Archiv der Kategorie: Argentinien

Nach Hause 13.3. – 14.4.03

Zwei Mal noch besuchten wir die für die Verschiffung zuständige Agentur, doch erst beim letzten Mal – als wir unseren Ärger über die Inkompetenz des für uns zuständigen Angestellten kaum mehr verbergen konnten – wurden wir an die wohl einzig fähige Person des Büros verwiesen. Und siehe da, wir erhielten nicht nur einen Plan des Hafengeländes, sondern auch wichtige Infos, darunter diese, dass unser Auto als normales, begleitetes Gepäck (equipaje acompañada) betrachtet werde und somit keine zusätzlichen Kosten anfallen würden. Unsere Freunde war gross, waren wir doch von Kosten in der Höhe von etwa 500 US$ ausgegangen, dies nämlich hatte uns die Agentur mündlich wie auch via E-Mail mitgeteilt.

Als der grosse Tag endlich gekommen war (wir können jetzt Führungen durch die Fussgängerzone von B.S. leiten), waren wir und Mosquito bereit. Wir fuhren am Vormittag durch das Chaos der argentinischen Hauptstadt direkt in den Hafen und wurden von Pablo, dem, wie schon oben gesagt, einzig fähigen Mitarbeiter der Agentur, bereits erwartet. Er führte uns gleich ins erste Zollgebäude, wo ein Zollbeamte in den Pässen verzweifelt durch unsere 9 Ein- und Ausreisestempel von Argentinien blätterte und versuchte, diese mit den Einträgen im Carnet de Passage abzugleichen. Nach etwa 5 Minuten Passblättern und weiteren 3 Minuten Carnetseiten vergleichen, gab er auf und stempelte erschöpft das Dokument. Im nächsten Büro, wir glauben es war die Hafenverwaltung, ging es dann so richtig hoch her, als Pablo dem ehrenwerten Beamten erklärte, dass für unseren Camper gar keine Papiere auszufüllen seien, da dieser als „begleitetes Gepäck“ mitgeführt werde. Der gewissenhafte Beamte liess sich erst nach einigem Hin und Her und einem Telefonat mit seinem Vorgesetzten davon überzeugen und so wurde auch diese Hürde gemeistert. Die Kontrolle an der Hafeneinfahrt wollte auf Hinweis von Pablo auch keine Dokumente mehr sehen und so kam es, dass wir eine halbe Stunde später am Quai sassen und unserem Schiff beim Einlaufen und Anlegen zusehen konnten. Dies stellte sich als wahre Geduldsprobe heraus, denn bis sich der grosse Frachter durch die Einfahrt geschlängelt, am Quai angelegt hatte und das Tor offen war, vergingen sicher 1½ Stunden. Während dieser Zeit konnten wir schon mal mit Carmen und Frank, unseren zukünftigen Kabinennachbarn, Bekanntschaft schliessen.

Das Schiff

Die Repubblica del Brasile ist ein Container und Roll-On / Roll-Off Frachtschiff. Ihre Masse sind: 209m Länge, 49m Höhe (davon meist 12m unter Wasser) und 30m Breite. Damit ist sie sicher nicht das grösste Schiff auf dem Meer, doch für uns reichte es. Das maximale Gesamtgewicht beträgt 42’000t, davon 18’000t Ladung, dieses Gewicht wird mit Hilfe von 17’000 kW (22’000 PS), mit 18Knoten (ca. 34 km/h) über die Weltmeere geschoben. Der Motor verbraucht zwischen 60 und 75t Schiffsdiesel pro Tag.
Damit uns unterwegs der Saft nicht ausgeht, haben wir 2’240m³ Diesel mit. Zusätzlich gibt es noch 5 Generatoren, die zusammen auch noch 6’000kW für verschiedene Hilfsmotoren liefern können. Nur 22 Besatzungsmitglieder halten das Schiff 24 h am Laufen, ach ja und jede Woche werden 500l Motorenöl nachgeschüttet, 9’000l hat es insgesamt. Der Hauptmotor wird mit Hilfe von Druckluft gestartet, diese kommt aus einem 7m³ Tank, der unter 30bar Druck steht.
Diese Daten haben wir uns in mühevoller Arbeit auf der Brücke und im Maschinenraum erarbeitet.

Das Leben an Bord

Der wichtigste Teil war das Essen, besonders bei einem italienischen Koch. Zwischen 7 – 9 Uhr gab es Frühstück mit süssem Gebäck, kalter Pizza, Brot, Butter, Konfitüre, Saft, Kaffee, Tee, Käse und Trockenfleisch. Zum Mittagessen wurden wir um 12 Uhr schon wieder gerufen und es gab jeweils ein 4gängiges Menü, bestehend aus Pasta oder Reis, Fisch oder Meeresfrüchte, Fleisch mit Salat oder Gemüse und zum Schluss Dessert mit Kaffee und Früchten. Abends ging es im gleichen Takt weiter mit Suppe, Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchte, mit Salat oder Gemüse, Dessert und Kaffee und Früchten. Unser Stewart Vincenzo servierte immer meisterhaft und gab sich alle Mühe, uns zum Essen zu animieren und uns nach den knapp 4 Wochen nicht mehr in die Kleider passen zu lassen.

Nach längerer Zeit in Mittel- und Südamerika fühlten wir uns in der ersten Woche wie im Paradies, alles klappte und überall war es sauber. In der zweiten Woche genossen wir das Essen und Leben an Bord immer noch und dachten sogar darüber nach, mal eine Kreuzfahrt zu unternehmen. In der dritten Woche stellt man dann fest, dass das Essen immer ein bisschen ölig ist (Olivenöl kalt gepresst, wohl gemerkt) und dass die Klimaanlage am besten funktioniert, wenn es draussen kalt ist. In der vierten Woche wird jeder, der auch nur an eine zukünftige Schiffsreise denkt, gleich über Bord geworfen und den Gedanken an Essen kann man kaum mehr ertragen. Obwohl, wenn es dann fein duftend und verführerisch angerichtet vor einem steht, sind alle guten Vorsätze wie weggeblasen.

