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Versuche mit Online Backup

Versuche mit Online Backup

15.9.13 Bisher habe ich den Inhalt mein NAS immer auf ein zweites NAS gebackupt, dies mit dem Nachteil,

  • dass das zweite NAS langsam und der Speicherplatz zu klein war
  • und dass das zweite NAS sich gleich im Nebenraum befand

Dies entsprach nicht ganz der 3-2-1 Backup-Regel. Diese besagt in etwa, dass ich neben meinem Original-File noch 2 Kopien haben sollte (3). Das Backup am Besten auf 2 verschiedene Medientypen (Harddisk, Band, Optische Disk uä.) anlege und jeweils 1 Kopie an einen anderen Standort auslagere. Das mit den 2 Medien nehme ich jetzt mal an klappt mit der Cloud.

So nun ging die Suche los, folgende Kriterien habe ich mir zusammengestellt:

  • bezahlbar, z.B. 100 CHF pro Jahr
  • unbeschränkten Speicherplatz (oder ca. 6 TB)
  • unbeschränkter Up-/Download
  • Backup und Spiegelung (um Verzeichnisse zwischen mehreren Computern synchron zu halten)
  • Netzlaufwerke backupen
  • 5 Versionen unabhängig von der Aufbewahrungsdauer
  • beliebige Anzahl Endgeräte
  • Webzugriff (https, webdav) und Client für Mac, Windows, iOS, Linux (Synology)
  • Online Speicher als Laufwerk anbindbar
  • verschlüsselte Übertragung und Speicherung
  • Sharing und Streaming

JustCloud

Den ersten Versuch startete ich mit JustCloud. Nach 300 GB habe ich aufgehört, es fängt sehr günstig an, man kriegt 50-70% Rabatt braucht aber x-Zusatzservices die alle extra kosten, wie Versionierung, schnellere Up- und Downloads, zusätzliche Clients, Backup von Netzlaufwerken usw. War mir sehr schnell zu blöde. Toll ist die Money-Back Garantie, das Geld wurde bis auf eine kleine Gebühr zurückbezahlt. Nach ein paar folgenden Marketingmails musste ich noch mal sagen, dass ich Ruhe vor ihrem Produkt möchte und seither klappt es

bitcasa

Einen weiteren Versuch startete ich mit bitcasa, ein sehr gutes Produkt welches bei mir auch einen guten Eindruck bezüglich Sicherheit hinter lies. Nach 1.8 TB habe ich das Vorhaben aber abgebrochen

  • bezahlbar, ja 99 US$ pro Jahr
  • unbeschränkten Speicherplatz, ja ABER System wird instabil
  • unbeschränkter Up-/Download, ja
  • Backup und Spiegelung, ja
  • Netzlaufwerke backupen, ja
  • 5 Versionen unabhängig von der Aufbewahrungsdauer, ja sie versprechen 3+ Versionen
  • beliebige Anzahl Endgeräte, ja
  • Webzugriff (https, webdav) und Client für Mac, Windows, iOS, Linux (Synology), ja ABER im Web sind nicht die gleichen Dateien sichtbar wie in den anderen Clients. Die Apps sind relativ performant und stabil. Kein Linux-Client (hat eigentlich keiner).
  • verschlüsselte Übertragung und Speicherung, ja die Daten werden bereits auf dem Client verschlüsselt und dedupliziert, dadurch hatte ich das Gefühl der besten Uploadgeschwindigkeit!
  • Sharing und Streaming, ja man kann sogar ganz Musikalben streamen z.B. aufs iPhone
  • Online Speicher kann als Laufwerk angebunden werden, ja aber Zugriff mit SyncSoftware wie AllwaySync ist instabil, dito Robocopy

Nachdem ich 1.8 TB hochgeladen habe und dann mit den verschiedenen Clients Zugriff waren im Webclient nicht alle Dateien vorhanden wie auf dem Windows oder iOS Client. Dies verwirrt, die Antwort des Customer-Services auch „Oh that’s a lot of data“. mit dem Tipps im Supportforum kam ich auch nicht wirklich weiter, deshalb hat bitcasa mal Pause. Ich hoffe, dass sich die Situation während der Dauer meines Jahresabos noch verbessert .

Update 10.11.13 Auch mit verschiedenen neuen Client-Versionen (zuletzt  1.1.3.26 de) stürzt das Teil regelmässig ab, sowohl beim Backupen, Mirroring wie auch beim Zugriff auf bitcasa-Laufwerk

Update 20.11.13 Bitcasa hat die Preise erhöht. Mein Unlimited-Paket kostet nun nicht mehr 99$ im Jahr sondern pro Monat –> Account gelöscht

Crashplan

Nächster war crashplan, und wurde nach einer Woche wegen der sehr schlechten Upload-Bandbreite abgebrochen.

  • bezahlbar, ja 48 – 108 US$ pro Jahr
  • unbeschränkten Speicherplatz, ja 
  • unbeschränkter Up-/Download, ja
  • Backup und Spiegelung, nur Backup
  • Netzlaufwerke backupen, ja
  • 5 Versionen unabhängig von der Aufbewahrungsdauer, ja
  • beliebige Anzahl Endgeräte, je nach Vertrag 1 oder 2-10
  • Webzugriff (https, webdav) und Client für Mac, Windows, iOS, Linux (Synology),  ja, die Apps sind relativ performant und stabil. Kein Linux-Client (hat eigentlich keiner).
  • verschlüsselte Übertragung und Speicherung, na
  • Sharing und Streaming, na
  • Online Speicher kann als Laufwerk angebunden werden, weiss nicht mehr

Update 20.11.13 Websites http://pcloadletter.co.uk/2012/01/30/crashplan-syno-package/ und http://blog.abenker.com/2012/06/17/synology-diskstation-und-crashplan/ etc. mit einer guten Anleitung für Crashplan auf Synology-NAS gefunden

 

OpenDrive

Nun bin ich an opendrive dran und bin bisher (2.5TB) und immer noch zufrieden

  • bezahlbar, ja 99 US$ pro Jahr
  • unbeschränkten Speicherplatz, ja 
  • unbeschränkter Up-/Download, jein, Download ist auf 100 GB pro Tag beschränkt, mehr ist Kostenpflichtig, sie behaupten auf der Website kulant zu sein….
  • Backup und Spiegelung, ja
  • Netzlaufwerke backupen, ja
  • 5 Versionen unabhängig von der Aufbewahrungsdauer, ja bin im Moment bei 10 Versionen bei einzelnen Dateien
  • beliebige Anzahl Endgeräte, ja
  • Webzugriff (https, webdav) und Client für Mac, Windows, iOS, Linux (Synology),  ja, die iOS-App ist langsam und instabil. Kein Linux-Client (hat eigentlich keiner).
  • verschlüsselte Übertragung und Speicherung, ? Übertragung erfolgt 128bit verschlüsselt, zusätzlich gibt es auf dem PC einen speziellen Folder, dessen Inhalt bereits auf dem PC verschlüsselt wird und diese Verschlüsselung über die ganze Kette beibehält.
  • Sharing und Streaming, ja nur einzelne Dateien

Software funktioniert unter Windows 8 und 8.1 stabil, kann alle Verzeichnisse und Netzwerklaufwerke backupen oder syncen. Nutzt die ganze Netzwerkbandbreite für den Upload über meinen Internet-Anschluss.

