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Die Besucher in Antigua 13. – 18.04.2002 (35’100 km)

In und um Antigua

Endlich waren sie da, Wale und Nicole und dies für sage und schreibe 4 ganze Wochen, ach, diese Kurzurlauber… Nachdem wir die beiden oder vielmehr die vielen Mitbringsel (Schokolade, Fishermans etc.) in Empfang genommen hatten, stellte sich die Frage: „Was unternehmen wir mit ihnen alles?“. Antigua ist schnell besichtigt, so hiess es also in die Umgebung schweifen.
Neben den Ausflügen zur Macadamia-Nuss-Farm und einer Kaffee-Plantage, ging es auf den Aussichtpunkt der Stadt, den Cerro de la Cruz. Und nicht genug der Anstrengungen, während Nicole und Birgit eine Shoppingtour durch Antigua unternahmen, wagten sich Wale und Hubi an die Besteigung des aktiven Vulkans Pagaya.

Vulkan Pagaya

Die Tour (5.00 US$) startete offiziell um 13 Uhr, was bedeutete, dass wir bereits um 14 Uhr in den Bus einsteigen konnten. Ohne Panne ging es anschliessend zum Nationalpark des Pagaya Vulkans und fast ohne Verzögerung nahmen wir den Aufstieg von 1900 auf 2500 müM unter die Füsse. Nach mehreren Pausen an Aussichtspunkten erreichen wir verschwitzt und atemlos den höchsten Punkt, den Krater des Vulkans und erlabten uns an den Rauchwolken, welche daraus aufstiegen. Nach einer windigen Ruhepause machten wir uns dann schon wieder an den Abstieg. Ein Blick auf die Uhr bestätigte uns, dass das Rendez-vous mit unseren Frauen immer noch im Bereich des Möglichen lag. Plötzlich hörte man ein Zischen aus der Richtung des Busmotors und gleich darauf hielten wir an. Nach fachmännischer Inspektion wurde festgestellt, dass der Keilriemen zur Wasserpumpe und auch derjenige für den Ventilator von uns gegangen waren – und dies ca. 15 Minuten vor Antigua! Das bestätigt einmal mehr unseren Entscheid, mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein. Nun hiess es warten. Ein vorbeifahrender Wagen und später noch ein Taxi wurden gebeten, den Reiseveranstalter zu informieren und schon nach einer Stunde tauchten 2 Polizeifahrzeuge mit je 6 Mann Besatzung zu unserem Schutz auf. Eine weitere Viertelstunde verstrich, bis der Ersatzbus erschien und kurz darauf fanden wir uns mit „leichter“ Verspätung am Treffpunkt ein.

San Andres Itzapa

Ein anderer Ausflug führte uns zu der Kirche des San Simon oder Maximon in San Andres Itzapa. Hermano San Simon ist für die einen ein Heiliger, für die andern der Teufel. Vom Aussehen her erinnert er an einen Mafiaboss. Die Guatemalteken sind sich nicht einig, ob der im 17. Jahrhundert eingewanderte Spanier die Indigenas nun beschützte oder ausnahm. Wir auch immer, um San Simon gnädig zu stimmen und die gewünschten „Wunder“ zu erlangen, werden ihm zu Füssen Hühner geopfert, Zigarren geraucht, verschieden farbige Kerzen angezündet, Schnaps getrunken und dazu mit den Fingern geschnippt. Die vielen Dankestafeln an den Wänden weisen auf eine hohe Erfolgsrate hin.

Nach Aguacatan und zum Zoll 8. – 13.04.2002 (34’900 km)

In Aguacatan

Obwohl uns ein englisches Paar, das wir auf dem Campingplatz in Panajachel getroffen hatten, darauf aufmerksam gemacht hatte, dass der Weg nach Aguacatan äusserst staubig sei, machten wir uns früh morgens mit unserem frisch geputzten Mosquito wohlgemut auf dem Weg. Wieder einmal befuhren wir die Panamericana, nachträglich stellten wir sogar fest, dass wir über den höchsten Punkt der Strasse (3’670 müM) gefahren sind. Die letzten 20 km der Strecke nach Aguacatan (wir benötigten dafür eine geschlagene Stunde!) waren im Gegensatz zum Rest nicht asphaltiert und man muss beachten, dass es seit Monaten nicht mehr richtig geregnet hat. Für unser Gelände erprobtes Auto war die Geröllstrecke kein Problem, nur eben eine ziemlich staubige Angelegenheit. Am Ziel angekommen und nachdem wir Yusuke gefunden hatten, stellten wir fest, dass das Wageninnere einem Sandstrand glich. Birgit machte sich – dieses Mal wutschnaubend – sofort an die Reinigung, während Hubi sich der Düngerherstellung widmetet.
Diese Gegend ist und war berühmt für den Anbau von äusserst grossen Zwiebeln und Knoblauch. Aber wegen der etwas einseitigen Anbaupolitik und verschiedenen chemischen Keulen (Dünger, Unkraut- und Schädlingsvertilger) sind die Böden ausgelaugt und übersäuert. Yusuke arbeitet hier für 2 Jahre in einem Entwicklungsprojekt bei einer Landwirtschaftsgenossenschaft, gesponsert von der japanischen Regierung, und stellt unter anderem organischen Dünger her.
Der Dünger besteht aus Kohle (Abfallprodukt aus dem Gipswerk), Hühnerdreck (Abfallprodukt aus der Hühnerfabrik), schwarzer Erde, Hefe, Zuckerrohrextrakten und Getreideabfällen. Die einzelnen Komponenten werden abgewogen, gemischt, fermentiert, von Hand (mit der Schaufel) während 3-4 Wochen 2x am Tag gedreht und schlussendlich in Säcke à 45,4 kg (ein Quintal) abgefüllt. Kostenpunkt je Sack 25 Quetzales (CHF 6.25), was deutlich unter dem Preis von Kunstdüngern liegt.