Seekrank wurden wir die ganze Zeit auf See nie, obwohl auch ein so grosses Schiff erstaunlich heftig über die Wellen hüpfen kann. Besonders im Golf von Biscaya wurde es wild und wir Passagiere zogen uns bei Windgeschwindigkeit zwischen 80-100km/h – das Schiff schaffte nur noch 13 Knoten gegen den Wind – schnell in die Kabinen zurück. Die Fenster mussten geschlossen bleiben, weil es oft bis zu uns in den 8 Stock hoch spritzte.

Natürlich haben wir während den 4 Wochen auf hoher See nicht nur gegessen, gelesen und geschlafen, sondern unternahmen wagemutige Expeditionen in den Bauch des Seeungeheuers, fielen beim Kapitän in Ungnade durch unsere vielen wissbegierigen Besuche auf der Brücke, spazierten zur Verdauung unermüdlich der Reling entlang, trotzten dem Wind, um einen Blick auf fliegende Fische zu erhaschen, besuchten täglich den Fitnessraum, um Vincenzo „eins auszuwischen“ und spielten abends nach dem letzten Kaffe Domino, Yatzee oder Uno mit unseren Nachbarn. Alles in allem hatten wir eine eher stressige Zeit…

Route

13.3. Wir gingen in Buenos Aires an Bord
14.3. Auslaufen am Morgen Richtung Zarate, den Rio de la Plata hinauf
15.3. Auslaufen am Morgen Richtung Norden
18.3. Ankunft in Paranagua, Brasilen, Landgang
19.3. Auslaufen am Morgen Richtung Norden
20.3. Ankunft Rio de Janeiro, Landgang
20.3. Auslaufen während der Nacht Richtung Süden
21.3. Ankunft in Santos, Landgang
22.3. Auslaufen am Morgen Richtung Nordosten
29.3. Ankunft in Dakar, Schweizer brauchen ein Visum, also kein Landgang
30.3. Auslaufen am Morgen Richtung Norden
5.4. Ankunft in Tilbury, England, Landgang
6.4. Auslaufen am Morgen Richtung Norden
8.4. Ankunft in Hamburg, Deutschland
8.4. Ankunft in Creussen, Deutschland
14.4. Zurück in der Schweiz

Quer durch Deutschland

Schon beim Landgang in London hatten wir das erste Mal europäischen Boden unter den Füssen und genossen die Rückkehr in die Zivilisation. Und von wegen kühle Europäer, wir hatten gleich beim ersten Landgang ein schönes Erlebnis, als uns nämlich freundliche Bobbies im Patroullienfahrzeug mitnahmen, als wir – auf der Suche nach dem Seamens Club – durch den grossen Hafen von Tilbury irrten. Cheers!
Und dann endlich Hamburg. Von der Fahrt auf der Elbe hatten wir leider nichts mitbekommen, da wir zu dieser Zeit noch im Koma lagen. Schnell hetzten wir aber dann durchs Frühstück, packten in Windeseile unsere Siebensachen zusammen, verabschiedeten uns von unseren Freunden in der Crew und bei den Passagieren und schon rollte Mosquito die Rampe hinunter aufs Festland. Nun endlich auf dem Kontinent wurden wir von einer beissenden Kälte (-7°) empfangen. Der europäische Zoll interessierte sich gar nicht für uns, so waren wir schon am Vormittag auf der Autobahn Richtung Süden. Als Langsamste waren wir unterwegs und erreichten ohne all zuviel Verkehr unser Ziel, Creussen in Oberfranken, wo wir Verwandten von Birgit einen Besuch abstatteten.

Oma Trebing hiess uns noch am gleichen Tag mit knusprig frischem Brot, leckeren Wurstwaren und feinem Wein willkommen. Erschöpft nach den 8 Stunden Fahrt liessen wir uns verwöhnen und fielen kurz darauf in unser Bett. Zwei Tage später trafen dann noch weitere Familienmitglieder ein und Hubi wurde in die Geschichte Oberfrankens im Allgemeinen und Creussen im Speziellen eingeweiht. Es stellte sich schnell heraus, dass Hubi ein aufmerksamer Schüler ist, konnte er doch die verschiedenen Bratwursttypen in Windeseile unterscheiden.

Am Vorabend unserer definitiven Heimreise in die Schweiz fing Mosquito tatsächlich an zu bocken. War ihm wohl der gefallene Schnee nicht gut bekommen? Auf jeden Fall verlor er Kühlerflüssigkeit und davon nicht gerade wenig. Schnell wurde die Schuld auf einen Ventil beissenden Marder geschoben, doch stellte sich heraus, dass das Leck bei der Pumpe zu suchen war. Eine Testfahrt zeigte aber, dass wir es sehr wahrscheinlich bis nach Bern schaffen könnten.

Also nahmen wir am folgenden Tag die letzte Etappe unserer Reise unter die Räder und Mosquito zeigte uns wieder einmal, dass er auch mit kleineren Verletzungen nicht zu schlagen ist. Wir fuhren die letzten 600 km ohne Probleme und das einzig Bemerkenswerte an dieser Fahrt war die Einreise in die Schweiz. Es war nämlich so: Gemäss TCS muss das Carnet de Passage bei der Einreise in die Schweiz am Zoll abgestempelt werden. Doch als wir dem Schweizer Zollbeamten in Weil am Rhein unser Carnet in die Hände drückten, bekamen wir eine glatte Abfuhr. Der Beamte weigerte sich schlichtweg, es zu stempeln, mit der Begründung, dass dies sei gar kein offizielles Dokument sei und er überdies noch nie ein solches Papier gesehen hätte (man braucht also gar nicht so weit zu reisen…). Nach kurzem Hin und Her gaben wir uns geschlagen, erwarben eine Autobahnvignette und ohne dass der Zöllner einen Blick in unsere Pässe geworfen oder uns nach zu verzollender Ware gefragt hätte, fuhren wir in unsere Heimat ein.

