Archiv der Kategorie: Kanada

Nach Nicaragua 11. – 13.05.2002 (36’900 km)

Tegucigalpa

Traurig nahmen wir Abschied von der Idylle am See und machten uns auf den Weg gen Hauptstadt. Gegen Mittag trafen wir dann auf Ivo, der gerade dran war, einen weiteren Berg zu erklimmen. Dazu ist noch zu sagen, dass er bereits einen Tag früher losgezogen war – wieder einmal beglückwünschten wir uns, mit dem Auto unterwegs zu sein. Nachdem wir Ivo mit eiskaltem Tee aufgebaut hatten, brausten wir, eine Dieselwolke dem Hustenden hinterlassend, dem Gipfel entgegen. Wir haben ihn seitdem nicht mehr gesehen.
In Tegu suchten wir uns ein grosses Einkaufszentrum und entschieden uns, nachdem wir die Kinoplakate gesehen hatten, auf dem Parkplatz zu übernachten. Als erstes genossen wir eine leckere Pizza und statten daraufhin gleich dem Internet Café einen Besuch ab. Natürlich stand auch Einkaufen auf unserer Liste, da die Läden hier aber meist bis spät in die Nacht offen haben, verschoben wir dies auf später. Nach eingehender Beratschlagung entschieden wir uns dann, uns vom Film „Eiszeit“ (Zeichentrickfilm) etwas abkühlen zu lassen.

Danli

Danli ist ein kleiner Ort, ca. 40 km vor der Grenze. Wir übernachteten auf dem Parkplatz des schönen Hotel Granada, das leider, entgegen dem Beschrieb unseres Reisehandbuches, keinen Swimmingpool aufzuweisen hatte. Also vergnügten wir uns im Innenhof mit Essen, Trinken und Lesen und schlossen den Tag mit einer Dusche unter dem Sternenhimmel ab.

Ans Meer und zurück 5. – 11.05.2002 (36’500 km)

Omoa

Omoa, unter der Woche ein einsames Fischerdorf, wird am Wochenende zum Hexenkessel, weil die Hondurianer ihre Wochenenden gerne am Strand verbringen. Als wir am Sonntag ankamen, trauten wir unseren Augen nicht. Man konnte weder Strand noch Meer sehen, sondern nur Leute, laute Musik, Autos, Busse soweit das Ohr bzw. Auge reichte und dann noch diese Hitze.
Eigentlich wollten wir gleich am nächsten Tag wieder abreisen, aber am Montagmorgen war das Dorf und vor allem der Strand wie ausgestorben. Wir besuchten in der schon fast unerträglichen Morgenhitze das Fort und schwitzten dann den Rest des Tages am Strand herum.
Die kurzen Regenschauer in der Nacht waren keine wirkliche Abkühlung, es trug dann eher zu einer erhöhten Luftfeuchtigkeit bei. Trotzdem fanden wir, bei laufendem Ventilator, unseren Schlaf.

Lago Yojoa

Am Lago Yojoa war es tagsüber auch heiss, aber in der Nacht kühlte es soweit ab, dass wir uns sogar mit einem Leintuch bedecken mussten. Neben den angenehmen Nächten findet man hier ein richtiges Vogelparadies vor. Beim Einnachten beginnt das grosse Konzert, wir lauschten andächtig dem Geknirsche, Gezirpe, Gepfeife, Gezwitscher, Gekrächze, Gequake und Geheul, welches die ganze Nacht bis in den Morgen hinein dauerte, immer wieder von wechselnden Musikanten gespielt.
Hier haben wir auch Ivo, einen Berner, also eigentlich Langnauer, getroffen, der mit dem Fahrrad von Mexiko nach Costa Rico unterwegs ist. Da haben wir bei frittiertem Seefisch und frischem Brot über die alte Heimat philosophiert und die Welt vor dem Untergang gerettet.

Der 2. Plattfuss und Copan 1. – 5.05.2002 (36’100 km)

Die zweite Reifenpanne

Werden wir vom Pech verfolgt? Erst gerade hatten wir eine Reifenpanne hinter uns gebracht und schon brachte ein weiterer Plattfuss unseren Camper erneut in Schieflage.
Nach einem heissen Vormittag in der Stadt Copan Ruinas, sassen wir gerade gemütlich am Pool beim Hotel, als uns ein lauter Knall in Richtung Parkplatz schauen liess. Eine Staubwolke veranlasste uns, schnellstens zum Camper zu rennen, bereits das Schlimmste ahnend. Die Bestandesaufnahme zeigte zum Glück nur ein geplatztes Luftventil, dieses Mal beim hinteren linken Pneu. Nun, unser Ersatzrad hatten wir schon benutzt, also musste ein neues Ventil her. Schon rannte ein Hotelangestellter zu uns und Hubi und er beratschlagten sich eingehend. Fix holte Juan seinen neuen Wagenheber aus dem Auto (wir erblassten vor Neid) und ohne grosses Federlesens wurde Mosquito angehoben. Da Hubi ja schon eine gewisse Übung hatte, schaffte der es, das Rad in Rekordzeit abzumontieren. Und schon fuhr ein kleiner Pickup auf den Platz und Hubi wurde mit dem Reifen in die Ortschaft Santa Rita kutschiert. Leider hatte es für Birgit keinen Platz mehr, also kaufte sie sich zur Beruhigung ein Eis und setzte sich an den Pool. Keine 20 Minuten später schwitzte Hubi erneut, nämlich als er den Reifen mit dem neuen Luftventil wieder montieren musste. Einen neuen Ersatzpneu werden wir in der Hauptstadt Tegucigalpa suchen gehen.

