreuzwege und Prozessionen. Diese mehren sich dann auf Ostern hin und ab Karfreitag finden dann täglich mehrere Spektakel statt. Dabei wird nicht nur massenweise Seelenheil gerettet, sondern auch allerlei kulinarische Leckereien zum Verkauf angeboten. Vor lauter Leute sieht man oft die Strasse nicht mehr.
Bei den Nachtwachen werden in den Kirchen Szenen aus der Bibel nachgebildet und die oft vorhanden Reliquien vorgezeigt.
Die Prozessionen von Antigua sollen zu den schönsten der Welt gehören. Dabei werden die Strassen mit bunten Teppichen aus Blumen, Sägemehl oder Gemüse geschmückt. Diese Teppiche haben, obwohl zur Herstellung oft mehrere Stunden gebraucht werden, nur ein kurzes Dasein, weil schon bald eine Prozession darüber hinweg geht. Bei den Prozessionen werden die Schiffe, wiederum mit Szenen aus der Bibel geschmückt, durch die engen Strassen getragen. Einige beginnen schon am frühen Morgen und erreichen erst nach Mitternacht wieder ihre Kirche. Begleitet werden diese Schiffe von einem Heer von Trägern, Weihrauchschwinger, diversen anderen Heiligenstatuen, einem Orchester, einem Generator und vielen Schaulustigen. Der Generator liefert für die nächtliche Beleuchtung Strom und kämpft mit dem Orchester um Gehör. Die Schiffe sollen bis zu 3.5 Tonnen wiegen und werden von bis zu 90 Personen getragen. Wobei Männer, Frauen und auch Kinder ihre eigenen Schiffe haben. Wer bei so einer Prozession mittragen will, muss je nach Streckenabschnitt ganz schön tief in die Tasche langen.

Die interessanteste Nacht ist die von Donnerstag auf Karfreitag. Rund im die Uhr werden in der ganzen Stadt Teppiche erstellt, um den 5 stattfindenden Prozessionen die Ehre zu erweisen. Laut Insidern, schläft in dieser Nacht niemand und so haben auch wir uns die Nacht um die Ohren gehauen. Begonnen haben wir um 9 Uhr mit dem Besuch in der Salsathek, wobei wir uns, im Anbetracht der lokalen Tanzkünste, wie Fusskranke vorkamen. Anschliessend beobachteten wir die Teppichhersteller bei der Arbeit. Die erste Pause gönnten wir uns um 1 Uhr mit einem Bier und hausgemachter Lasagne. Anschliessend machten wir wieder die Stadt unsicher und bald war dann schon 3 Uhr. Zu Fuss, zu Pferd oder mit dem Streitwagen waren um diese Zeit die als Römer verkleideten Antiguaner unterwegs und verlasen an jeder Kreuzung die Jesus zur Last gelegten Vergehen, dies unterstützt durch Trommeln und Trompetengeschmetter. Wieder war eine Kaffee-Pause angesagt und ein paar UNO-Spiele später war dann 6 Uhr und die erste Prozession machte sich mit ihrem Marsch durch die Stadt an die Verstümmelung der Teppiche. Wir gingen bald darauf – aber erst nach dem Frühstück bei Mama Irma – ins Bett.

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