Das war’s Leute!

Autofahren in Lateinamerika 4. – 13.3.03

Wieder in Buenos Aires

Zum letzten Mal auf unserer Reise kamen wir nach Bs.As. und mussten uns von lieb gewonnenen Freunden verabschieden. Hier galt es ein letztes Asado zu verspeisen, da noch einmal Sushi auf Stäbchen zu balancieren und dort ein letztes Bife de Lomo auf der Zunge zergehen zu lassen. Ach bella Argentina, wir werden dich und deine Menschen vermissen!
Bei unseren vorhergehenden Aufenthalten hatten wir schon alles Interessante besichtigt und so zogen wir durch altbekannte Gassen und warteten auf unser Schiff. Nach zweimaliger Verschiebung des Abfahrtstermins klappte es doch noch und wir konnten am 13. März mit Mosquito auf der Repubblica del Brasile einziehen. Am nächsten Morgen dann stachen wir tatsächlich in See.

Autofahren

Da es über Bs.As. nicht mehr viel zu erzählen gibt, halten wir hier ein paar Szenen aus dem Strassenverkehr in Lateinamerika fest.

  • Nachts wird an roten Ampeln, wegen der Überfallgefahr, gar nicht erst gehalten, tagsüber halten viele weiter an diesem Brauch fest. Als Tourist muss man also beim Halten vor Ampeln auch immer im Rückspiegel überprüfen, ob der Hintermann bremsen wird.
  • Manchmal ist der Strassenzustand dermassen schlecht, dass man sich auf Asphalt wie auf einer Geländestrasse fühlt, dieses Gefühl wird durch fehlende Gullydeckel nicht gemindert. Manchmal stellt eine gute Seele eine Eisenstange mit einem Fetzen Stoff in das Loch oder, mit etwas mehr Glück, einen Kehrrichteimer. Gewollte Hindernisse auf der Strasse sind wie schlafenden Polizisten, sie sind mit Rücksicht auf Federung und Karoserie nur ganz langsam zu überwinden und manchmal sind sie so hoch, dass man sie umfahren muss.
  • In Sachen Strassenschilder und Markierungen ist auch kein Meister vom Himmel gefallen. Ohne weiteres findet man Schilder, die vor einer Baustelle vom letzten Jahr warnen, aber vor dem gerade neu ausgehobenen Graben für eine neue Wasserleitung befindet sich keine Warnung. Orts-, Richtungs- und Strassenschilder hat es nur dann, wenn man schon lange weiss, wo man sich befindet. Dass diese eine praktische Zielscheibe für alle Arten von Schiesswaffen abgeben, ist logisch. Die Strassenbemalung entspricht meist dem Strassenverlauf vor etwa 15 Jahren und schon damals hat sich bestimmt nie jemand daran gehalten.
  • Ein Auto das links blinkt, zeigt an, dass man es links überholen kann, oder dass es links abbiegen will. Letzteres Manöver wird auch ohne blinken eingeleitet. Fortgeschrittene unterlassen jegliche Richtungsangabe oder brauchen Handzeichen. Überholmanöver finden selbstverständlich links und rechts statt. Beliebt ist – wir nennen es das Idiotenmanöver – den Vordermann links zu überholen, ihm mit nur 10 cm Anstand vor die Nase zu fahren, scharf abbremsen und rechts abzubiegen. Dasselbe gilt selbstverständlich auch rechts beginnend.
  • Die Vortrittsregeln sind meist unabhängig von der Signalisation. Wichtiger sind Grösse und Art des Fahrzeugs sowie Lebensmüdigkeit des Fahrers. Als Fussgänger, Fahrrad- und Motorradfahrer ist man ganz unten auf der Skala. Immer wieder beobachteten wir mit Erstaunen, wie diese sofort von der Strasse in den Graben hüpften bzw. fuhren, sobald sie uns von hinten kommen hörten.
  • Taxifahrer sind auch eine Spezies für sich, ihre Verhaltensweise im Strassenverkehr orientiert sich daran, ob ein Kunde im Wagen sitzt oder nicht. Die Suche gestaltet sich folgendermassen: Der Taxifahrer fährt ganz langsam am Strassenrand entlang und wartet auf das obligate Winken, Pfeifen oder Kopfnicken oder aber er macht den potentielle Kunde mittels Hupe auf seine Vakanz aufmerksam. Ist der Fisch an der Angel d.h. im Auto, kann sich der Taxifahrer leicht in einen Rennfahrer verwandeln.
  • Busse fahren eigentlich immer schnell, so muss man sich jederzeit gut festhalten, sonst fliegt man entweder beim Anfahren oder spätestens beim Bremsen durch das Fahrzeug. Busse und Taxis halten überall und jederzeit an, um Passagiere ein- oder aussteigen zu lassen.