Die berühmten Ruinen von Copan

Da es morgens ziemlich schnell heiss wird, hüpften wir schon beizeiten in einen Bus und liessen uns zu den Ruinen fahren. Die Haare stellten sich uns zu Berge, als wir den Eintrittspreis erfuhren: ganze 22 US$ pro Person! Sichtlich erschüttert zählte Hubi die Noten ab und Birgit verwünschte die Tatsache, den von Wale mitgebrachten Whisky grad nicht zur Hand zur Hand zu haben. Dann machten wir uns auf den Weg, die Maya-Ruinen zu besichtigen. Eine sehr gepflegte Anlage mit schön angelegten Wegen, vielen Picknicktischen und noch mehr Abfalleimern erwartete uns. Diese alte Mayastadt ist zwar nicht so beeindruckend wie Tikal in Guatemala oder so schön gelegen wir Tulum in Mexiko, doch hat sie ihren eigenen Charme. Bei der Restaurierung haben die Archäologen ganze Arbeit geleistet und dem Besucher stockt der Atem, wenn er von der höchsten Pyramide aus die Gegend überblickt. Doch das Beste sind die Tunnel, die die Archäologen gegraben haben, um die darunter liegenden Bauten zu erkunden, so fand man nun in Stein gemeisselte Masken und ein frühzeitliches Badezimmer. Abgesehen vom kulturellen Wert ist es dort unten schön kühl und so haben wir uns sehr viel Zeit genommen, die Abbildungen von Schlangen, Göttern und sonstigen Objekten zu bewundern. Etwa 2 Stunden hielten wir uns in Copan auf und stellten auf dem Rückweg fest, dass wir gerade noch Glück gehabt hatten. Am Eingang standen jetzt nämlich unzählige Autobusse und es schien uns als würden Millionen von Schulkindern jeglichen Alters daraus entschlüpfen.

Ein Ruhetag

Unseren letzten Tag auf der Hazienda El Jaral benutzten wir, um uns nochmals so richtig auszuruhen und uns auf die Weiterfahrt in die Karibik vorzubereiten. Den Vormittag verbrachten wir lesend im Schatten, hüpften ab und zu in den Swimmingpool, um uns abzukühlen und tranken das letzte Moza-Bier, das wir noch von Guatemala mitgebracht hatten. Nach so viel Gemütlichkeit packte Birgit wieder einmal die Putzlust und sie brachte den Camper auf Vordermann, während Hubi schon mal die kommende Reiseroute unter die Lupe nahm. Zum Abendessen gab es dann eine richtige Bärner Platte mit allem was dazugehört, nur das Sauerkraut von Del Monte war etwas arg sauer.

Am Zoll und der 1. Plattfuss 29. – 30.04.2002 (36’100 km)