Mein Ranking

  1. Crashplan
    Pro: Synology PlugIn, Preis, stabil, transparent (man weiss was die SW tut) und Verschlüsselung Neg: iOS App
  2. OpenDrive
    Pro: Preis, stabil, transparent (man weiss was die SW tut) Neg: iOS App und Verschlüsselung

Salar de Uyuni 10. – 20.09.2002 (47’400 km)

In Potosi hatten wir uns diesmal ausgiebig über die Strassenverhältnisse informiert – wir lernen ja schliesslich aus unseren Fehlern. Es stellte sich heraus, dass ein Teil der von uns geplanten Strecke über Uyuni nach Argentinien auch für Mosquito ohne Probleme zu bewältigen wäre, der 2. Teil aber seine Tücken hatte und davon nicht gerade wenige. Wir entschlossen uns deshalb, den Camper auf dem Parkplatz des Hostals sicher stehen zu lassen und mit Rucksack und Bus den Ausflug nach Uyuni und dem Salzsee „Salar de Uyuni“ zu wagen.

Uyuni

Nach einer nicht unangenehmen 6stündigen Fahrt kamen wir wohlbehalten in Uyuni an und waren zuerst einmal geschockt. Doch es stellte sich glücklicherweise heraus, dass das Zentrum des Städtchen nicht so unattraktiv war wie der Rest, ganz im Gegenteil. Ein paar Restaurants hatten eine Art Fussgängerzone gebildet und so genossen wir seit langem wieder einmal einen Kaffee draussen sitzend, das Gesicht zwecks Bräunung der Sonne zugewandt.
Die 4tägige Tour in den Salar und zu den Lagunen war schnell gebucht und als es langsam kalt wurde, zogen wir uns in ein geheiztes Restaurant zurück und verschlangen in Rekordtempo eine Pizza, die auch ein echter Italiener nicht besser aber bestimmt schneller hingekriegt hätte.

Ein Trip in die Kälte oder Sibirien lässt grüssen

Der 1. Tag

Pünktlich fanden wir uns am nächsten Morgen vor dem Reisebüro ein, mit einem Proviantsack, der aus Schokolade, Chips und Wasser bestand. Unsere Gruppe setzte sich aus 3 Holländerinnen, Ysabel, Patou und Elles, Fabian, einem Münchner, unserem Fahrer, Clemente und natürlich uns zusammen. Die Sonne schien, der Toyota Landcruiser schien fahrtauglich und Clemente sah auch nicht wie ein Quartalssäufer aus. Vor allem letzteres, waren wir gewarnt worden, sei nicht selten und führe oft zu dummen Unfällen. Doch unsere Beobachtungsgabe gab uns recht, denn Clemente chauffierte uns, immer gemütlich auf ein paar Cocablätter herum kauend, sicher über alle Berge und durch alle Flüsse.

Unser erster Stopp war der Salar selbst. Wir alle hatten Mühe zu glauben, dass wir tatsächlich auf Salz und nicht auf Schnee standen. Hier erfuhren wir, dass der Salar de Uyuni das grösste Salzvorkommen der Welt ist, doch weil der Salzpreis sehr tief ist, wird Bolivien mit dem Export nicht reich. Nachdem wir erfahren hatten, wie das Salz abgebaut und gereinigt wird und wir den, durch Autos und Touristen verursachten, Schmutz gesehen hatten, waren wir uns einig, unseren Salzvorrat vielleicht nicht gerade in Bolivien aufzustocken.
Begeistert waren wir etwas später vom Salzhotel. Ja, auch wir konnten es fast nicht glauben, aber praktisch alles wurde aus oder mit Salz hergestellt. Das Hotel wurde kürzlich geschlossen, weil das Abwasser von Dusche, WC usw. den Salar verunreinigte und keine annehmbare Lösung gefunden werden konnte.
Auf der Isla del Pescado machten wir Mittagsrast, doch gegessen wurde erst, nachdem der Hügel erklommen und die tolle Aussicht, wie auch die hohen Kakteen ausgiebig bewundert worden waren. Die Sonne war unser unbarmherziger Begleiter, doch da wir alle wussten, was uns nach Sonnenuntergang blühen würde, beschwerten wir uns nicht, sondern genossen die Wärme, die uns von oben, wie auch reflektiert durch das Salz, von unten entgegenschlug.
Gegen 16:00 Uhr trafen wir an unserem Bestimmungsort für die Nacht ein. Schnell belegten wir die Zimmer und machten uns alle auf, die nächste Bar zu suchen. So etwas in der Art war auch relativ schnell gefunden und wir spülten den Staub mit Bier hinunter. Nach einem erstaunlich guten Abendessen war eine heisse Dusche angesagt und anschliessend fielen wir erschöpft in die Betten – es war mittlerweile auch viel zu kalt geworden, um sich mit einem Kartenspiel den Abend zu verkürzen.

Der 2. Tag

Den Salar hatten wir ja schon am Vortag verlassen und so machten wir uns durch eine spektakuläre Bergwelt Richtung Lagunen auf. Diesen wie auch den nächsten Tag verbrachten wir zwischen 4’000 und 5’000 müM. Es war widerlich kalt und eine gemeine Bise verdrängte jegliches Verlangen zum Verlassen des Fahrzeugs. Mittagsrast machten wir an einer Lagune, in der rosarote Flamingos leben. Zum Glück waren wir die erste Touristenladung, denn die scheuen Tiere zogen sich nach den ersten Fotos schnell vom Ufer zurück. Weiter ging es dann über Stock und Stein, bis wir zu einer eigenartigen Felsformation kamen, die eine lustige Hasenart beherbergt. Hier genossen wir die Windstille und liessen die Sonne unsere armen Knochen aufwärmen.
Die Nacht verbrachten wir an der Laguna Colorada, die für ihre rote Farbe berühmt und das unwirtliche Klima berüchtigt ist; nachts bis -20° Celsius. Da Petrus sich unser nicht erbarmte, sahen wir uns gezwungen, das Abendessen warm verpackt mit Mütze und Handschuhen einzunehmen. Glücklicherweise hatten wir vorher wieder eine Art Bar ausfindig machen können und so liessen wir etwas später einen Vino caliente (ähnlich unserem Glühwein) durch unsere kalten Körper fliessen. Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass sich die Bolivianer an diesem Ort gar nicht erst die Mühe gemacht hatten, fliessend Wasser zu installieren, da das Wasser in den Rohen sowieso ewig gefroren wären. Der Strom war bis 21:00 Uhr angeschaltet, anschliessend blieb einem nicht viel anderes übrig, als bei Kerzenlicht zu lesen (da froren aber die Finger ein) oder zu schlafen. Trotz Daunenschlafsack war die Kälte erbärmlich und der Schlaf kam während diese Nacht, wohl auch wegen der Höhe auf 4700 müM., bei allen zu kurz.

