Im Amazonasgebiet 8. – 16.2.03

Velho

Die Busfahrt von Cuiaba nach Porto Velho war bisher unsere längste, denn ganze 25½ Stunden waren wir unterwegs. Eigentlich erstaunlich, da die 1’500 km lange Strecke, unter Kennern kurz BR-364 genannt, in einem sehr guten Zustand war. Doch für einmal hatten wir sehr vorsichtige Busfahrer, die erstens lange brauchten, bis sie sich zu einem Überholmanöver aufraffen konnten und zweitens öfters als Normal Stopps einlegten. So wurde unser Schönheitsschlaf alle 2-3 Stunden rüde unterbrochen und wir mussten jeweils mindestens 10 Minuten auf den Genuss der auf optimale 21° eingestellten Klimaanlage verzichten. Den Stopp um 2:25 werden wir nicht so schnell vergessen, denn die Bushaltestelle ist gleichzeitig auch Restaurant und ambulante Klinik. So kann man sich rund um die die fakultative Gelbfieberimpfung verpassen lassen und das tatsächlich gratis, ja, wenn wir das gewusst hätten…

Porto Velho mit seinen knapp 300’000 Einwohner liegt am Madeira und ist ein Ausgangspunkt für Bootsfahrten ins Amazonasgebiet. Die ansonsten hat nicht viel zu bieten, aber wir waren sowieso nur am Hafen und der dort vertäuten Schiffe, die nach Manaus schippern, interessiert. Auch ist diese an Sonntagen dermassen ruhig, dass wir fast verhungert wären, da alle Churrascarias (Fleischrestaurants) Ruhetag hatten. Doch zum Glück konnte Bibi überredet werden, auch mal in einen leckeren Doradofisch, zubereitet à la brasiliana, zu beissen. Doch bevor wir uns dieser kulinarischen Köstlichkeit hingeben konnten, musste viel Arbeit erledigt werden. Es hiess, ein Schiff zu finden, das nicht aussah, als würde es nächstens zu einem Spielplatz für Piranhas werden, die Kabinen auf Sauberkeit zu untersuchen und zu guter Letzt den Kapitän auf einen akzeptablen Preis herunter zu handeln. Wir haben, durch Zufall, das beste Boot auf der Route erwischt. Zum anderen vor Anker liegenden Kahn meinte Birgit nur, sie übernachte lieber gleich in der Hängematte an Deck oder falls diese Plätze auch bereits ausgebucht seien, lasse sich halt durch den Piranha verseuchten Fluss ziehen! Nach hartem Verhandeln konnten wir uns die Suite 1 auf der „Cidade de Manicore“ sichern; wie man da auf die Bezeichnung „Suite“ kommen kann, ist uns schleierhaft. Zusätzlich zu unserer Luxuskabine mit Klimaanlage (Raum ohne Fenster von 4m², inkl. WC und Flusswasser-Dusche), kauften wir 2 Hängematten, damit wir während der 2-3 Tage dauernden Fahrt an Deck auch so richtig rumhängen konnten.

