Nach Salta 20.9. – 2.10.02 (48’000 km)

Der Unterschied zwischen Bolivien und Argentinien könnte deutlicher nicht sein. Die Strasse auf der einen Seite des Zollübergangs besteht aus Steinen und Staub, auf der anderen Seite ist sie asphaltiert. Augenfällig ist, dass die Häuser nicht mehr aus Erdziegeln erbaut sind, sondern nun eher dem ähneln, was wir uns unter einem Haus vorstellen. In den Hotels hat es ganz selbstverständlich warmes und wenn man in die Läden geht, besteht das Sortiment nicht nur aus abgelaufenen Salzcrackern und Toilettenpapier, sondern man findet alles, was das Herz begehrt.
Die Zivilisation hat uns also wieder und wir müssen hier einmal ganz ehrlich eingestehen, dass uns die Armut der letzten durchreisten Länder mit der Zeit stark an die Nieren gegangen ist. Argentinien hat sicher schon bessere Zeiten gesehen, aber uns kommt es im Moment wie das Paradies selbst vor.

San Salvador de Jujuy

Nachdem wir die letzten vier Nächte gezwungenermassen in Hotels bzw. die letzten 2 Tage mit Autoputzen verbracht hatten, konnten wir hier nun endlich wieder in unser Heim einziehen, ohne eine Staublunge zu kriegen. Bei einem Lavadero hatten wir Mosquito einer intensiven Aussenreinigung unterziehen lassen (für 1.50) und gleich noch das Wageninnere vorputzen lassen ( 10.-). Den Wagen liessen wir auf dem Parkplatz des Familienunternehmens stehen, wir durften unsere Sachen im Büro einstellen und konnten während dem 2. Innen-Waschgang soviel Wasser brauchen, wie wir nur wollten. Die ganze kümmerte sich rührend um uns, ein Freund des Clans, Miguel, lud uns zum Nachmittagstee ein und dort wurde Hubi in die Geheimnisse des Mate-Trinkens eingeweiht. Ein Mategefäss wurde uns geschenkt und am nächsten Tag gingen wir gleich die Bombilla (Röhrli) und das Yerba (Kraut) kaufen, die Thermoskanne für’s heisse Wasser haben wir bereits. Bei Miguel und Fabiana kamen wir auch zum 1. Mal in den Genuss eines Asados und Empanadas – mhm, lecker!

In Salta machten wir uns auf die Suche nach der Ford Garage, weil wir unseren defekten ersetzten wollten. Leider führen sie in der ganzen Stadt kein solches Teil, aber der Meister schickte uns zu einer Werkstatt, die repariert.
Hier wurde das defekte Teil mit abenteuerlichen Maschinen auseinander genommen und auch wieder zusammen gesetzt, anschliessend wurde das Fahrwerk einer umfangreichen Überholung unterzogen und abgeschmiert, die Federung verstärkt und viele lose Schrauben Innen und Aussen nachgezogen. Die Werkstatt hat Juan erst seit dem Kurssturz des Peso wieder aufgenommen, vorher rentierte es nicht etwas zu flicken, sondern es wurde, wie bei uns, gleich neu gekauft.

Wieder wurden wir von einer argentinischen Familie adoptiert. JC, momentan in einer etwas schwierigen familiären Situation, hat vorübergehend sein Lager in der Werkstatt aufgeschlagen und schlug uns vor, ihm Gesellschaft zu leisten. Gerne nahmen wir sein Angebot an, nicht gewahr, welcher „Gefahr“ wir uns da aussetzten. Nicht nur, dass wir nun zum Clan der Martinez gehören und dementsprechend umhegt und gepflegt werden, nein, JC sieht es auch als seine Pflicht an, uns jedes schöne Plätzchen in und um Salta zu zeigen. Ausserdem werden wir dermassen gefüttert, dass wir wohl schon bald nicht mehr in unsere Kleider passen – wir fühlen wir uns sehr wohl hier!
Eine Parillada im Hause Martinez ist schon etwas ganz Besonderes. Juan Carlos kümmerte sich höchstpersönlich um die zu grillenden Fleischberge, während Mama Pirucha die vielen Enkelkinder von der selbst gemachten Torte fernhielt. Die zu Besuch weilende Tante (Schwester von JC ) kümmerte sich um die Salate und Liliana (Tochter von JC / Pirucha und Schwestern von JC junior), unterhielt die vielen Kinder, von denen Paulina und Daniela ihre eigenen sind. Man kann sich gut vorstellen, dass uns bald der Kopf vor lauter Namen summte, doch wurde von uns glücklicherweise nicht viel Konversation erwartet, sondern nur, dass wir den Teller, der sich immer wieder wie von selbst füllte, leerten – was wir natürlich auch folgsam taten. Der von uns mitgebrachte Champagner, Marke Chandon aus Mendoza, wurde nach dem zusammen mit dem Dessert serviert. Und wieder einmal fielen wir mit vollem Magen ins .

Tagesrythmus

An den argentinischen Tagesrhythmus muss man sich erst gewöhnen, denn er ist dem unseren nicht sehr ähnlich: So gegen 13:00 schliessen alle und der Argentinier isst zu Mittag. Anschliessend haut er sich aufs Ohr, denn die Siesta ist ihm heilig. Ab 16:00 Uhr beginnt sich die Stadt wieder zu regen und es ist keine Seltenheit, dass bis 22:00 Uhr und später offen sind. Dann fängt die Vida nocturna, das Nachtleben, an, mit einem feinen Abendessen, am liebsten natürlich Asado. Ins Bett fällt der Argentinier bestimmt nicht vor Mitternacht. Mariano zum Beispiel geht einmal in der Woche um 23 Uhr zum Fussballtraining.
Wir kriegen also nicht nur einen Bauch, sondern auch Ringe unter den Augen.

Am Samstagabend gingen wir in die Disco, das heisst, man wollte sich um 22:30 Uhr zum Essen treffen, an den Tisch setzten wir uns schlussendlich um Mitternacht. Um 2 Uhr trafen wir dann in der Disco ein, wo wir bis zum Morgengrauen tanzten und uns vergnügten.

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