Der 3. Tag

Gerädert standen wir alle kurz vor 5:00 Uhr auf, packten unsere Sachen zusammen und machten uns – ohne Frühstück – auf den Weg zu den heissen Quellen. Kurz nach Sonnenaufgang trafen wir dort auch ein und mussten von Clemente fast gewaltsam zum Verlassen des warmen Autos gezwungen werden. Holland machte sich auf, die kalten Füsse im ca. 35° warmen Wasser aufzuwärmen, während Schweiz und Deutschland sich auf einen Erkundungsspaziergang wagten. Wir fanden nur wenige Meter von den heissen Quellen entfernt gefrorene Tümpel und übten uns übermütig im Eiskunstlauf. Eine Ahnung, dass das Frühstück fertig sein könnte, trieb uns dann wieder zum Auto zurück. Während wir genüsslich das heisse Rührei mit einem noch heisseren Tee herunterspülten, beobachteten wir mit Entsetzen, wie sich ein paar Lebensmüde die Kleider vom Leib rissen und sich in die warmen Fluten stürzten – es waren vor allem Italiener und Franzosen. Keiner unserer Gruppe konnte sich zu solche einer Aktion aufraffen.
Anschliessend standen die Laguna Blanca und Laguna Verde auf dem Programm, bevor wir Patou und Elles, die ihre Reise nach Chile fortsetzten, in einer Ortschaft abluden. Wir restlichen Vier mussten eine 5stündige, relativ langweilige Fahrt überstehen und versuchten diese durch Dösen zu verkürzen.
Ein paar Stunden vor Uyuni hielten wir für die Nacht und zu unserer Freunde gab es nicht nur fliessendes, sondern auch heisses Wasser! Einmal mehr fielen wir gleich nach dem Abendessen todmüde in die wieder einmal zu kurzen Betten.

Der 4. Tag

Der letzte Tag bestand eigentlich nur aus der Rückfahrt. Wir hielten zwar noch in San Cristobal, um eine hübsche Kirche zu bewundern und auf dem Friedhof der Züge (Schrottplatz), doch waren wir in Gedanken bereits in Uyuni und diskutierten während der Fahrt darüber, welche Pizza wir denn später bestellen wollten.

Alles in allem hatten wir die 80 US$ pro Person gut investiert, wenn wir uns auch gewünscht hätten, dass uns unser Fahrer Clemente mehr über Land und Leute, Flora und Faune etc. erzählt hätte – aber man kann nicht alles haben (alte bolivianische Weisheit).

In der Mine

Da uns der Gedanken, schon wieder Auto, bzw. Bus fahren zu müssen, Schauer über die Rücken jagen liess, entschieden wir uns für die Variante Zug. Dafür mussten wir zwar noch einen Tag länger in Uyuni bleiben (der Zug fährt nur 1x die Woche von Uyuni nach Pototsi und dies dienstags), doch nutzten wir diesen Tag, um gemütlich auszuschlafen, die diversen Strassenrestaurants auszuprobieren und einfach auszuspannen. Die Zugfahrt stellte sich als mehr als gemütlich heraus und die 6 Stunden und genau 15 Minuten vergingen wie im Fluge.

Am nächsten Tag unternahm Hubi, todesmutig, die Minentour, während sich Birgit von den Uyuni-Strapazen erholte. In Kooperativen werden, hauptsächlich ohne elektrischen Strom und Pressluft, Kupfer, Zinn, Silber und andere Erze abgebaut. Um die Mineros gütig zu sinnen, bringt man Geschenke in die Mine mit, welche man vorher auf dem Minenmarkt kaufen kann. Empfohlen sind Dynamitstangen (inkl. Zünder und Zündschnur), Cocablätter, 96% Alkohol usw. Mit Geschenken, Helm und Karbitlampen bewaffnet, machten wir uns nun auf in die Minen. Der Eingang ist mit Lamablut verschmiert, um Mutter Erde (Pachamama) zu besänftigen. In gebückter Haltung kommt man nach ein, zwei Abzweigungen zu ein Paar Kreuzen, um auch dem Gott der Katholiken zu gefallen. Nur kurze Zeit später erscheint die Statue des Onkels (Tio, der Ehemann Pachamamas?), die Spaniern bezeichneten ihn damals als Teufel, heute ist er der Schutzgott der Mineros. Gott und dem Onkel werden Cocablätter geopfert, aber nur der Onkel wird zusätzlich noch mit Alkohol und Zigaretten verwöhnt. Dann geht es weiter hinein in den Berg, in gebückter Haltung, dies versteht sich von selbst. Der Berg ist durchlöchert wie ein Schweizerkäse, so haben wir den Käse jedenfalls noch in ferner Erinnerung und beim Gehen spürt man stellenweise den Kumpel, der einen Gang unter einem die Löcher für seine Dynamitstangen mit Hammer und Meissel in den Berg haut. Die SUVA hätte an diesen Arbeitsbedingungen keine Freude und es gab einem schon zu denken, als wir den 13-jährigen Pablo beim Meisseln sahen. Er arbeitet aber nur 4 Stunden täglich hier, weil er ja noch zur Schule muss.
Alle 14 Tage holen Lastwagen der Erzwerke ihre Ladung ab, angenommen werden nur Ladungen von 8 Tonnen Gewicht, dafür erhält der Minenarbeiter abzüglich aller Abzüge etwa 150-250 Bolivianos, dies entspricht etwa 35-60 CHF für 14 Tage Arbeit, was auch für bolivianische Verhältnisse nicht sehr viel ist.