Erlebnisse am Zoll El Salvador – Honduras

Die Zölle in Mittelamerika wurden sehr wahrscheinlich alle vom selben Architekten und Raumplaner aufgestellt. Es ist nicht etwa so, dass die zu besuchenden Schalter in logischer Reihenfolge angeordnet sind, auch allfällige Schilder oder Hinweistafeln sind meist noch aus der Zeit vor dem letzten Grenzkonflikt. Die Richtungsangaben der Schalterbeamten helfen einem nicht immer viel weiter, besonders da sie sich über den genauen Ablauf meist selber nicht ganz im Klaren sind. So kam es zu diesem kurzweiligen Zollnachmittag:
Aus Erfahrung wissen wir, dass man meistens zuerst als Person ausreisen und im neuen Land einreisen muss, bevor das Auto an die Reihe kommt. Also gingen wir erst zum El Salvadorianischen Ausreiseschalter und erhielten problemlos den Ausreisestempel in den Pass, gratis. Auf die Frage, wie wir wegen dem Auto vorgehen müssten, drückte man uns ein Formular für die Fahrzeugeinfuhr in die Hand. Korrekt wie wir nun einmal sind, füllten wir es gleich aus und der nette Schalterbeamte schickte uns damit aus dem Gebäude hinaus, in Richtung Honduras. Die Zollzone ist mit Schranken gegen aussen gesperrt, so fragten wir, bereits etwas verwirrt, den älteren Polizisten an der Schranke, was denn nun zu tun sei. Er sah sich das Formular für die Fahrzeugeinfuhr kurz an und schickte uns wieder zurück in die Zollzone zur Policia Nacional Civil, kurz PNC, diese befindet sich in einem Gebäude gleich neben der Zollanlage, einem weiteren Fussmarsch in der brütenden Hitze waren wir entgangen. Wir legten einem Polizisten unsere Fahrzeugbewilligung und das ausgefüllte Formular für die Fahrzeugeinfuhr vor und erhielten beide innert Sekunden abgestempelt. Es stellt sich heraus, dass wir das Formular für die Fahrzeugeinfuhr erst ganz am Schluss wieder bei der Einreise nach Honduras brauchten, eben für den Polizisten an der Schranke. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir ganz gut in der Zeit, aber das sollte sich ganz schnell ändern.
Nun machten wir uns auf die Suche nach dem Zollschalter von El Salvador, aha, dieser befand sich auf der Rückseite des Gebäudes. Bei Schalter mit der Nummer 1 gaben wir die Fahrzeugerlaubnis mit 3 Kopien, den Fahrzeugausweis und Hubis Pass ab (und weil der Herr Kopiermeister gerade beim Mittagessen war, durften wir eine geschlagene Stunde warten!). Nach einiger Zeit und noch mehr Stempeln, wurden wir zum Schalter 8 geschickt. Dieser Herr fühlte sich aber nicht zuständig und schickte uns einen Schalter weiter, zur Nummer 7. Dieser wiederum fragte den Beamten vom Schalter 6, wer den nun für uns zuständig sei, wurden sich nach kurzer Diskussion einig schickten uns zurück zum Schalter 8, wo mittlerweile eine Frau Platz genommen hatte. Diese gähnte erst mal ausgiebig und schickte uns dann wieder zum Schalter 1, allerdings begleitete sie uns und schimpfte anschliessend kurzerhand den dortigen Schalterbeamten aus. Dieser gab uns dann 2 der Fahrzeugerlaubnis-Kopien zurück, nun versehen mit vielen Stempeln und Unterschriften, für unsere persönliche Ablage bestimmt – wir sind sehr stolz darauf, müssen sie aber bereits irgendwo verlegt haben!
Dass wir mittlerweile total die Übersicht verloren hatten und uns ziemlich veräppelt vorkamen, kann man uns sicher nachfühlen. Danach wurden wir in die heiligen Hallen des Zolls gebeten und der Herr Oberzollinspektor erklärte uns: Um unnötige Rennerei zu sparen und keine Zeit zu verschwenden, sollten wir uns doch erst noch „schnell“ den Einreisestempel von Honduras holen. Nichts leichter als das, dachten wir, uns machten uns auf, den richtigen Schalter zu suchen. Nach mehrmaligem Fragen laufen wir wieder in der inzwischen unerträglichen Hitze Richtung Honduras, ignorieren den älteren Polizisten bei der Schranke und finden etwas weiter vorne ein kleines verstecktes Häuschen – dort erhielten wir den Einreisestempel für Honduras in den Pass, Kostenpunkt je 2 US$.
Schweissüberströmt und kurz vor dem Hitzetod kehrten wir erwartungsvoll zum Herrn Oberzollinspektor zurück, doch dieser schickte und nun zu einer Frau Formularassistentin auf der anderen Büroseite. Frau Formularassistentin rannte dann wieder zum Herrn Oberzollinspektor, damit er ihr ein Formular aushändigte, wir fühlten uns wie an einem Tennismatch. Anschliessend verschwanden die Zwei für eine Viertelstunde, nicht aber ohne uns vorher noch eine Sitzgelegenheit anzubieten. Wieder zurück wird ein anderer Herr mit der Zusammenstellung der Formulardaten beauftragt. Dieser und sechs weitere engagierte Männer, die sonst gerade nichts zu tun haben, machten sich auf den Weg zum Camper. Auf dem folgenden Foto sieht man sie bei der Suche nach der Motorennummer. Man beachte den verzweifelt aussehenden Herrn rechts sitzend.

202-0253_Am_Zoll_El_Poy_El_Salvador

Während der verzweifelten Suche nach den verschiedenen Nummern (man findet diese eigentlich auch im Fahrzeugausweis), fragte uns der Stellvertreter des Oberzolldirektors nicht gerade sehr diskret nach unserem Partnerschaftsverhältnis aus. Als wir die Frage nach der Anzahl unseres Nachwuchs mit Null beantworteten, fragte er Hubi verblüfft, was denn sein Problem sei. Spitzbübisch grinsend erwiderte Hubi, dass wir am Herumreisen wären und keine Zeit für Ninos hätten. Dies beeindruckte den Herrn mit dem grossen Schnurrbart nicht sehr, nein, im Gegenteil, mit einem anzüglichen Augenzwinkern meinte er, dass ja gerade diese Zeit die Beste sei – zum Üben, wohlgemerkt…
Etwas später wurde eine andere Dame, die von Schalter Nr. 8, mit dem Ausfüllen des Formulars beauftragt. Frau Formularassistentin machte einen weiteren Stempel in Hubis Pass und rief per Funk nach dem Besitzer des zweiten Stempels. Vergnügt warten wir eine Viertelstunde, bis auf einmal der Herrn Oberzollinspektor vorbeischaute und uns mit einem verwunderten Blick fragte, was denn jetzt noch fehle. „Ach, der Stempel“, plötzlich waren der gesuchte Mann und sein Stempel gefunden. Eine Unterschrift hier, eine andere da und nochmals ein Stempel. Fast fertig, nun brauchten wir nur noch Kopien, 2x Pass Fotoseite, 2x Pass Seite mit den Einreisestempeln und den Stempeln, auf die wir so lange gewartet hatten, plus 2xl Fahrzeugausweis. Einige dieser Kopien gehören ja zu unserem SGÜS (Standard GrenzÜberquerungs-Set), aber eben, die Stempel kann man ja erst kopieren, wenn man sie hat. Die Kopierstube ist diesmal offen, aber leer. Hilfe suchend schauten wir in die Gegend und siehe da, der Kopiermeister machte nur gerade ein Nickerchen im Schatten – das Essen lag ihm wohl etwas schwer im Magen. Frisch aufgeweckt erhielten wir dann die benötigten Kopien.
Damit wurden wir zum hondurianischen Zollschalter geschickt. Dort mussten wir etwa 15 CHF für die Dienstleistung (?) bezahlen. Die armen Leute hier mussten nochmals das ganze Formular in ihren Computer eintippen. Anschliessend mussten wir zur Bank, um das Formular und andere Dienstleistungen zu bezahlen. Während wir friedlich in der Schlange standen und die Klimaanlage genossen, kam ganz entnervt die Frau vom Schalter 8 angerannt, weil nämlich zur Bezahlung noch ein Formular fehlte. 5 Minuten später war sie wieder mit dem Formular zurück und wir kamen endlich an die Reihe. Mit Leidesmine wies uns der Kassierer daraufhin, dass er von dem Zahlformular eine Kopie brauche, die Frau vom Schalter 8 hatte dies vergessen. Während Birgit nicht mehr an sich halten konnte und in einen unkontrollierten Lachanfall ausbrach, machte sich Hubi auf den Weg zum Kopierbüro. Dass dieses diesmal wohl wegen Nachtessen geschlossen war, überraschte ihn nicht sonderlich. Freundlich wies er den Kassierer darauf hin, dass er halt etwas länger auf die Kopie warten müsse. Und oh, siehe da, es ging doch auch ohne Kopie! So bezahlten wir 60 CHF für das neue Formular, Dienstleistung und Taxen.