Dies war ein grober Eindruck über die Grundregeln, in grösseren Städten kommen noch 6spurige Strassen, viel Verkehr und 35° Grad im Schatten dazu. Vor unserem geistigen Auge sehen wir also nun in der rechten Fahrspur die Taxis schleichen oder rasen, links daneben drängeln sich Fahrzeuge, die bei der nächsten Gelegenheit links oder rechts abbiegen wollen. In der mittleren Spur geht es mehr oder weniger geordnet zu, doch schon eine Spur weiter links befinden sind bereits wieder Fahrzeuge, die nach rechts oder links abbiegen wollen. Erschwerend kommen noch die extrem vielen Busse hinzu, die, um schneller vorwärts zu kommen fast ganz nach links rüber fahren, dann aber einen Passagier rechts winken sehen und wieder abdrehen. Ein geschickter Bussfahrer schafft es ohne weiteres, eine 5spurige Strasse mit seinem Fahrstil zu blockieren. Nicht vergessen darf man die Autos, die in der ganz linken oder rechten Spur geparkt haben und sollte diese schon voll sein, auch ohne Probleme in der zweiten Reihe stehen. Viel Spass.

Buenos Aires II 3. – 6.1. & 11. – 12.1.03

Eigentlich wollten wir uns vom Silvester und der damit verbunden Esserei etwas erholen, aber Maria, die Frau von Guillermo, welcher wiederum der Sohn von unserem neu gewonnenen Onkel Willy ist, gab uns keine Chance und so schickten wir uns in unser Schicksal und assen zufrieden weiter. Bei Onkel Willy stellten wir übrigens auch unseren Mosquito in den Garten unter einen Baum, der vorher noch ein paar Äste lassen musste. Hier bleibt er nun bis zum Verschiffen nach Deutschland im März stehen.

Zurück in Bs.As. trafen wir wieder, wie verabredet, auf Maria (siehe Mar del Plata) und zu unserer freudigen Überraschung auch auf ihre Schwester Erika (siehe Cordoba), welche hier gerade Ferien machte. So führte uns Maria während ein paar Tagen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, immer wieder unterbrochen durch Abstecher in Schuh-, Kleiderläden und Eisdielen. Sehr stark beeindruckte uns der Besuch des Friedhofs Recoleta, mit seinen pompösen Grabbauten, doch noch mehr staunten wir über die vielen wohlgenährten Katzen.

Als wir von unserem Ausflug nach Uruguay zurückkamen, wurden wir von einem heftigen Gewitter empfangen. Ein Taxifahrer freute sich darüber so sehr, dass er – als er von einem am Strassenrand stehenden Passanten durch Handzeichen zum langsamer fahren aufgefordert wurde – diesen gleich ansprang und die Beiden sich dann in einer Pfütze wälzten. Ja, das überschäumende Gemüt der Latinos.

Buenos Aires 23.12.02 – 3.1.03 (61’400 km)

Vorbereitung Verschiffen

In Buenos Aires angekommen, besuchten wir gleich den Agenten, der für die Verschiffung Mosquitos im März zuständig ist; wir hatten vor abzuklären, wie viel Zeit, Geld und welche Dokumente dazu benötigt werden. Ein hübsch gekleideter, junger Mann wies uns lässig darauf hin, dass er regelmässig Motorhomes verschiffe und dass das gesamte Prozedere nicht mehr als einen Tag in Anspruch nehmen werde. Wir werden ja sehen ob diese Aussage zutrifft, wenn wir ein paar Tage vor dem Auslaufen des Schiffs vor seiner Türe stehen.

Es ist passiert

Und nach genau 1 Jahr und fast 6 Monaten ist es passiert! Das, was andere Reisende schon oft erlebt haben, wo von man in allen Reiseführern gewarnt wird, wurde auch für uns endlich Wirklichkeit: Kaum waren wir in Bs.As. eingefahren, verfuhren wir uns. Bei dem vielen Verkehr war es für Hubi ziemlich schwierig, verrückten Taxifahrern auszuweichen, sich von Busfahrern nicht aus der Spur drängen zu lassen, auf Birgits Angaben zu hören und zusätzlich die Strassenregeln zu beachten. So kam es also, dass Hubi, anstelle wie alle Andern rechts abzubiegen, einfach gerade aus weiterfuhr und wir kurz darauf von einer Polizeikontrolle angehalten wurden. Mit ernster Miene fragte uns der Polizist, ob wir uns bewusst wären, welche Verkehrssünde wir begangen hätten, was wir natürlich mit naivem Gesichtsausdruck zu verneinen wussten. Das Überfahren eines Rotlichts sei ein grosses Vergehen und werde teuer gebüsst. Während dieser Belehrung studierte er Hubis abgelaufenen internationalen Führerausweis (Regel 1: Man gibt einem Polizisten nie ein gültiges oder wichtiges Dokument in die Hand), die Wagenpapiere und sogar unseren Versicherungsausweis. Nachdem er letztere zurückgegeben hatte, stellte er nach einigem Blättern fest, dass der Ausweis abgelaufen war, schnell händigten wir im einen gültigen aus. Danach winkte er Hubi nach draussen, belehrte ihn, dass die Busse 800 Pesos betrage (dies entspricht der aus der Luft gegriffenen Summe von CHF 400.–), der Rechtsweg mind. 2 Wochen in Anspruch nehmen, er uns aber gnädigerweise die Möglichkeit geben würde, die Sache umgehend zu bereinigen. Aus dem Auto heraus konnte Birgit beobachten, wie Hubi buchstäblich in die Luft ging, mit den Händen zu fuchteln begann, unter seinem braunen Teint eine leicht rötliche Hautfarbe annahm, dem erstaunten Polizisten einen Wortschwall entgegen warf und ihn daraufhin einfach stehen liess. Während Hubi Birgit den Sachverhalt schilderte näherte sich „unser“ Polizist wieder und unterbreitete Birgit den gleichen Vorschlag. Diese erklärte ihm ruhig, dass wir die Zahlung der Direktgratifikation gerne übernehmen würden, dies natürlich jetzt und gleich und ob er mit der Summe von 10 US$ einverstanden wäre. Als Antwort händigte er ihr den Fahrausweis aus, Birgit legte die Note hinein (vorher hatte Hubi zum Entsetzen unseres korrupten Freundes mit der Note in der Luft herumgefuchtelt) und so wechselte das Geld rasch den Besitzer. Wieder im Besitz des Fahrausweises setzte Hubi den Blinker und wir machten uns so schnell wie es das Gesetz erlaubt aus dem Staub.