Zur Grenze

Wie schon gesagt, sind die Strassen hier ein Hohn. Das Fahren mit unserem Auto auf diesen Waschbrett- und Steinpisten kann man sich etwa gleich vorstellen, wie auf einem Konzertflügel eine Geröllhalde hinunterzurutschen. Knapp 60 km nach Potosi machten wir wieder einmal einen Radwechsel und stellten dabei fest, dass der linke Stossdämpfer deutlich Öl verlor. Zum Bild mit dem Flügel stelle man sich jetzt einfach noch vor, man habe zusätzlich einen Hammer dabei und schlage damit während der fröhlichen Rutschpartie eifrig auf das Instrument ein. Nach weiteren 200 km und 6 1/2 Stunden fanden wir in Tupiza endlich jemanden, der zwar keinen Ersatzpneu, aber dafür einen Schlauch für den platten Reifen hatte. Am nächsten Morgen legten wir die letzten 100 km Geröllstrasse zur argentinischen Grenze zurück und waren froh, endlich wieder einmal geteerte Strassen fahren zu können.
Nun, das mit dem Geröll ist nur das eine Übel, das andere ist der Staub, was heissen will, dass unser Auto nach dieser Höllenstrecke sowohl aussen wie innen, einfach überall und auch alles, mit einer grässlich braunen Staubschicht bedeckt ist. Wir verbrachten die letzten Nächte in Hotels und das wird so bleiben, bis wir unsere gesamte Kleidung, alle Vorhänge und sonstigen Stoffe in die Reinigung gegeben und Mosquito einer gründlichen Reinigung unterzogen haben.
Und es geht noch weiter, wir mussten nämlich sogar ein paar Flüsse durchqueren – auf eine Durchquerung sind wir besonders stolz (zum Glück ist gerade Trockenzeit): Zuerst schritt Hubi zu Fuss das Flussbett ab, um die am wenigsten tiefen Stellen für eine Durchfahrt zu finden, während sich Birgit bei einem in der Nähe arbeitenden Einheimischen erkundigte, ob es denn keine andere Möglichkeit gab, anscheinend nicht. Da gerade ein Bagger in der Nähe war, gingen wir auf Nummer sicher und fragten den wackeren Arbeiter, ob er uns in Schlepptau nehmen könnte. So setzten wir über, ohne Wasserschaden und ohne stecken zu bleiben, es stellte sich sogar heraus, dass wir den Bagger gar nicht benötigt hätten…

 

Nach Sucre und zurück 3. – 9.09.2002 (47’300 km)

Potosi

Die höchstgelegene Stadt dieser Grösse (auf 4’070 müM. und 110’000 Einw.) wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Als Minenstadt wuchs sie im frühen 17. Jahrhundert wegen Silberfunden zu einer der grössten Städte auf dem amerikanischen Kontinent heran.
Man denkt sich eigentlich, dass es auf über 4000 müM. mal etwas flacher zugehen würde, aber nein, die ganze Stadt ist auf Steilhänge verteilt und so wurde Mosquitos Kupplung stark strapaziert. Die Strassen Potosis sind ausserdem sehr eng und verwinkelt und werden oft als Pissoir und Abfalleimer benutzt. Dazu viel Verkehr, mehrere Märkte am Strassenrand und unheimlich viele Fussgänger und man hat das schönste Chaos. Wir waren froh, uns nach einigen Stunden der Stadtbesichtigung, in unseren ruhigen Camper zurück ziehen zu können.

Sucre

Von Potosi aus zogen wir nach Sucre, der eigentlichen Hauptstadt Boliviens, hier ist es deutlich wärmer, denn sie liegt auch nicht mehr so hoch, nur noch auf 2’790 müM. Wir trafen pünktlich auf die Fiesta de la Virgen de Guadalupe ein und kamen so in den Genuss eines fasnachtähnlichen Treibens. Am folgenden Tag konnte man in der Tageszeitung lesen, dass das Fest ein voller Erfolg gewesen war, der Alkohol auch in diesem Jahr wieder in Strömen geflossen und ein Verkehrschaos ausgebrochen war – das alles hatten wir auch so festgestellt. In Sucre herrscht, im Gegensatz zu Potosi, eine entspannte Stimmung, alles ist viel grosszügiger gebaut und es ist überall ersichtlich, dass vor allem reiche Bolivianer hier ihre Residenz aufgeschlagen haben.

Noch einmal Potosi

Um zum Salar de Uyuni zu gelangen, mussten wir zurück nach Potosi. Diesmal waren wir voll bepackt, denn wir führten noch 3 Schweizer mit. 10 km vor Potosi begann dann das Abenteuer: Minenarbeiter einer staatlichen Mine blockierten mit Steinen, brennenden Pneus und einem quer gestellten Lastwagen die Strasse. Sie protestieren damit gegen die Privatisierung ihrer Mine. Obwohl wir Reisende in der Überzahl waren, mussten wir wohl oder übel warten.
Es war schon nach Mittag, dunkle Wolken zogen auf, es wurde langsam etwas kühler und uns allen knurrte der Magen. So setzte Bibi kurzerhand Wasser für Spaghetti auf, erwärmte eine Fertigsauce und im Nullkommanichts stand ein Gourmetmenü auf dem Tisch – sogar noch mit Edamer als Reibkäse. Später, beim gemütlichen Kaffeeklatsch, bemitleideten wir die unterdessen im Regen stehenden Mineros, die wie üblich mit viel Gepäck reisenden Einheimischen und die Rucksacktouristen, die nass, durchfroren und zu allem Übel mit leerem Magen die letzten Kilometer zu Fuss gehen mussten.
Nach einem Jass und 5 Stunden Wartezeit beschlossen unsere drei Gäste, den Streik zu Fuss zu durchqueren und auf der anderen Seite ein anderes Transportmittel in die Stadt zu nehmen, während wir uns auf eine Nacht an der Strasse einstellten.
Das Ganze liest sich nun wie ein Picknick, doch die Situation hatte auch ihre brenzligen Seiten. Zum Beispiel drohte uns ein Minero damit, einen Pneu zu durchstechen, wenn wir ihm nicht etwas Wasser geben würden. Andere sprengten etwa 15 Meter neben der Strasse immer wieder Erde mit Dynamitstangen und als es dann dunkle Nacht war, nur etwas erhellt von den Streikfeuern, fühlten wir uns doch etwas unbehaglich, als grosse Gruppen rotbehelmter Mineros laut diskutierend hin und her rannten.
Schlussendlich, nach ein paar Fehlalarms, wurde gegen 21:00 h die Blockade aufgehoben und wir fuhren schleunigst in unser Hostal. Die Mineros erreichten mit ihrer Aktion, dass nun 14 Tage darüber diskutiert wird, was nun mit der Mine geschehen soll. Wird die Privatisierung durchgesetzt, steht der Verkehr in 2 Wochen wohl wieder still.