Und schon waren wir fertig, das Ganze hatte nur 4 Stunden gedauert. Zum Glück waren wir schon kurz nach 13:00 Uhr am Zoll eingetroffen, sonst hätten wir wohl noch dort übernachten müssen. Laut einem anderen Grenzgänger hätten wir Glück gehabt, weil dieser sich schon seit drei Tagen mit den Zollbehörden herumschlug.
Vollkommen erschöpft und mit den Nerven ziemlich am Ende, entschlossen wir uns, gleich Im nächsten Dorf zu übernachten. Einen sicheren Schlafplatz fanden wir vor der Polizeikaserne und gingen dann erst mal in Ruhe was Essen und fielen später dann in einen komaähnlichen Schlaf.

So als Spass am Rande, wir haben in den heiligen Hallen des Zolls noch deren Leitbild hängen gesehen:

202-0255_Leitbild_des_Zolls_El_Poy_El_Salvador
Dieses lautet in etwa:

VISION:
Standardisiert arbeiten mit Qualität und Produktivität, wie die 3 besten Zölle der Welt

MISION
Wir übertreffen die Anforderungen des Wettbewerbs, der Modernisierung, der Globalisierung des internationalen Handels durch das Leisten von standardisierten und effizienten Dienstleistungen, durch das Benutzen einer angemessenen Technologie und durch das Reduzieren der nötigen Eingaben. Qualität soll sichergestellt und Eingaben des Staates optimieren werden, um die Anforderungen des Zolls und des Aussenhandel zu erfüllen und erfüllen zu lassen.

Kommt Dir das bekannt vor? Ist doch erstaunlich wie stark sich Fremd- und Eigenbild unterscheiden können.

Hubi und das kleine Loch im Pneu

Es musste ja einmal passieren, das war uns klar, doch rechneten wir nicht gerade an einem dermassen heissen Tag damit. Es geschah folgendermassen: Wir fuhren gerade gemütlich eine kurvige Bergstrecke und wussten uns schon ein paar Kilometer vor dem Ziel, als uns ein Lastwagen überholte und der Beifahrer komische Zeichen machte. Da dies das normale Prozedere beim Überholen ist, machten wir uns nicht viele Gedanken. Doch schon kurze Zeit später liessen uns ungewöhnliche Geräusche rechts ran fahren.
Hubis Gesicht beim Anblick des stinkenden und total platten Pneus war Filmreif! Ihm fiel nicht nur die Kinnlade runter, sondern es bildeten sich auch bereits die ersten Schweisstropfen auf seiner Stirn, allein beim Gedanken an die kommende Arbeit.
Während Hubi das nötige Werkzeug aus dem „Kofferraum“ holte, schickte er Birgit los, die fehlende Radkappe zu suchen, dann beauftragte er sie, das Pannendreieck populär zu platzieren. Schon Minuten später hielt ein Fahrzeug des hondurianischen Roten Kreuzes und fragte nach, ob bei uns alles in Ordnung sei und von welchem Roten Kreuz wir denn seien. Ungläubig sahen sie uns an, als wir darauf bestanden, Schweizer zu sein.
Nach dieser kurzen Unterbrechung gingen wir wieder an die Arbeit. Birgit versuchte, Hubi so gut es ging zu unterstützen, trotzdem lief diesem innert kurzer Zeit der Schweiss in Strömen runter und er versuchte gar nicht mehr, die Kraftausdrücke zu unterdrücken. Es war aber auch eine verflixte Arbeit. Unser Wagenheber, wir hatten aus Platzgründen die kleinere Ausgabe gekauft, verursachte die ersten Probleme, doch Hubi löste diese mit Unterschieben von Holzstücken. Das Lösen der Radmuttern war wiederum eine schweisstreibende Arbeit und das in der grössten Mittagshitze. Als der Reifen mit Ächzen und Würgen endlich abmontiert war, musste Hubi unter den Wagen kriechen, um das dort versteckt angebrachte Ersatzrad hervorzuholen. Birgit zog das Rad mit Einsatz ihrer ganzen Körperkraft unter dem Wagen hervor, inspizierte den Reifen, erspähte mit Adleraugen den eingefahrenen Nagel und sah schlussendlich selbst wie ein kleiner Mechaniker aus.
Es stellte sich dann heraus, dass Hubi unseren Mosquito zwar genügend angehoben hatte, um das kaputte Rad zu lösen, es aber wegen ein paar lächerlichen Zentimetern nicht reichte, das Ersatzrad zu montieren. Darauf benötigte er erst mal einen grossen Schluck Wasser. Wieder wurde der Camper runtergelassen (natürlich genügend stabilisiert), ein grosser, flacher Stein unter die Hölzer und den Wagenheben geschoben und das Ganze ging von Neuem los. Das Ersatzrad war dann schnell montiert, der Wagenheber gelöst, das Werkzeug weggeräumt. Was nun mit dem kaputten Rad? Nachdem Hubi festgestellt hatte, dass die Stange, die den Ersatzreifen an Ort und Stelle hält, ohne Ersatzreifen nicht wieder zu fixieren war, war die Sache klar. Hubi kroch wieder unter den Wagen und Birgit versuchte, das Rad unter das Auto zu schieben. Ein in der Nähe sitzender Junge zeigte Erbarmen und mit vereinten Kräften schoben sie das Rad in Hubis Reichweite. Eine letzte Kraftanstrengung und der kaputte Reifen war angebracht – und der arme Hubi war fix und fertig!
Schnell holte Birgit das Pannendreieck und nach einem „Gracias“ fuhren wir dem auf den Bus wartenden Jungen davon. Wir hätten ihn natürlich mitgenommen, aber er wollte in die andere Richtung.