Vorbereitung Auto

Am Auto musste noch der Service gemacht, eine neue Windschutzscheibe eingebaut, Stossdämpfer repariert und Positionslichter ausgetauscht werden. Die Windschutzscheibe erhielt die erste Scharte auf einer asphaltierten Strasse in Peru und weitere plus einen Riss auf einer Naturstrasse in Feuerland. Drei volle Tage brauchten wir um Preise zu vergleichen, Ersatzteile zu suchen und auf die Durchführung der Arbeit zu warten.
Um uns vor der stechenden Sonne zu schützen und die Hitze etwas erträglicher zu machen, zogen wir uns beim Windschutzscheibenwechsel in ein kleines Restaurant zurück. Bald kamen wir mit den beiden Besitzern ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass der eine davon träumt, selbst mal so eine Reise zu machen. Nein, das Auto haben wir nicht verkauft, aber während der Schilderung unserer Abenteuer wurden wir zum Asado eingeladen. Selbstverständlich gab es wieder Chinchulin (diesmal nicht gezöpfelt), Nieren, Leber, Blutwurst, Rippen und auch noch etwas Fleisch. Auch alle unsere Getränke und auch das tolle Dessert gingen aufs Haus – die Gastfreundschaft der Argentinier erstaunt und erfreut uns immer wieder. Ausser gut gefetteten Bremsbelägen ging dieses Kapitel perfekt über die Runden.

Vorbereitung Brasilien

Wir haben uns entschlossen, Brasilien mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bereisen. Gründe dafür sind die riesigen Distanzen, Temperaturen von 40° Celsius und mehr, die extreme Luftfeuchtigkeit und dass unser Auto nun mal keine Klimaanlage an. Deshalb trennen wir uns schweren Herzens von Mosquito und stellen in bei Freunden in Buenos Aires unter den Baum.
Eigentlich wollten wir von Argentiniens Hauptstadt aus noch gleich den Abstecher für den Karneval von Rio organisieren, d.h. Hotelübernachtung, Eintrittskarten ins Sambadromo und die Rückreise nach Bs.As. Aber alle Angebote, die wir erhielten, waren weit aus teurer als Pakete von Schweizer Büros. Nach drei Tagen, die wir mit Abklappern von Reisebüros beschäftigt waren, gaben wir entnervt auf und beschlossen, dies in Rio selbst zu organisieren.

Buenos Aires

Heilig Abend verbrachten wir nicht etwa unter dem Tannenbaum oder wie gewünscht am Strand, sondern in einer artistischen Tangoshow. Wohnen tun wir abwechselnd im Auto auf einem Parking mitten in der Stadt oder in einem Hotel, je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Das restliche bisschen freie Zeit verbringen wir mit Stadtbesichtigung und Shoppen. Die Argentinierinnen sind verrückt nach Schuhen, Taschen und Kleidern allgemein, so schätzen wir, dass auf eine Einwohnerin Bs.As. etwa zwei Schuhläden kommen. Die grosszügige Bauweise und die alten und oft gepflegten Gebäude der Stadt erinnern einen stark an Paris. Wir fühlen uns auf jeden Fall pudelwohl und völlig sicher. Von den im Ausland verbreiteten Nachrichten, dass in Bs.As. Raubüberfälle an der Tagesordnung sind und vor allem hier Menschen gekidnappt werden, merken wir nichts. Wie in allen grossen Städten ist die Polizeipräsenz vor Touristenattraktionen und in der Fussgängerzone augenfällig.

Silvester

Wie schon erwähnt, dürfen wir während unserer Brasilien-Rundreise den Camper bei Freunden einstellen. Dieser eine Freund ist Onkel Willi (92), der ein Schulfreund von Birgits verstorbenem Grossonkel Fritz war. Oma Betty (Schwester von Fritz) hatte uns die genau Adresse gegeben und als wir dann in Bs.As. waren, riefen wir ihn kurzerhand an. Birgit und Onkel Willy kannten sich bereits, denn sie hatten sich schon während einer vorherigen Argentinienreise getroffen. Schnell war ein Treffen ausgemacht und nach Weihnachten machten wir uns auf den Weg nach Luis Guillon, einem Vorort von Bs.As. Auch hier wurden wir mit offenen Armen empfangen und gleich zur Party am 31.12.02 eingeladen. Bei Onkel Willys Tochter stieg die Fiesta und wir lernten dort Kind und Kegel kennen – es war unmöglich, uns all die Namen und den verwandtschaftlichen Grad zu merken. Um uns von der Fressorgie zu erholen, verbrachten wir noch ein paar Tage bei Onkel Willy im Garten und genossen die Ruhe, die gute Luft und die nette Gesellschaft.

Am Meer II 16. – 22.12.02 (60’700 km)

Besuch in Mar del Plata

Wir verbrachten noch mehr Zeit in Mar del Plata, denn einmal mehr erwarteten wir Besuch. Diesmal freuten wir uns auf Maria, die in Buenos Aires wohnende Zwillingsschwester von Erika, mit ihnen hatten wir einige schöne und lustige Tage in Cordoba verbracht. Gemeinsam machten wir uns auf die Läden zu plündern, wobei die Damen Unmengen von Schuhen, Blusen, T-Shirts, Jupes, Röcken und Handtaschen anprobierten – unter dem fachkundigen Auge des Modezaren Humberto Bosque – und dann gleich Sackweise zurück auf den Campingplatz schleppten.