Nach Manaus

Als wir am übernächsten in unsere Kabine einzogen, machte sie plötzlich einen viel besseren Eindruck: Sie war aufgeräumt und ordentlich gereinigt worden und die traurige Matratze hatte einen Überzug erhalten. Wir hatten das Schiff und Kabine von unserer raschen Inspektion her in schlechter Erinnerung behalten und hatten uns auf das Schlimmste gefasst gemacht – so konnten wir ja nur positiv überrascht werden!
Der Stolz unseres Boots war die Bar, die sich auf dem obersten Deck befand. Hier dröhnten den ganzen Tag laute Rhythmen aus den Boxen und das Dosenbier floss in Strömen. Natürlich genehmigten auch wir uns ab und zu einen kühlenden Schluck, doch waren wir – was den Alkoholgehalt im Blut anbelangt – immer etwas im Rückstand.
Da der Fluss jetzt während der Regenzeit gut führt, kamen wir rasch vorwärts. Die gemütliche Fahrt – es wehte uns immer ein kühles Lüftchen um die Nase – wurde ein Mal durch Hafenstopps unterbrochen, doch da Petrus gerade anderweitig beschäftigt war, mussten wir uns nicht wegen zu grosser an Land in ein Restaurant oder in unsere Kabine flüchteten, sondern konnten das Leben und Treiben gemütlich von Bord aus beobachten.
Das wurde – wie es sich gehört – direkt in unserer Suite serviert, nur klappte dies beim ersten Mal nicht so ganz. Gegen Mittag erhielten wir schon mal das Dessert und zwei Getränke geliefert, anschliessend passierte 1½ Stunden lang gar nichts. Dann kam plötzlich der Hilfskoch vorbei, fuchtelte mit den Händen und erzählte etwas auf Portugiesisch, das Hubi wie immer mit einem freundlichen Sim, Sim. (ja, ja) beantwortete. Birgit wurde nun langsam wirklich hungrig und schickte Hubi eine weitere halbe Stunde später in die Küche. Auf seine scheue Nachfrage, wo denn das bleibe, antwortete die Küchenchefin mit einem portugiesischen Wortschwall und Hubi entnahm diesem, dass sie sich entschuldigte. 10 Minuten später servierte sie uns das persönlich. Aus dem folgenden Wortwechsel glauben wir entnommen zu haben, dass der Hilfskoch gemeldet hätte, wir würden aufs Mittagsessen verzichten. Es könnte also sein, dass Hubi die Mahlzeit abbestellt hatte. Soviel zu unseren Sprachkenntnissen. Das selber war nicht gerade gut, aber bestimmt nahrhaft. Wir sahen unsere Diät auf jeden Fall nicht gefährdet.
Übrigens kamen unsere Körper während der 2 1/2 Tage kein einziges Mal mit Wasser in Form einer Dusche in Berührung. Das nicht etwa, weil wir wasserscheu sind, nein, sondern weil das bräunliche Flusswasser irgendwie sehr ungesund aussah. Ehe wir uns mir Ausschlägen herumkämpfen wollten, verzichteten wir heroisch auf das köstliche Nass und verfuhren wie die Franzosen. Zum Glück konnte man aber Wasser in kleinen Pet-Flaschen kaufen.
Abends wurde um 19 Uhr immer eine Seifenoper gezeigt, während dieser hatte immer ein Matrose die Aufgabe, sekündlich die Sattelitenantenne auszurichten. Die begeisterten Zuschauer schien dies in keiner Weise zu stören, für uns war dies ein Zeichen, früh zu Bett zu gehen und zu lesen.
Für unsere Unterhaltung am Tage trugen Emerson (9 Jahre) und Bruna (8 Jahre) Sorge. Die ersten Stunden unserer Bekanntschaft schauten sie uns immer tief in die Augen, aber nicht etwa, weil sie sich in uns verliebt hatten – nein, das kam später – sondern, weil sie von unseren blauen Augen fasziniert waren. Die Beiden versuchten auch unermüdlich unser Portugiesisch zu vertiefen, indem sie jeden gesprochenen Satz x-Mal repetierten, das war mit der Zeit etwas ermüdend, verstanden wir doch nur Bahnhof. Süss war, als uns Emerson davon abzuhalten versuchte, das servierte Essen zu essen. Dies mit der Begründung, dass es ungesund sei. Er selbst mampfte während seines Monologes an einem in der Bar gekauften Hamburger.

Manaus

In unserer romantischen Vorstellung haben wir uns diese Stadt mit ihren 2,1 Mio. Einwohnern viel kleiner und mehr von tropischem Regenwald umgeben vorgestellt. So à la: Die Natur im ewigen Kampf gegen die Zivilisation, immer wieder Wege zurück in die Stadt findend, hier eine Liane, die den Weg versperrt, da eine Pflanze, die den Asphalt durchdringt und ein Passieren unmöglich macht. So extrem ist das leider nicht mehr, durch Brandrodung wurde und wird immer noch Platz geschaffen, somit ist Manaus eine normale Grosstadt, mit viel Verkehr, Abgasen und Menschen. Wir konnten einige schöne Kolonialbauten fotografieren und besichtigten das berühmte Opernhaus, das 1896 während des Gummibooms fertig gestellt wurde.
Um wirklich in unberührte Gegenden vordringen zu können, muss man viel Zeit, Geld und einige Strapazen auf sich nehmen. Dies war uns bei der feuchten Hitze doch zuviel. Apropos Hitze, wir liefen triefend durch die Gegend, während wir Einheimische sahen, die in Rollkragenpullovern herum spazierten. Auf unser ungläubiges Staunen hin erklärte uns ein Hotelangestellter, dass es im Moment eher kühl sei und die Luftfeuchtigkeit gering, ausserhalb der Regenzeit wäre es dann wirklich heiss. Da laust uns doch der Affe.
Neben der Besichtigung der paar Sehenswürdigkeiten machten wir auch noch eine Ausflug auf dem Rio Negro, der zusammen mit dem Solimoes den grossen bildet. Die Wasser der beiden Flüsse fliessen für mehrere Kilometer noch nebeneinander her und vermischen sich nur langsam. Grund dafür sind die Dichteunterschiede der Wasser, bedingt durch die unterschiedliche Temperatur und mitgeführten Schwebestoffe. Der /Solimoes entspringt in den Anden Perus und ist kälter und braun wegen der vielen mitgeführten Erde. Der Rio Negro hingegen kommt aus Kolumbien, ist wärmer und sieht dunkel bis schwarz aus, wegen der verrotteten Blätter und Pflanzen. Auf der wieder einmal langen Bootsfahrt konnten wir kurz die rosafarbenen Flussdelfine beobachten, für Fotos waren sie aber zu schnell.

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