Honduras 29.04. – 13.05.2002

centro
Am Zoll und der 1. Plattfuss
Der 2. Plattfuss und Copan
Ans Meer und zurück
Nach Nicaragua

Der Tourismus befindet sich im Aufbau, Ruinen vergangener Kulturen und schöne Strände.

Einreise: 29.04.02 Nueva Ocotepeque, aus El Salvador
gefahrene Kilometer seit Reisebeginn 35’900
Einreise-Formalitäten: Diese waren so aufwendig, dass wir da gleich einen Beitrag daraus gemacht haben.
Ausreise-Formalitäten: Nach dem Einreiseerlebnis nahmen wir gleich die Hilfe eines Tramitadores in Anspruch. In Rekordzeit schleuste er uns zur Migracion, wo wir unseren Ausreisestempel, gratis, erhielten.
Mit dem Auto war es fast genau so einfach: Zuerst mussten wir bei einer Frau einen weissen Zettel holen und dafür gaben wir das Formular ab, welches wir bei der Einreise erhalten hatten. Mit dem Zettel liefen wir gleich in das  Büro nebenan zu einem Mann und liessen diesen den Zettel unterschreiben. Zurück zu der Frau, diese trug nun das Auto aus dem Pass aus, dann suchten  wir einen anderen Mann auf, um wieder einen Stempel zu erhalten. Den machte unser Grenzhelfer, wegen Abwesenheit des Mannes, gleich selber auf den Zettel und in den Pass. Anschliessend ging es wieder zu dem Mann von vorhin, der den Stempel im Pass unterschrieb. Nun fehlte auf dem Zettel nur noch der Stempel von einem anderen Herrn und fertig waren wir. Den Zettel brauchten wir, um zum nicaraguanischen Zoll zu wechseln.
Ausreise: 13.05.02 Las Manos nach Nicaragua gefahrene Kilometer seit Reisbeginn 36’900

Vancouver 19. – 24.09.2001 (15’500 km)

Vancouver

Wieder einmal war Sightseeing angesagt: Der Himmel versprach einen schönen Tag und so spazierten wir am Morgen freudig los und fuhren mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Downtown Vancouver, diese ‚Reise‘ nahm alleine fast 2 Stunden in Anspruch. Vancouver ist eine Stadt, die viel zu bieten hat. Neben grossen Einkaufsstrassen, Restaurants und gigantischen Gebäuden, locken riesige Parks, eine Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe und kunterbunte Menschen aller Nationalitäten. Nach den Wochen in der Wildnis dürstete es uns nach Unterhaltung und nach kulinarischer Abwechslung und so wir gönnten uns nach ein paar Sehenswürdigkeiten ein thailändisches Mittag- und später ein indisches Nachtessen – und beschlossen, uns am kommenden Tag gleich nochmals kulinarisch sowie kulturell verwöhnen zu lassen.
Am nächsten Tag ging es also durch die riesige Anlage der Universität von British Columbia in das Anthropologische Museum. Hier wurden wir mit einer tollen Führung in die Geheimnisse der Totempfähle eingeweiht. Besonders fasziniert hat uns eine grosse Skulptur, welche die Geschichte der Entstehung oder der Herkunft eines Indianerstammes erzählt und diese Geschichte geht so:
Es waren einmal kleine Menschen, die zufrieden in einer Muschel lebten. Eines Tages setzte sich ein Rabe auf die Muschel und erzählte den kleinen Menschen von der grossen, weiten Welt draussen. Er versuchte sie herauszulocken, indem er ihnen versprach, dass sie draussen wachsen würden. Daraufhin sprangen einige Mutige sofort aus der Muschel (ohne gross zu schauen wohin), andere kletterten vorsichtig nach draussen (wer lange in einer Muschel lebt, hat kein Gefühl für unten und oben), wiederum andere trauten der Sache nicht (Selbstbildnis des Künstlers) und schlüpften wieder tief in die Muschel hinein. Und es gab auch welche, die zuerst einmal beobachteten, wie es denn denen draussen so erging.
Danach war ein entspannender Einkaufsbummel angesagt, (na ja, für Hubi war es wohl eher Stress, er bekam aber ein Beraterhonorar) und der schöne Tag wurde mit einem tollen Essen beim Japaner abgeschlossen.