Nach Panama 7. – 10.06.2002 (38’600 km)

Vulkan Irazu

Auch dieser scheue Vulkan verbirgt sich gerne unter einer dichten Wolkendecke. Da die Wahrscheinlichkeit am grössten ist, dass er am Morgen zu sehen ist, haben wir gleich vor dem auf 3’400 müM. liegenden National Park übernachtet. Schon am frühen Abend sahen wir uns gezwungen zu heizen und die Nacht – bei nur noch 11 Grad – verbrachten wir gemütlich eingekuschelt unter dem Daunenduvet (das wir das letzte Mal vor zwei Monaten benutzt hatten). Um 8 Uhr waren wir dann schon fit und munter und machten uns an die Besichtung der drei Krater, was wir mit einem anschliessenden Frühstück belohnten.

Die Weiterfahrt führte uns recht einsam über Berg und Tal, nur von Sintflut artigen Regengüssen begleitet, an die Grenze von Panama. Die Nacht vor der Grenzüberquerung verbrachten wir im Garten von Frau Weiss, einer ausgewanderten Deutschen und sie erzählte uns von ihren Erlebnisse in Costa Rica: Vor erst einem Jahr war sie hier angekommen, brauchte einen geschlagenen Monat, um den Container mit den Möbel und Kleidern aus dem Zoll zu holen, schon 8 Monate später konnte sie dann ihr Auto abholen… Besonders interessant fanden wir, dass in dem Land, in dem die klimatischen Verhältnisse doch optimal scheinen, doch nicht ganz alles wächst. Eine grosse Enttäuschungen war, dass sie auf ihrem grossen Anwesen keine Peperoni, Zucchetti, Tomaten und vieles mehr anpflanzen konnte, weil das „Gelumpe“ zwar wuchs, doch keine Früchte produzierte. Nach zu vielen Termiten-, Spinnen-, Schlangen- und Skorpion-Attacken will sie nun ihr Anwesen verkaufen und zurück nach „Good Old Germany“.

Am Arenalsee 29.05. – 2.06.2002 (38’000 km)

Der Vulkan

Als wir vom Strand Richtung Vulkan Arenal fuhren, rechneten wir eigentlich nicht damit, den Vulkan zu Gesicht zu bekommen, da sich dieser gerne in den Wolken verbirgt und das besonders jetzt in der Regenzeit.
Aber weit gefehlt! Kaum hatten wir freie Sicht auf den Arenalsee, hatte ihn Birgit auch schon erspäht. Majestätisch sass er am andern Ende des Sees – tiefblauer Himmel und grüne Hügel bildeten einen zauberhaften Kontrast zum Braun-Grau-Schwarz des Vulkans. Zufrieden, diesen auch abhacken zu können, suchten wir uns einen Platz für die Nacht.
Während der Fahrt um den See fühlten wir uns fast wie Zuhause. Eine saftig grüne Hügellandschaft umgibt den See, schwarz/weisse Kühe weiden überall und zwischendurch feiner Nieselregen. Dies haben viele Europäer entdeckt und so findet man rund um den See italienische Restaurants, deutsche Bäckereien und nicht zu vergessen: Klein Helvetien.
Natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, dem deutschen Restaurant in Arenal einen Besuch abzustatten und uns den Bauch mit Bratwurst mit Sauerkraut, Brot und Senf zu füllen – mhmmm, lecker.

Eine Nacht verbrachten wir mit unseren englischen Freunden, die wir in Guatemala kennen gelernt hatten und die auch mit dem Camper unterwegs sind, zu Füssen des Vulkans. Zu viert sassen wir nun gemütlich in unseren Campingstühlen, den Feldstecher in der einen, eine Pina Colada in der anderen Hand und schauten zu, wie der Arenal Rauchwolken ausstiess und dazu Geräusche machte, die an eine Dampflokomotive erinnerten. Nach dem Einnachten fing das Spektakel aber erst so richtig an: Grosse, den Kegel hinunter kullernden Lava- und Gesteinsbrocken hinterliessen feuerrote Spuren, aber das besondere Highlight war die Lava-Eruption, bei der richtige Feuerwolken aus dem Krater aufstiegen und an ein Feuerwerk erinnerten. Wir stellten fest, dass sich der Vulkan immer dann regte, wenn jemand von uns duschen oder Kaffee machen ging…

Die darauf folgende Nacht verbrachten wir in Los Lagos, einem Vergnügungs-Ressort mit heissen Quellen, Wasserrutschbahnen, Krokodilteich etc. Während den kurzen Regenschauern liessen wir uns also aufheizen und probierten alle Rutschbahnen aus. Mit von der Partie war eine Horde junger Amerikaner/innen, die sich an der Poolbar langsam betranken und das Rumpeln des Vulkans übertönten.

Nach Nicaragua 11. – 13.05.2002 (36’900 km)

Tegucigalpa

Traurig nahmen wir Abschied von der Idylle am See und machten uns auf den Weg gen Hauptstadt. Gegen Mittag trafen wir dann auf Ivo, der gerade dran war, einen weiteren Berg zu erklimmen. Dazu ist noch zu sagen, dass er bereits einen Tag früher losgezogen war – wieder einmal beglückwünschten wir uns, mit dem Auto unterwegs zu sein. Nachdem wir Ivo mit eiskaltem Tee aufgebaut hatten, brausten wir, eine Dieselwolke dem Hustenden hinterlassend, dem Gipfel entgegen. Wir haben ihn seitdem nicht mehr gesehen.
In Tegu suchten wir uns ein grosses Einkaufszentrum und entschieden uns, nachdem wir die Kinoplakate gesehen hatten, auf dem Parkplatz zu übernachten. Als erstes genossen wir eine leckere Pizza und statten daraufhin gleich dem Internet Café einen Besuch ab. Natürlich stand auch Einkaufen auf unserer Liste, da die Läden hier aber meist bis spät in die Nacht offen haben, verschoben wir dies auf später. Nach eingehender Beratschlagung entschieden wir uns dann, uns vom Film „Eiszeit“ (Zeichentrickfilm) etwas abkühlen zu lassen.

Danli

Danli ist ein kleiner Ort, ca. 40 km vor der Grenze. Wir übernachteten auf dem Parkplatz des schönen Hotel Granada, das leider, entgegen dem Beschrieb unseres Reisehandbuches, keinen Swimmingpool aufzuweisen hatte. Also vergnügten wir uns im Innenhof mit Essen, Trinken und Lesen und schlossen den Tag mit einer Dusche unter dem Sternenhimmel ab.

