Buenos Aires 23.12.02 – 3.1.03 (61’400 km)

Vorbereitung Verschiffen

In Buenos angekommen, besuchten wir gleich den Agenten, der für die Verschiffung Mosquitos im März zuständig ist; wir hatten vor abzuklären, wie viel Zeit, Geld und welche Dokumente dazu benötigt werden. Ein hübsch gekleideter, junger Mann wies uns lässig darauf hin, dass er regelmässig Motorhomes verschiffe und dass das gesamte Prozedere nicht mehr als einen Tag in Anspruch nehmen werde. Wir werden ja sehen ob diese Aussage zutrifft, wenn wir ein paar Tage vor dem Auslaufen des Schiffs vor seiner Türe stehen.

Es ist passiert

Und nach 1 Jahr und fast 6 Monaten ist es passiert! Das, was andere Reisende schon oft erlebt haben, wo von man in allen Reiseführern gewarnt wird, wurde auch für uns endlich Wirklichkeit: Kaum waren wir in Bs.As. eingefahren, verfuhren wir uns. Bei dem vielen Verkehr war es für ziemlich schwierig, verrückten Taxifahrern auszuweichen, sich von Busfahrern nicht aus der Spur drängen zu lassen, auf Angaben zu hören und zusätzlich die Strassenregeln zu beachten. So kam es also, dass , anstelle wie alle Andern rechts abzubiegen, einfach gerade aus weiterfuhr und wir kurz darauf von einer Polizeikontrolle angehalten wurden. Mit ernster Miene fragte uns der Polizist, ob wir uns bewusst wären, welche Verkehrssünde wir begangen hätten, was wir natürlich mit naivem Gesichtsausdruck zu verneinen wussten. Das Überfahren eines Rotlichts sei ein grosses Vergehen und werde teuer gebüsst. Während dieser Belehrung studierte er Hubis abgelaufenen internationalen Führerausweis (Regel 1: Man gibt einem Polizisten nie ein gültiges oder wichtiges Dokument in die Hand), die Wagenpapiere und sogar unseren Versicherungsausweis. Nachdem er letztere zurückgegeben hatte, stellte er nach einigem Blättern fest, dass der Ausweis abgelaufen war, schnell händigten wir im einen gültigen aus. Danach winkte er nach draussen, belehrte ihn, dass die Busse 800 Pesos betrage (dies entspricht der aus der gegriffenen von CHF 400.–), der Rechtsweg mind. 2 Wochen in Anspruch nehmen, er uns aber gnädigerweise die Möglichkeit geben würde, die Sache umgehend zu bereinigen. Aus dem heraus konnte beobachten, wie Hubi buchstäblich in die Luft ging, mit den Händen zu fuchteln begann, unter seinem braunen Teint eine leicht rötliche Hautfarbe annahm, dem erstaunten Polizisten einen Wortschwall entgegen warf und ihn daraufhin einfach stehen liess. Während Hubi den Sachverhalt schilderte näherte sich „unser“ Polizist wieder und unterbreitete den gleichen Vorschlag. Diese erklärte ihm ruhig, dass wir die Zahlung der Direktgratifikation gerne übernehmen würden, dies natürlich jetzt und gleich und ob er mit der Summe von 10 US$ einverstanden wäre. Als Antwort händigte er ihr den Fahrausweis aus, legte die Note hinein (vorher hatte Hubi zum Entsetzen unseres korrupten Freundes mit der Note in der Luft herumgefuchtelt) und so wechselte das Geld rasch den Besitzer. Wieder im Besitz des Fahrausweises setzte Hubi den Blinker und wir machten uns so schnell wie es das Gesetz erlaubt aus dem Staub.