Heimwerker

Einem Autoglaser schilderten wir unser Problem mit dem fehlenden Alkovenfenster. Ohne gross Wind zu machen, wurde innerhalb zweier Stunden ein neues Glas für Mosquito angefertigt und montiert. Am nächsten Morgen, nach einer regenreichen Nacht, fuhren wir nochmals vorbei und danach war es dann auch wasserdicht. Anschliessend konnten wir ohne Probleme bei der DHL-Office in Vancouver unser Paket mit Ersatzteilen aus der Schweiz in Empfang nehmen.
Freudig machten wir uns noch am gleichen Tag, bei leichtem Nieselregen, an die Montage des neuen und auch passenden Dachfensters und für besseren Durchzug am Berg wechselten wir auch gleich noch den Luftfilter.
Nach langem hin und her entschlossen wir uns auch noch zum Kauf einer Solarzelle (100 Watt!), um unsere Batterie für den Wohnbereich auch immer schön geladen zu haben. Bisher mussten wir so alle 5 Tage einmal an die Steckdose.

nach Vancouver 16. – 19.09.2001 (15’100 km)

Nach Vancouver

Um runter nach Vancouver zu kommen bogen wir vor Watson Lake auf den Cassiar Highway ab. Im Gegensatz zum völlig ausgebauten Alaska Canada Highway ist dies ein wahrer Augenschmaus und ein tolles Fahrerlebnis. Eine schmale und doch anständig ausgebaute Strasse führt kilometerweit durch nichts als Natur, die in ihren schönsten herbstlichen Farben aufwartet. Fernab der Zivilisation treffen wir immer wieder auf Bären. Auch diese geniessen ein bisschen die Sonne (wie wir) und fressen sich mit Beeren und was sie sonst noch alles finden den letzten Winterspeck an. Dies wiederum können wir uns nicht erlauben, müssen wir doch Birgits Schwesterchen Mitte Dezember in México City abholen und dann geht’s im Bikini (bzw. Boxershorts) an den Strand.
Einmal machten wir noch einen Abstecher ans Meer nach Steward BC bzw. Hyder Alaska, wo wir noch mehr Bären zu Gesicht kriegten.
Doch alles Schöne hat ein Ende und so kommen auch wir auf unserer Fahrt in südlicher Richtung wieder in die Zivilisation zurück. Während sich gestern noch Tümpel und Seen abwechselten, wird die Landschaft nun von Farmen, Siedlung und richtigen Städten geprägt.

Und dann gibt es noch die Geschichte vom verängstigten Häschen, das wir auf einer unserer todesmutigen Wanderungen angetroffen haben. Der Kleine konnte sich vor Angst gar nicht rühren, aber Diplom-Hasenpsychologien Birgit H. Ase griff sofort zu einem Grassbüschel und versuchte das arme Tier damit zu füttern. Ein kritischer Blick in die Umgebung liess sie die Situation glasklar erfassen: An dieser befahrenen Strasse wird der Mini-Hase sofort überfahren, da kann er unmöglich bleiben! Standhaft weigerte ich mich aber, unseren Mosquito in einen Hamsterkäfig umzubauen.
Die Rettung nahte mit grossen Schritten (die Festung war kurz vor dem Fall…) , fröhlich kam ein junger Mann auf uns zu und fragte, was wir denn da gefunden hätten. Mit scharfem Seitenblick liess mich Dr. ha. se. sämtliche Bemerkungen Richtung Hasenbraten runterschlucken und sagte mit zuckersüsser Stimme: „Oh nur ein kleines, armes, verlassenes Hasenbaby.“. Mit einem milden Lächeln liess er sich zu dem Taschen-Hasen nieder und stimmte (natürlich auf Englisch) in das „Oh, wie süss! Oh, wie niedlich! Der Arme!“ ein.
Nur ganz leicht berechnend – was tut man nicht alles für das Wohl eines vorpubertierenden Hasen – fragte Birgit, auch Mutter Tehase genannt, wo er denn wohne. Ach so, gleich in der Nähe, da müsse er den Hasen aber mit zu sich nehmen! Gesagt, getan.
Ja, wieder einmal hat sie es geschafft und jemandem ein Haustier aufgeschwatzt! Einige von Euch wissen vielleicht, wovon ich spreche?