Ans Meer und zurück 5. – 11.05.2002 (36’500 km)

Omoa

Omoa, unter der Woche ein einsames Fischerdorf, wird am Wochenende zum Hexenkessel, weil die Hondurianer ihre Wochenenden gerne am Strand verbringen. Als wir am Sonntag ankamen, trauten wir unseren Augen nicht. Man konnte weder Strand noch Meer sehen, sondern nur Leute, laute Musik, Autos, Busse soweit das Ohr bzw. Auge reichte und dann noch diese Hitze.
Eigentlich wollten wir gleich am nächsten Tag wieder abreisen, aber am Montagmorgen war das Dorf und vor allem der Strand wie ausgestorben. Wir besuchten in der schon fast unerträglichen Morgenhitze das Fort und schwitzten dann den Rest des Tages am Strand herum.
Die kurzen Regenschauer in der Nacht waren keine wirkliche Abkühlung, es trug dann eher zu einer erhöhten Luftfeuchtigkeit bei. Trotzdem fanden wir, bei laufendem Ventilator, unseren Schlaf.

Lago Yojoa

Am Lago Yojoa war es tagsüber auch heiss, aber in der Nacht kühlte es soweit ab, dass wir uns sogar mit einem Leintuch bedecken mussten. Neben den angenehmen Nächten findet man hier ein richtiges Vogelparadies vor. Beim Einnachten beginnt das grosse Konzert, wir lauschten andächtig dem Geknirsche, Gezirpe, Gepfeife, Gezwitscher, Gekrächze, Gequake und Geheul, welches die ganze Nacht bis in den Morgen hinein dauerte, immer wieder von wechselnden Musikanten gespielt.
Hier haben wir auch Ivo, einen Berner, also eigentlich Langnauer, getroffen, der mit dem Fahrrad von Mexiko nach Costa Rico unterwegs ist. Da haben wir bei frittiertem Seefisch und frischem Brot über die alte Heimat philosophiert und die Welt vor dem Untergang gerettet.

In El Salvador 25. – 29.04.2002 (35’900 km)

Am Meer

Nach einem letzten gemütlichen Frühstück starteten wir von Antigua aus Richtung El Salvador. Wir waren uns einig, dass eine neue Etappe der Reise auf uns zukam, da wir die kommenden Länder noch nie bereist hatten. Eine fröhliche Stimmung machte sich breit – endlich waren wir wieder unterwegs! Schon eine Stunde später begann uns die Hitze zu schaffen zu machen. Je näher wir dem Meer kamen, desto heisser wurde es, die Fahrtluft verhinderte, dass uns der Hitzschlag traf. An der Grenze wiesen wir jegliche Helfer ab, da wir ja bereits wussten, wie wir vorgehen mussten, um die nötigen Papiere und Stempel zu erhalten. Nach etwa einer Stunde und immer noch vollem Kühlschrank fuhren wir weiter entlang der Panamericana.
In Acajutla, die Haupthafen-Stadt von El Salvador, machten wir Halt und stellten Mosquito für 8 US auf dem Parkplatz des Hotels Miramar ab. Es war dermassen heiss, dass wir es uns schnell auf der Terrasse des Hotels bequem machten. Total erschöpft, aber glücklich, den Grenzübergang kostengünstig überstanden zu haben, tranken wir eisgekühlte Cola und schauten den Fussballspielern am Strand zu.
Nach einem feinen Abendessen mit Brot und Käse (wir wollten unser Haus ja nicht unnötig aufheizen) und als endlich alle Gäste des Hotels in ihre Zimmer verschwunden waren, packten wir unsere Duschsachen. Wie wir schon am Nachmittag festgestellt hatten, war die Dusche gleich neben dem ziemlich schmutzigen Swimmingpool, aber im Freien. Wir wussten damals noch nicht, dass wir hier schon mal üben durften, denn duschen im Bikini, bzw. Badehose in aller Öffentlichkeit würde in Zukunft öfters der Fall sein – etwas gewöhnungsbedürftig, aber lustig.

Am See

Schnell stellten wir fest, dass auch in El Salvador die Strassen schlecht ausgeschildert sind. Wir hatten vor, direkt von Acajutla zu den Ruinen Tazumal zu fahren, mussten aber eine Abzweigung verpasst haben, denn wir landeten auf einer Bergstrecke zum kleinen See Coatepeque. Wir entschlossen uns kurzerhand, diesem einen Besuch abzustatten und was wir sahen, gefiel uns ausserordentlich. Das Glück war uns einmal mehr hold und so durften wir kostenlos auf dem Parkplatz des Hotels Torre Molinos nächtigen, mit der einzigen Verpflichtung, im hoteleigenen Restaurant etwas zu konsumieren. Hubi konnte nach einem kurzen Blick in die Karte dem Gericht „Plato tipico El Salvadoreno“ natürlich nicht widerstehen und so kamen wir in den Genuss von lecker zubereitetem Bohnenmus, einem guten Stück Käse, Bibis geliebten frittierten Bananen, einem relativ zarten Stück Rindfleisch und einer selbst gemachten Wurst. Das Dessert bestehend aus Kaffee und Eis mit Meringue war im Gegensatz zum Hauptmenü ziemlich enttäuschend.
Am selben Nachmittag trafen noch Dutzende chic angezogene Frauen im Hotel ein und eine Nachfrage beim Kellner eröffnete uns, dass dieser Tag als „Dia de las secretarias“ gefeiert wurde. Es wurde viel gegessen und getrunken und zum Schluss zu unglaublich lauter Musik wohl auch noch getanzt. All diese Aktivitäten wurden durch lange Ansprachen unterbrochen – wir waren froh, dem Geschehen nicht zu nahe zu sein, unsere Ohren wurden auch so genügend strapaziert.

Bei den Ruinen

Am nächsten Tag machten wir uns frohgemut wieder auf die Socken. Schnell hatten wir die Ruinen der Mayas gefunden und noch schneller besichtigt. Eine Pyramide ragt gleich neben dem Museum in die Lüfte, darum herum stehen noch ein paar Mauern. Leider sind die Ruinen sehr schlecht restauriert, d.h. nur mit Beton zugepflastert worden.
Nach der Besichtigung, es war mittlerweile wieder so um die 30° im Schatten, fuhren wir weiter auf der Suche nach einem in der Nähe gelegenen Turicentro. Turicentros sind eine tolle Einrichtung. Meist bestehen sie aus ein paar Swimmingpools und zu mietenden Cabanas, dazu gehören auch die nötigen sanitären Einrichtungen und das Ganze befindet sich immer in einer schönen Umgebung. Nach einer guten Stunde gaben wir die Suche auf, entweder existierte dieses Turicentro nicht mehr, oder aber wir hatten es schlicht übersehen. Wir entschlossen uns daraufhin, ein etwas entfernteres anzusteuern, laut unserem Reiseführer sollte es kurz vor San Salvador sein. Aber auch hier hatten wir kein Glück. Wir erfuhren später von einem Tankwart, dass die heissen Quellen, welche die Swimmingpools speisten, beim letzten Erdbeben versiegt waren und die Anlage aus diesem Grunde geschlossen wurde.
Noch einmal sahen wir uns gezwungen, unsere Pläne zu ändern und so fuhren wir weiter, durch die Hauptstadt hindurch, zum nächsten See.