Vorbereitung Auto

Am Auto musste noch der Service gemacht, eine neue Windschutzscheibe eingebaut, Stossdämpfer repariert und Positionslichter ausgetauscht werden. Die Windschutzscheibe erhielt die erste Scharte auf einer asphaltierten Strasse in Peru und weitere plus einen Riss auf einer Naturstrasse in Feuerland. Drei volle Tage brauchten wir um Preise zu vergleichen, Ersatzteile zu suchen und auf die Durchführung der Arbeit zu warten.
Um uns vor der stechenden Sonne zu schützen und die Hitze etwas erträglicher zu machen, zogen wir uns beim Windschutzscheibenwechsel in ein kleines Restaurant zurück. Bald kamen wir mit den beiden Besitzern ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass der eine davon träumt, selbst mal so eine Reise zu machen. Nein, das Auto haben wir nicht verkauft, aber während der Schilderung unserer Abenteuer wurden wir zum Asado . Selbstverständlich gab es wieder Chinchulin (diesmal nicht gezöpfelt), Nieren, Leber, Blutwurst, Rippen und auch noch etwas Fleisch. Auch alle unsere Getränke und auch das tolle Dessert gingen aufs Haus – die Gastfreundschaft der Argentinier erstaunt und erfreut uns immer wieder. Ausser gut gefetteten Bremsbelägen ging dieses Kapitel perfekt über die Runden.

Vorbereitung Brasilien

Wir haben uns entschlossen, Brasilien mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bereisen. Gründe dafür sind die riesigen Distanzen, Temperaturen von 40° Celsius und mehr, die extreme Luftfeuchtigkeit und dass unser Auto nun mal keine Klimaanlage an. Deshalb trennen wir uns schweren Herzens von Mosquito und stellen in bei in Buenos Aires unter den Baum.
Eigentlich wollten wir von Argentiniens Hauptstadt aus noch gleich den Abstecher für den Karneval von Rio organisieren, d.h. Hotelübernachtung, Eintrittskarten ins Sambadromo und die Rückreise nach Bs.As. Aber alle Angebote, die wir erhielten, waren weit aus teurer als Pakete von Schweizer Büros. Nach drei Tagen, die wir mit Abklappern von Reisebüros beschäftigt waren, gaben wir entnervt auf und beschlossen, dies in Rio selbst zu organisieren.

Buenos Aires

Heilig Abend verbrachten wir nicht etwa unter dem Tannenbaum oder wie gewünscht am Strand, sondern in einer artistischen Tangoshow. Wohnen tun wir abwechselnd im Auto auf einem Parking mitten in der Stadt oder in einem Hotel, je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Das restliche bisschen freie Zeit verbringen wir mit Stadtbesichtigung und Shoppen. Die Argentinierinnen sind verrückt nach Schuhen, Taschen und Kleidern allgemein, so schätzen wir, dass auf eine Einwohnerin Bs.As. etwa zwei Schuhläden kommen. Die grosszügige Bauweise und die alten und oft gepflegten Gebäude der Stadt erinnern einen stark an Paris. Wir fühlen uns auf jeden Fall pudelwohl und völlig sicher. Von den im Ausland verbreiteten Nachrichten, dass in Bs.As. Raubüberfälle an der Tagesordnung sind und vor allem hier Menschen gekidnappt werden, wir nichts. Wie in allen grossen Städten ist die Polizeipräsenz vor Touristenattraktionen und in der Fussgängerzone augenfällig.

Silvester

Wie schon erwähnt, dürfen wir während unserer Brasilien-Rundreise den Camper bei Freunden einstellen. Dieser eine Freund ist Onkel Willi (92), der ein Schulfreund von Birgits verstorbenem Grossonkel Fritz war. Oma Betty (Schwester von Fritz) hatte uns die genau Adresse gegeben und als wir dann in Bs.As. waren, riefen wir ihn kurzerhand an. Birgit und Onkel Willy kannten sich bereits, denn sie hatten sich schon während einer vorherigen Argentinienreise getroffen. Schnell war ein Treffen ausgemacht und nach Weihnachten machten wir uns auf den Weg nach Luis Guillon, einem Vorort von Bs.As. Auch hier wurden wir mit offenen Armen empfangen und gleich zur Party am 31.12.02 eingeladen. Bei Onkel Willys Tochter stieg die Fiesta und wir lernten dort Kind und Kegel kennen – es war unmöglich, uns all die Namen und den verwandtschaftlichen Grad zu merken. Um uns von der Fressorgie zu erholen, verbrachten wir noch ein paar Tage bei Onkel Willy im Garten und genossen die Ruhe, die gute Luft und die nette Gesellschaft.

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