Hyder 14. – 16.09.2001 (13’600 km)

Hyder (Alaska) / Stewart (British Columbia, Kanada)

Im Pfannenstiel von Alaska befindet sich Hyder und gleich daneben die kanadische Schwesterstadt Stewart. Letztere ist bekannt dafür, dass sie den nördlichsten, ganzjährig eisfreie Hafen Kanadas hat. Das war uns aber ziemlich egal. Uns interessierten auch nicht die vielen Gletscher, nein, wir wollten uns endlich an Lachsen und Bären satt sehen! Dazu überquerten wir mehrmals die ziemlich unkonventionelle Grenze von Kanada in die USA.
Der Lachs ist nicht nur ein leckerer Speisefisch, nein, er ist zudem auch noch etwas verrückt. Vereinfacht ausgedrückt, er lebt im Meer, schwimmt aber zum Laichen an seinen Geburtsort zurück. Ohne Nahrung zu sich zu nehmen, schwimmt er dem Fuss hinauf und einige Sorten (leider können wir uns nicht mehr erinnern welche…) sterben nach dem Laichen. Das zieht natürlich ausser Bären, Wölfen, Vögel etc. auch die Spezies Tourist an.
In Hyder befindet sich nun ein Fluss, reich an Lachsen (Fish Creek). Deshalb trifft man sich jedes Jahr zwischen Mitte Juni und Mitte Oktober in Hyder. Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, dieses Spektakel mit eigenen Augen mitzuverfolgen. Innerhalb eines Tages und zweier Abenden konnten wir Bären (Grizzlies und Schwarzbären) in Aktion bewundern. Vor allem ein einjähriges Grizzlybaby hatte es uns angetan. Der kleine Schlingel kam neugierig auf den Besucherparkplatz, scheuchte die Touristen aufs Podest und lies die Ranger den Bärenspray fester halten. Nach kurzem Herumtollen und Rücken am Telefonmast reiben schlenderte es dann gemächlich runter zum Fluss.

Schotterstrassen 10. – 13.09.2001 (12’900 km)

Alaska Highway

Und wieder sind wir „on the road“, diesmal kennen wir die Strecke (Fairbanks – Whitehorse – Watson Lake) bereits Was uns hier einmal mehr sprachlos macht, ist die wunderbare herbstliche Verfärbung der Wälder. Die Schattierungen führen von hellgelb über grellorange zu blutrot – ein wahrer Augenschmaus. Fast kitschig mutet einem diese Landschaft an, die Farbpalette der Bäume, darüber der intensiv hellblauen Himmel und eine strahlende Sonne über schneebedeckten Berggipfeln. Die Strasse ist immer noch in einem eher erbärmlichen Zustand, obwohl seit langem „under construction“ und wir müssen die Musik sehr laut einstellen, um überhaupt etwas davon mitzubekommen.
Der laute Schlag aber, der uns kurz vor Destruction Bay zusammenzucken lässt, war wirklich nicht zu überhören. Sobald wie möglich fahren wir rechts ran und suchen die Ursache. Diese ist auch schnell gefunden und uns fällt das Herz in die Hose: Die vordere Dachluke steht auf und sieht irgendwie komisch verdreht aus und wo ist denn wohl das Fenster im Alkoven geblieben?
Auf die erste Bestandesaufnahme folgt eine kurze Krisensitzung und dann muss Birgit Fliegengewicht aufs Dach rauf. Hubi Mittel-Schwergewicht dirigiert (wie könnte es auch anders sein) und dokumentiert das Geschehen vom sicheren Boden aus. Zum Glück regnet es nicht, dafür weht ein scharfer Wind und es ist saukalt. Die wasserdichte Plane wird während ca. 2 Stunden mit ebenfalls wasserfestem Klebematerial (Merci Papa Trebing!) auf dem Dach befestigt. Da unser Auto sehr schmutzig ist, müssen die zu beklebenden Stellen erst in mühseliger Arbeit gesäubert werden! Dann sind Dachluke und Alkovenfenster sicher geschützt und wir fix und fertig. Leider ist es damit nicht getan, nach jeweils 100 km muss Birgit wieder aufs Dach, bis die Plane auch wirklich an allen Ecken und Enden dem Wind standhält.
Doch das Abenteuer ist noch nicht zu Ende: Auf dem Weg zur nächsten Übernachtungsmöglichkeit treffen wir auf den tollsten Bären im Yukon! Wie ein zu gross geratener Teddybär sitzt er gleich neben der Strasse im Grass und streckt geruhsam seine Schnauze in den Wind, uns beachtet er gar nicht. Anscheinend gibt es etwas Gutes zu riechen, auf jeden Fall bleibt er lange so sitzen, bis ihn doch ein paar näher kommende Fahrzeuge stören. Das Pünktchen auf dem i ist dann noch ein genialer Sonnenuntergang – und unser Tag ist gerettet!
Wie wir uns bereits gedacht haben, ist es ein Ding der Unmöglichkeit, die Luke sowie das Fenster hier in Kanada auswechseln zu lassen. Nachdem wir bei 2 auf Wohnmobile spezialisierten Händlern nachgefragt haben, geben wir die weiter Suche auf und rufen in die Schweiz an. In weiser Voraussicht hat Hubi die nötigen Details unseres Garagisten sowie Camperhändler dabei. Fast zu einfach können wir die Dachluke (und gleich noch Ölfilter und Luftfilter) bestellen. Die Lieferung des Alkovenfensters hätte 5-6 Wochen gedauert, deshalb sehen wir davon ab. Die Teile werden wir voraussichtlich in Vancouver in Empfang nehmen und uns dann Einbau der Dachluke widmen (Hubi, der Heimwerker). Was das Alkovenfensters anbelangt, so werden wir dieses mit Plexiglas oder so für die nächste Zeit verschliessen.