Wieder am See

Etwas ausserhalb von San Salvador befindet sich der Kratersee „Lago di Ilopango“ und das „Turicentro Apulo“. Schon leicht genervt und total überhitzt kamen wir an, zahlten den Eintritt und wurden auf einen hübschen Platz, gleich neben dem Polizeigebäude gewiesen. Später merkten wir dann, dass ein paar Meter hinter unserem Camper der Abfall deponiert wurde und es deswegen abends nur so von Hunden wimmelte, die dann alle unsere Pneus markierten.
Nach einem ersten Erkundungsspaziergang setzten wir uns in ein an der Seepromenade gelegenes Restaurant und genossen den schönen Ausblick, aber vor allem das kühlende Lüftchen. Wie wir schon die vorhergehenden Tage mit Freude festgestellt hatten, kühlte es in der Nacht jeweils auf 28° ab, dies sollte auch hier der Fall sein. Das Baden im See war nicht so toll, erstens war das Wasser lauwarm und zweitens schien es ziemlich schmutzig.
Als Problem stellte sich dann das Duschen heraus. Da das Touricentro um 17:00 Uhr seine Tore schloss, wurde auch das Wasser abgestellt. Einer der Parkwächter hatte aber mit uns verschwitzten Ausländern Erbarmen und drehte kurzerhand den Hahn wieder auf. So kamen wir dennoch in den Genuss einer kühlenden Dusche, diese natürlich auch draussen. Netterweise liess er dann das Wasser gleich die ganze Nacht an.
Da es uns so gut gefiel und wir die nächste Grenzüberquerung nicht an einem Sonntag machen wollten, entschlossen wir uns, einen Tag länger zu bleiben. Nachdem wir ausgeschlafen und gemütlich gefrühstückt hatten, machten wir einen Strandspaziergang. Am Strand fiel uns eine immer grösser werdenden Menschenmenge auf und als wir genauer hinguckten, erkannten wir, dass ein Mann in Badehose am Boden lag und ein anderer mit Herzmassage beschäftigt war. Etwas später setzten wir uns in ein Restaurant, dieses Mal mit Büchern bewaffnet und mussten beobachteten, dass dem Mann leider nicht mehr zu helfen war – auch die Helfer des Roten Kreuzes konnten nichts mehr ausrichten. Dies war das einzig Traurige während eines absolut wunderbaren Tages.

Und noch zum Thema „Hunde“: Jedem Hundeliebhaber zerreisst es das Herz, wenn er die vielen Streuner sieht. Obwohl die Viecher uns immer die Pneus bepinkeln, können wir ihnen nicht gross böse sein, weil sie uns immer mit so traurigen Augen anschauen. Meist in Gruppen, richtigen Streetgangs, ziehen sie durch die Gegend, immer auf der Suche nach etwas Essbarem. Zum Teil sehen sie wohlgenährt aus, zum Teil aber dermassen verwahrlost und dürr, dass es uns der Anblick richtig schmerzt.
Wenn man sie loswerden will, muss man nur den Arm heben und so tun, als wolle man einen Stein nach ihnen werfen. Der erwünschte Effekt stellt sich in Sekunden ein, die Hunde jaulen auf (auch ohne dass sie getroffen wurden), ziehen den Schwanz ein und rennen um ihr Leben. Oft reicht auch nur ein Blick in ihre Richtung oder ein Wort.
Birgit würde ja am liebsten alle Hunde Mittelamerikas adoptieren, Hubi weigert sich aber immer noch standhaft.

Nach Aguacatan und zum Zoll 8. – 13.04.2002 (34’900 km)

In Aguacatan

Obwohl uns ein englisches Paar, das wir auf dem Campingplatz in Panajachel getroffen hatten, darauf aufmerksam gemacht hatte, dass der Weg nach Aguacatan äusserst staubig sei, machten wir uns früh morgens mit unserem frisch geputzten Mosquito wohlgemut auf dem Weg. Wieder einmal befuhren wir die Panamericana, nachträglich stellten wir sogar fest, dass wir über den höchsten Punkt der Strasse (3’670 müM) gefahren sind. Die letzten 20 km der Strecke nach Aguacatan (wir benötigten dafür eine geschlagene Stunde!) waren im Gegensatz zum Rest nicht asphaltiert und man muss beachten, dass es seit Monaten nicht mehr richtig geregnet hat. Für unser Gelände erprobtes Auto war die Geröllstrecke kein Problem, nur eben eine ziemlich staubige Angelegenheit. Am Ziel angekommen und nachdem wir Yusuke gefunden hatten, stellten wir fest, dass das Wageninnere einem Sandstrand glich. Birgit machte sich – dieses Mal wutschnaubend – sofort an die Reinigung, während Hubi sich der Düngerherstellung widmetet.
Diese Gegend ist und war berühmt für den Anbau von äusserst grossen Zwiebeln und Knoblauch. Aber wegen der etwas einseitigen Anbaupolitik und verschiedenen chemischen Keulen (Dünger, Unkraut- und Schädlingsvertilger) sind die Böden ausgelaugt und übersäuert. Yusuke arbeitet hier für 2 Jahre in einem Entwicklungsprojekt bei einer Landwirtschaftsgenossenschaft, gesponsert von der japanischen Regierung, und stellt unter anderem organischen Dünger her.
Der Dünger besteht aus Kohle (Abfallprodukt aus dem Gipswerk), Hühnerdreck (Abfallprodukt aus der Hühnerfabrik), schwarzer Erde, Hefe, Zuckerrohrextrakten und Getreideabfällen. Die einzelnen Komponenten werden abgewogen, gemischt, fermentiert, von Hand (mit der Schaufel) während 3-4 Wochen 2x am Tag gedreht und schlussendlich in Säcke à 45,4 kg (ein Quintal) abgefüllt. Kostenpunkt je Sack 25 Quetzales (CHF 6.25), was deutlich unter dem Preis von Kunstdüngern liegt.

Von Yusuke erfuhren wir, dass ein Farmarbeiter 20 Quetzales (CHF 5.–) am Tag verdient, was für die Ernährung einer Familie niemals reicht, auch bei den, für uns, tiefen Preisen. Deshalb arbeiten auch die Kinder schon bald auf der Farm mit, anstelle in der Schule zu sitzen.
Ein mal mehr stellen wir fest, wie privilegiert wir sind, in einem Land geboren zu sein, in dem ein Einkommen „normalerweise“ zum Leben reicht.
Um unsere in Antigua hart erarbeiteten Spanischkenntnisse zu erweitern, lesen wir ab und zu lokale Tageszeitungen. Mehr als die Hälfte handelt von Untersuchungen in Sachen Korruption und anderen Verbrechen. Auch der momentane guatemaltekische Präsident, Alfonso Portillo, scheint keinen Deut besser zu sein als seine Vorgänger. Erst vor kurzem soll er heimlich in Panama 3 Bankkonten in seinem Namen eröffnet haben. Seine Erklärung, Teile des Volksvermögens ausser Lande lagern zu wollen, glaubt hier keiner. Es ist mittlerweile auch kein Rätsel mehr, wohin gewisse Gelder, wie z.B. für die Verköstigung von Schulkindern, verschwinden. Aber die Taschen der korrupten Beamten sind nicht nur in Guatemala tief.