Noch mehr Besuch, Jeannette und Frank

Wenige Tage später trafen auch noch Jeannette und Frank auf dem Campingplatz ein, ein Schweizer Paar, welches wir über das Internet kennen gelernt hatten. Sie haben gerade ihre Reise von Süden nach Norden in Angriff genommen.
Wir begannen natürlich sofort, mit unseren allumfassenden Reiseerfahrungen anzugeben, wiesen auf alle Gefahren dieses Abenteuers hin, verrieten zum Überleben nötige Tipps und Tricks und warteten ab, bis die Beiden endlich so weich gekocht waren, dass wir ihnen ohne weiteres unseren einzigartig kombinierbaren Backofen-Lavasteingrill, den unentbehrlichen Gasadapter und andere Dinge, ohne die man besser zuhause bleibt, verkaufen oder weitergeben konnten.

Zu Fünft verbrachten wir lustige Tage und testeten auch ein paar Mal die Restaurants von Mar del Plata. Der Höhepunkt war allerdings Franks Riz Casimir eines Abends und das selbst gebackenen Brot zum Frühstück. Jeannette versuchte sich äusserst erfolgreich als Bäckerin, natürlich zu Anfang noch unter der kundigen Leitung von Birgit Bossy.

Am Meer 8. – 16.12.02 (60’700 km)

In Mar del Plata

Wir benötigten 3 Tage, um die 1’500 km Distanz zwischen Bariloche und unserem Zielort Mar del Plata zu überbrücken. Diese Fahrt hatte ein grosses Highlight: das verwunschene Tal oder Valle encantado. Anschliessend fuhren wir stundenlang durch die Pampa, die einzige Abwechslung für Auge und Geist waren die vielen verschiedenen Vögel, die wir – als Hobby-Ornithologen – uns bekannten Vogelarten zuzuordnen versuchten.

Nur ein paar Kilometer ausserhalb Mar del Platas fanden wir dann einen gemütlichen und ruhigen Campingplatz gleich am Meer. Und nun machten wir uns eifrig daran, unsere Rundreise in Brasilien, den eventuellen Karnevalbesuch in Rio und die Rückreise nach Europa im März zu planen und gegeneinander abzustimmen.
Die paar Abstecher in die Stadt waren dazu bestimmt, unsere Garderobe aufzufrischen, da diese nach 1½ Jahren reisen langsam etwas heruntergekommen aussieht. Nebenbei galt es sich ohne Sonnenbrand zu sonnen, ohne zuzunehmen die besten Restaurants zu besuchen, ohne überfahren zu werden die lokalen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und trotz Stromausfall an unserer Homepage eine Auffrischung durch zu führen.
Mar del Plata liegt etwa 400 km südlich von Buenos Aires und ist das grösste Baderessort Argentiniens. Trotz einer halben Million Einwohnern (während der Urlaubszeit über 2 Millionen), Hochhäusern und einer schrecklich stinkenden Fischmehlfabrik im Hafengelände, hat man es geschafft, ein angenehmes Ferienklima zu erhalten.
Doch zurück zu unserem Campingplatz: Wir waren Freitagmorgen gerade gemütlich mit Ausschlafen beschäftigt, als auf einmal 15-20 riesige Autobusse auf den Platz gefahren kamen und Tonnen von Menschen auswarfen. Innert kürzester Zeit war der leere Platz mit Zelten und Leuten übersäht, Stunden später leider auch mit Abfall. Die Leute waren Mitglieder einer Arbeitergewerkschaft, die tagsüber in Form von Demonstrationen der Regierung ihre Meinung sagten und abends mit ihren mitgebrachten Familienangehörigen (vom Baby bis Urgrossmutter) voller Lebensfreude feierten. Als partyfreudiges Volk bekannt, gaben sie sich auch hier keine Blösse und liessen am Ankunftstag bis 2 Uhr früh äusserst laute Musik spielen. Doch am Samstagabend kam es noch besser. Der Musikkassetten-Beauftragte muss wohl im Laufe des Tages abgereist sein, weil bis etwa drei Uhr früh immer die gleiche Kassette abgespielt wurde, danach wurde es besser, weil ein findiger Kopf auf Radio wechselte; so wurde dann auch zwischen durch zu Verkehrsmeldungen getanzt. Wie der Leser zu Recht annimmt, taten auch wir bis 6:00 Uhr früh kein Auge zu…
Doch der Argentinier ist nicht nur ein aktiver Nachtmensch, denn sobald die Sonne scheint, setzt er sich alleine oder in Gesellschaft nach draussen an die Sonne, mit einem Thermoskrug heissem Wasser und seinem Mate bewaffnet (Mate: siehe Reisebericht Nach Salta). Oft geht er dann auch noch ein bisschen weiter und fängt am nächsten Grillplatz an zu grillen. So roch es auf unserem ehemals gemütlichen und ruhigen Campingplatz schon von morgens 9 Uhr bis morgens (nachts?) 4 Uhr nach gegrilltem oder verbranntem Fleisch, wobei das Grillfleisch hier, wie schon einmal erwähnt, nicht unbedingt unseren Vorstellungen entsprechen muss. Wir konnten uns elegant jeglicher Einladung entziehen, indem wir uns entweder in der Stadt Einkaufsorgien hingaben oder uns im Innern des Campers verschanzten.

Tierwelt 19. – 26.11.02 (58’100 km)

Cabo dos Bahias

Nach all den Natursehenswürdigkeiten hatten wir mal wieder Lust nach Tierwelt und so kam uns das Naturreservat Cabo dos Bahias gerade recht, hauptsächlich sahen wir Magellan Pinguine, aber es hatte auch viele Nandus (eine Art Straussenvogel), Guanacos (aus der Lamafamilie) und die an Hasen erinnernde Meerschweinchenart Mara.