Watson Lake

Natürlich können wir es nicht lassen, uns im Schilderwald von Watson Lake zu verewigen. Deshalb haben wir auch ein wenig gebastelt. Begonnen hat der Schilderwald 1942, als der heimwehkranke Soldat, Carl K. Lindley, beim Bau des Alaska Canada Highways ein Schild an einem Pfosten befestigte, welches in die Richtung seines Wohnortes und die Distanz dahin anzeigte. Dies hat seitdem viele Nachahmer gefunden, bei der letztjährigen Zählung waren es bereits über 30’000 Stück.

nach Alaska 19. – 23.08.2001 (8’600 km)

Alaska Highway

Den Nationalparks entronnen, ist unser nächstes Ziel die Stadt Fairbanks in Alaska: Endlich Bären sehen und Lachse fangen. Der Alaska Highway (ALCAN Alaska Canada Highway) führt uns auf fast leerer Strasse durch wunderschöne, endlos scheinende Wald-, See-, und Berglandschaften.

Die Qualität der Strasse ist akzeptabel und nur selten fahren wir auf unbefestigten Abschnitten, wo wir dann ziemlich durchgeschüttelt und eingestaubt werden. Die Strasse weist nur wenige starke Steigungen auf, so dass wir uns mit „Mosquito“ (so heisst unser Camper neuerdings, aber das ist eine andere Geschichte) wie „Schumis“ vorkommen und ab und zu auch ein anderes Gefährt überholen können (Tageshighlight).
Wir haben nun doch schon Karibus und wilde Büffel gesehen und sind ganz optimistisch, diese und anderes Getier auch noch fotografieren zu können. Die Viecher haben das Talent, immer dann am Strassenrand aufzutauchen, wenn anhalten unmöglich ist oder sich bereits ein riesiges Motorhome für uns ungünstig platziert hat. Aber wir geben noch lange nicht auf!
Unterdessen ist es so kühl geworden, dass wir von Shorts und Minijupe auf Jeanshose und Thermosocken umgestiegen sind, nein, nicht wegen den Moskitos (richtigen), denen ist es hier schon lange zu kalt. Auch von Regen sind wir in den letzten paar Tagen verwöhnt worden und schon träumen wir von der mexikanischen Sonne und Tequila unter Palmen.

Whitehorse

Nach ca. 1’800 km sind wir nun endlich wieder in einer grösseren Stadt mit 24’000 Einwohnern. Hier lassen wir uns zum ersten Mal in der Fremde die Haare schneiden. Nachdem Hubert vom Friseur (sprich Bison-Scherer) ein paar Zentimeter kürzer gemacht wurde, überkam Birgit eine kleine Mutattacke und sie liess sich ihre Stirnfransen schneiden, ja vom Bison-Scherer höchstpersönlich! Er fragte noch wie lange bzw. wie kurz sie die Haare haben wolle und schnitt in zwei Schnitten den Pony schnurgerade ab (sie sieht jetzt wie eine echte Japanerin aus…).

Für den Interessierten noch ein Auszug aus der Statistik von Whitehorse:
Durchschnittstemperaturen (Celsius): Jan. -18.7°, Apr.+0.3.°, Jul.+14.0°, Okt.+0.7°
Rekord -52.2° bzw. +34.4°
Frostfreie Tage: 82 (letzter Tag 8. Juni; erster Tag 30 August)
Tageslicht (Stunden): Jan. 6h, Apr. 13.5h, Jul. 19h, Okt.11.5h

Dawson City

Damit uns auf der langen Fahrt nicht langweilig wird, machten wir einen Umweg über den Klondike-Loop. Dieser führt uns nach Dawson, einer ehemaligen Goldgräbersiedlung, die nur knapp dem Schicksal einer Geisterstadt entgangen ist und sich nun – nicht ohne Erfolg – als Touristenattraktion versucht. Dies wird dadurch erreicht, dass neben der Mitternachtssonne, das Stadtbild (von den Autos abgesehen) immer noch ähnlich aussieht, wie vor 80 – 100 Jahren. Man wird mit verschiedenen Attraktionen wie der allabendlichen Cancan-Show, dem Theater und natürlich dem obligaten Casino mit den leicht bekleideten Servierdüsen in die Zeit des Klondike-Goldrausches zurückversetzt. Auf den (leider unübersehbaren) Spuren der Goldsucher kann man wandeln und sich selber als GoldwäscherIn versuchen. Die Gegend um Dawson sieht aus, als hätten mehrere Bomben eingeschlagen oder eine Herde riesiger Maulwürfen hätte die Erde umgegraben. Hie und da findet man am Strassenrand noch ein paar Reliquien aus dieser Zeit, verrostet und halb zerfallen. Noch heute befinden sich in Dawson und Umgebung ca. 40 Goldgräber mit ihren Familien, die der Erde trotz Permafrost das letzte Gold abzuzwingen versuchen.
Der Klondike-Loop führt nach Dawson über den „Top of the World Highway“ zurück auf den Alaska Highway. Dieser edle Name versteckt ein bisschen die Tatsache, dass es sich hier um eine, von irren Lastwagenfahrern als Rennstrecke benutzte, unbefestigte Waschbrett ähnliche Strasse handelt. Zwischen dem Aufsammeln und Wiedereinsetzen der Zahnfüllungen, bleibt uns aber noch genügend Zeit, die schöne Aussicht dieser am Bergkamm entlang führenden Strecke zu geniessen.