Yusuke und ein Arbeitskollege zeigten uns nach Feierabend ‚El Nacimiento del Rio San Juan‘, eine Quelle etwas ausserhalb des Dorfes. Ausserdem gab es eine kurze Stadtbesichtigung, die mit einem Biergelage in einer Cantina endete. Da Yusuke erst seit ein paar Tagen seine eigene Wohnung hat, übernahmen wir die Kocherei und verwöhnten ihn mit einem von unserem deutschen Freund Gerald übernommenen Menü – Yusuke schöpfte 2x nach! Am nächsten Tag wurden wir im Gegenzug mit Misosuppe, Reis, Chinakohl und geräuchtem Kaninchen beehrt. Yusuke und Hubi gingen am Vormittag los und kauften zwei – noch lebende – absolut süsse Kaninchen. Eines davon wurde etwas später umgebracht, laut Hubi „e gruusigi Schlachterei“. Es versteht sich wohl von selbst, dass sich Birgit an diesem Abend rein vegetarisch ernährt hat.

La Mesilla

Da wir am 14. April in Antigua Besucher erwarten, mussten wir unsere Fahrzeugerlaubnis nochmals verlängern. Diesmal gingen wir an die Grenze von Mexiko, weil diese näher an unserem Ausgangspunkt Aguacatan war. Mit dem Schlimmsten rechnend, wurden wir äusserst positiv überrascht. Ohne Aufregung, Betrügereien und Schlepper konnten wir die Fahrzeugerlaubnis in 15 Minuten erneuern.
Und es geht doch!

Quetzaltenango und die Fuentes Georginas

Erschöpft nach der langen Fahrt suchten wir eine Bleibe für die Nacht in Quetzaltenango. Während dem durch die Stadt fahren, war uns ein MacDonalds ins Auge gestochen, dem wir später einen ausgiebigen Besuch abstatteten. Um uns von der stundenlangen Fahrerei vom Vortag zu erholen, fuhren wir weiter zu den heissen Quellen Fuentes Georginas und liessen uns im warmen Wasser entspannen. Das Interessante ist, dass die Landschaft von Antigua bis Quetzaltenango sehr trocken ist, hier auf 2’500 müM aber befindet man sich bereits im Regenwald. Nach dem Baden machten wir einen Spaziergang, der aber nach 30 Minuten den Berg hinaufkraxeln ein jähes Ende im Restaurant fand. Anschliessend verkrochen wir uns in unser Häuschen, backten einen Zopf und bereiteten uns seelisch darauf vor, die Nacht neben einem Stromgenerator zu verbringen.

Semana Santa in Antigua 17. – 31.03.2002 (34’100 km)

Die Semana Santa oder wie man sich seinen Platz im Himmel erkämpft

Eigentlich beginnt der Wahnsinn ja schon mehr als 1½ Monate früher. Immer wieder gibt es, besonders an den Wochenenden, Nachtwachen, Kreuzwege und Prozessionen. Diese mehren sich dann auf Ostern hin und ab Karfreitag finden dann täglich mehrere Spektakel statt. Dabei wird nicht nur massenweise Seelenheil gerettet, sondern auch allerlei kulinarische Leckereien zum Verkauf angeboten. Vor lauter Leute sieht man oft die Strasse nicht mehr.
Bei den Nachtwachen werden in den Kirchen Szenen aus der Bibel nachgebildet und die oft vorhanden Reliquien vorgezeigt.
Die Prozessionen von Antigua sollen zu den schönsten der Welt gehören. Dabei werden die Strassen mit bunten Teppichen aus Blumen, Sägemehl oder Gemüse geschmückt. Diese Teppiche haben, obwohl zur Herstellung oft mehrere Stunden gebraucht werden, nur ein kurzes Dasein, weil schon bald eine Prozession darüber hinweg geht. Bei den Prozessionen werden die Schiffe, wiederum mit Szenen aus der Bibel geschmückt, durch die engen Strassen getragen. Einige beginnen schon am frühen Morgen und erreichen erst nach Mitternacht wieder ihre Kirche. Begleitet werden diese Schiffe von einem Heer von Trägern, Weihrauchschwinger, diversen anderen Heiligenstatuen, einem Orchester, einem Generator und vielen Schaulustigen. Der Generator liefert für die nächtliche Beleuchtung Strom und kämpft mit dem Orchester um Gehör. Die Schiffe sollen bis zu 3.5 Tonnen wiegen und werden von bis zu 90 Personen getragen. Wobei Männer, Frauen und auch Kinder ihre eigenen Schiffe haben. Wer bei so einer Prozession mittragen will, muss je nach Streckenabschnitt ganz schön tief in die Tasche langen.

Die interessanteste Nacht ist die von Donnerstag auf Karfreitag. Rund im die Uhr werden in der ganzen Stadt Teppiche erstellt, um den 5 stattfindenden Prozessionen die Ehre zu erweisen. Laut Insidern, schläft in dieser Nacht niemand und so haben auch wir uns die Nacht um die Ohren gehauen. Begonnen haben wir um 9 Uhr mit dem Besuch in der Salsathek, wobei wir uns, im Anbetracht der lokalen Tanzkünste, wie Fusskranke vorkamen. Anschliessend beobachteten wir die Teppichhersteller bei der Arbeit. Die erste Pause gönnten wir uns um 1 Uhr mit einem Bier und hausgemachter Lasagne. Anschliessend machten wir wieder die Stadt unsicher und bald war dann schon 3 Uhr. Zu Fuss, zu Pferd oder mit dem Streitwagen waren um diese Zeit die als Römer verkleideten Antiguaner unterwegs und verlasen an jeder Kreuzung die Jesus zur Last gelegten Vergehen, dies unterstützt durch Trommeln und Trompetengeschmetter. Wieder war eine Kaffee-Pause angesagt und ein paar UNO-Spiele später war dann 6 Uhr und die erste Prozession machte sich mit ihrem Marsch durch die Stadt an die Verstümmelung der Teppiche. Wir gingen bald darauf – aber erst nach dem Frühstück bei Mama Irma – ins Bett.