Peninsula Valdes

Anschliessend stand die Halbinsel Valdes, die für ihre Tierwelt bekannt ist, auf dem Programm. Neben den oben genannten Tieren hat es hier noch den südlichen Glattwal, Seelöwen, Seeelefanten und Orcas, die berühmt-berüchtigten Killerwale.
Ein ganz besonderer Monat auf Valdes ist der November, während dieser Zeit nämlich gehen die Jungen der Seeelefanten zum ersten Mal seit ihrer Geburt ins Meer. Die Orcas wissen dies genau und treffen pünktlich zu diesem Event ein. Für die Jagd suchen sie sich während der Flut ein steiles Stück Strand aus, schwimmen mit den Wellen an Land, schnappen nach den ahnungslosen Opfern, versuchen sich mit Hilfe der Schwanzflosse zu drehen und lassen sich anschliessend zurück ins Wasser rollen. Wir verbrachten 2½ Tage am Strand um dieses Spektakel mit zu erleben. Das grosse Gemetzel blieb uns erspart – die Jungs werden schliesslich auch fixer -, doch wir hatten immerhin das Glück, einer Orcamutter mit ihren zwei Jungen beim Training für diese spezielle Art der Jagd zuzusehen.
Weiter unternahmen wir Bootsfahrten, um die Glattwalmüttern mit Nachwuchs zu beobachten. Diese recht geselligen Wale liessen sich von den Booten überhaupt nicht stören und vor allem die Jungen waren oft ganz interessiert an uns. So konnten wir diese riesigen Meeressäuger aus nächster Nähe beobachten – ein riesen Spass und wunderbares Erlebnis.

Nach Bariloche 26.11. – 8.12.02 (59’200 km)

Gaiman

In Gaiman, einem kleinen Dorf, das von ausgewanderten Walisern gegründet worden ist, wird die Teezeit immer noch gross geschrieben. Hier wanderten wir auf den Spuren berühmter Persönlichkeiten und nahmen unseren 4-Uhr-Tee mit verschiedenstem Gebäck im selben Teehaus ein, dem auch Lady Di zu Lebzeiten einen Besuch abgestattet hatte.

Bariloche

Ein paar Stunden später zeigte sich uns ein total anderes Landschaftsbild. Verschwunden waren die an Indianerfilme erinnernden Felsformationen und wir fanden uns in einer an die Schweiz erinnernde Umgebung wieder. Alles war schön grün und in voller Frühlingsblüte, die tiefblauen Seen wurden von Tannenwäldern gesäumt und die im Hintergrund stehenden schneebedeckten Berg schlossen das Bild ab.
Das schöne Wetter folgte uns nun schon seit ein paar Tagen und so erlebten wir Bariloche von seiner schönsten Seite. Geniessen und ausruhen waren nun angesagt! Nach der Fahrerei der letzten Wochen liessen wir den Camper am Seeufer stehen und bedienten uns der öffentlich Verkehrsmittel. Wir nahmen an einem aussergewöhnlich sonnigen Tag den Sessellift auf den Cerro Campanario und weil es so schön war, gleich noch die Gondel auf den Cerro Otto. Von letzterem wanderten wir zurück in die Stadt, wo Birgit für die erlittenen Strapazen mit neuen Sandalen belohnt wurde…
Weil sich in Bariloche viele Europäer niedergelassen haben, kann man in den Supermärkten die feinsten Sachen kaufen. Diese geniessen wir dann abends gemütlich draussen sitzend, es bleibt bis 22:00 Uhr hell, mit einem guten Glass argentinischen Rotweins.

Doch wir lagen nicht nur auf der faulen Haut, weit gefehlt. Das Auto benötigte eine Generalreinigung, die Zeit in Anspruch nahm, ein neuer Wasserhahn musste gefunden und eingebaut werden und andere kleinere Reparaturen waren nötig. Unterbrochen wurden wir dabei von anderen Campern, wie z.B. von Birgit und Jörg, die unsere Besucher an einem regnerischen Tag an der Carretera Austral aufgegabelt und mitgenommen hatten, oder von Sibylle und Marco, die mit ihrem Motorrädern um die Welt fahren, siehe www.sima.li.

 

Nach Feuerland und zurück 13. – 19.11.02 (57’000 km)

Von Puerto Natales führte uns die asphaltierte Strasse nach Punta Arenas, wo wir uns einmal mehr im Supermarkt vergnügten Zu Zweit kaufen wir normalerweise 1-2 Mal die Woche ein, doch zu Viert reichen die eingekauften Goodies jeweils nicht weit (vor allem bei 2x Zumwald).

Ushuaia

Der Weg nach Tierra del Fuego muss erkämpft werden, so kam es uns auf jeden Fall vor. Die Strasse nach Ushuaia war zur Hälfte nicht asphaltiert und wegen dem vielen Staub sahen wir uns gezwungen, mit nur 20 km/h vor uns hin zu tuckern. Die Landschaft war zwar schön, doch nicht sehr abwechslungsreich und so war oft ausser dem Fahrer niemand im Camper wach.
Das Wetter hätte besser nicht sein können, aber kaum in Ushuaia angekommen, öffnete der Himmel die Schleusen und es begann zu regnen und zu hageln. Nach einer kurzen Mittagspause schnallten wir unsere Regenjacken (unsere Besucher zusätzlich die assortierten Regenhosen) und machten uns auf, Ushuaia zu erobern. Zu unserer Überraschung stellte sich die südlichste Stadt als sehr modern heraus und so beschäftigten wir uns an diesem verregneten Tag mit Internet, Essen einkaufen, Kaffee trinken und Kuchen essen. Am nächsten Tag sah das Wetter schon viel besser aus und so machten wir uns auf, den Nationalpark Tierra del Fuego zu besichtigen und die obligaten Fotos zu schiessen.
Feuerland erhielt seinen Namen übrigens nicht, weil es ein so garstiges Land ist. Nein, die ersten Seefahrer, die unter Magellan den gleichnamigen Seeweg suchten und schliesslich auch fanden, vergaben diesen Namen aufgrund der vielen Lagerfeuer der Eingeborenen.

Der Gletscher Perito Moreno

Da unsere Besucher nicht unendlich lange Urlaub haben, mussten wir uns etwas sputen, um unsere Reisepläne einzuhalten. Nach zwei Fahrtagen und über 1’000 km später, befanden wir uns dann in El Calafate am Lago Argentino, in der Nähe des berühmten Perito Moreno Gletschers. Um den beiden Fahrern eine Pause zu gönnen, unternahmen wir den Ausflug zum Gletscher mit dem Taxi. Einmal mehr staunten wir über die Grösse des Landes: El Calafate ist dem Gletscher am nächsten und doch 80 km davon entfernt, auch mit dem Taxi dauerte die Fahrt 2 Stunden.
Der Gletscher dann war einfach atemberaubend. Auf Terrassen wird der Tourist ziemlich nahe an den Gletscher geführt. Von da aus hört man ab und zu einen Knall und kann sich die Kräfte vorstellen, die im Innern des riesigen Eisfeldes wohl wirken mögen. Als einer der wenigen Gletscher, die heute noch wachsen, unterteilt er mittlerweile einen Arm des Lago Argentino und das Wasser staut sich, bis der Druck ausreicht, um das Eis wieder aus dem Weg zu räumen. Dies geschah in den letzten Jahrzehnten ziemlich unregelmässig, vor Ort spricht man von einem 4-Jahres-Zyklus, die effektiven Jahreszahlen bestätigen dies aber nicht. Wir konnten leider kein solches Spektakel beobachten, nur kleinere Eisbrocken haben sich von der bis zu 55 Meter hohen Wand gelöst und sind mit lautem Getöse ins Wasser gefallen, kleinere Flugwellen auslösend.

Der Abschied

Nach 3½ Wochen luden wir unsere Besucher beim Busbahnhof von Caleta Olivia ab, von wo aus die Beiden ihre Reise über die Carretera Austral nach Santiago de Chile fortsetzten. Wir wollten unserem Auto diese Staubschlacht nicht zumuten und fuhren auf asphaltierten Strassen Richtung Norden weiter.
Natürlich werden wir die Zwei sehr vermissen: Das zaghafte Klopfen an unsere Campertüre um 9:00 Uhr früh, wenn sie – vor Kälte schlotternd – um Frühstück baten, ihre paar Siebensachen schon zusammengepackt, bereit für die Weiterfahrt. Die im Camper gekochten Nachtessen, wo wir uns oft mit Michel um das letzte Stück Fleisch stritten und der chilenische und argentinische Wein in Strömen floss. Die gemeinsam unternommenen Wanderungen, wo die Beiden für jede Windgeschwindigkeit die passenden Handschuhe dabei hatten – wir, die wir die asketische Lebensweise perfektioniert haben, unternahmen diese anspruchsvollen Exkursionen in die Bergwelt mit dem bescheidensten Equipment.

Um Mendoza 12. – 17.10.02 (50’500 km)

Mendoza

Auf dem Zeltplatz „Camping Suizo“ trafen wir auf die beiden Schweizer Daniel und Isabella, die seit bald 3 Jahren mit ihrem Toyota Landcruiser durch Nord-, Mittel- und Südamerika gondeln. Natürlich verbrachten wir die nächsten Tage mit dem Austausch von Reise-Informationen, der Rettung der Weltwirtschaft und dem Erhalt des Weltfriedens, dies jeweils gemütlich unter dem Sternenhimmel sitzend, mit entweder einem Bier oder einem Glas feinem Wein aus der Region in der Hand.
Trotzdem der Marathondiskussionen blieb etwas Zeit, Mendoza anzuschauen und wir waren von dieser Stadt absolut begeistert. Jede Strasse ist beidseitig von Bäumen gesäumt und man bleibt selbst während der starken Mittagshitze einigermassen kühl. So war es dann nicht so furchtbar schlimm, dass Bibi auch nach dem Besuch des 72. Schuhgeschäfts immer noch keine passendes Paar gefunden hatte – mit einem leckeren Rindsfilet trösteten wir uns darüber hinweg.

Weindegustation

In der Umgebung von Mendoza wird eifrig Wein angebaut. Dies liessen wir uns nicht entgehen und machten uns in der Gegend um Maipu, einige Kilometer ausserhalb Mendozas, auf zur Bodega-Tour. Wir besuchten an einem Tag 4 Bodegas und waren von der Effizient und Professionalität der durchgeführten Touren schlichtweg begeistern. Mit vielen Erklärungen und Hinweisen wurden wir durch die Entstehung des Weins bis hin zur Abpackung geführt, dies dauerte jeweils eine gute halbe Stunde. Zum Schluss gab es eine kurze Einführung in das Degustieren (das Auge sieht, die Nase riecht, der Mund schmeckt) und zu guter Letzt durfte man selber versuchen. Einige kleine Unterschiede zu einer Degustation in der Schweiz gibt es schon, einer davon ist, dass das Glas hier so richtig voll gemacht wird. Wer sich jetzt darüber freut, liegt schon falsch, denn meist gab es nur die schlechteren Wein zum Versuchen, mit der Begründung, dass die besseren Weine für den Export bestimmt und für uns nicht zu erwerben wären.
In nahe gelegenen Carrefour kauften wir dann ein paar Flaschen eines süffigen Malbec, den wir aber schon von daheim her kannten. Wenn unsere Gäste Ende Oktober ankommen, wollen wir ihnen schliesslich keinen Essig einschenken.