Von Yusuke erfuhren wir, dass ein Farmarbeiter 20 Quetzales (CHF 5.–) am Tag verdient, was für die Ernährung einer Familie niemals reicht, auch bei den, für uns, tiefen Preisen. Deshalb arbeiten auch die Kinder schon bald auf der Farm mit, anstelle in der Schule zu sitzen.
Ein mal mehr stellen wir fest, wie privilegiert wir sind, in einem Land geboren zu sein, in dem ein Einkommen „normalerweise“ zum Leben reicht.
Um unsere in Antigua hart erarbeiteten Spanischkenntnisse zu erweitern, lesen wir ab und zu lokale Tageszeitungen. Mehr als die Hälfte handelt von Untersuchungen in Sachen Korruption und anderen Verbrechen. Auch der momentane guatemaltekische Präsident, Alfonso Portillo, scheint keinen Deut besser zu sein als seine Vorgänger. Erst vor kurzem soll er heimlich in Panama 3 Bankkonten in seinem Namen eröffnet haben. Seine Erklärung, Teile des Volksvermögens ausser Lande lagern zu wollen, glaubt hier keiner. Es ist mittlerweile auch kein Rätsel mehr, wohin gewisse Gelder, wie z.B. für die Verköstigung von Schulkindern, verschwinden. Aber die Taschen der korrupten Beamten sind nicht nur in Guatemala tief.

Yusuke und ein Arbeitskollege zeigten uns nach Feierabend ‚El Nacimiento del Rio San Juan‘, eine Quelle etwas ausserhalb des Dorfes. Ausserdem gab es eine kurze Stadtbesichtigung, die mit einem Biergelage in einer Cantina endete. Da Yusuke erst seit ein paar Tagen seine eigene Wohnung hat, übernahmen wir die Kocherei und verwöhnten ihn mit einem von unserem deutschen Freund Gerald übernommenen Menü – Yusuke schöpfte 2x nach! Am nächsten Tag wurden wir im Gegenzug mit Misosuppe, Reis, Chinakohl und geräuchtem Kaninchen beehrt. Yusuke und Hubi gingen am Vormittag los und kauften zwei – noch lebende – absolut süsse Kaninchen. Eines davon wurde etwas später umgebracht, laut Hubi „e gruusigi Schlachterei“. Es versteht sich wohl von selbst, dass sich Birgit an diesem Abend rein vegetarisch ernährt hat.

La Mesilla

Da wir am 14. April in Antigua Besucher erwarten, mussten wir unsere Fahrzeugerlaubnis nochmals verlängern. Diesmal gingen wir an die Grenze von Mexiko, weil diese näher an unserem Ausgangspunkt Aguacatan war. Mit dem Schlimmsten rechnend, wurden wir äusserst positiv überrascht. Ohne Aufregung, Betrügereien und Schlepper konnten wir die Fahrzeugerlaubnis in 15 Minuten erneuern.
Und es geht doch!

Quetzaltenango und die Fuentes Georginas

Erschöpft nach der langen Fahrt suchten wir eine Bleibe für die Nacht in Quetzaltenango. Während dem durch die Stadt fahren, war uns ein MacDonalds ins Auge gestochen, dem wir später einen ausgiebigen Besuch abstatteten. Um uns von der stundenlangen Fahrerei vom Vortag zu erholen, fuhren wir weiter zu den heissen Quellen Fuentes Georginas und liessen uns im warmen Wasser entspannen. Das Interessante ist, dass die Landschaft von Antigua bis Quetzaltenango sehr trocken ist, hier auf 2’500 müM aber befindet man sich bereits im Regenwald. Nach dem Baden machten wir einen Spaziergang, der aber nach 30 Minuten den Berg hinaufkraxeln ein jähes Ende im Restaurant fand. Anschliessend verkrochen wir uns in unser Häuschen, backten einen Zopf und bereiteten uns seelisch darauf vor, die Nacht neben einem Stromgenerator zu verbringen.

Am See 1. – 8.04.2002 (34’400 km)

Am Atitlan-See

Um uns von den Strapazen in Antigua zu erholen, fuhren wir nach Panajachel am Atitlan-See. Entstanden ist dieser nach Vulkanausbrüchen vor einigen Jahrtausenden, dabei wurde so viel Lava in die Luft geschleudert, dass die darüber liegende Erdschicht zusammenbrach.
Heute hat man von den Ufern des Sees einen fantastischen Ausblick. Beim Anblick der umliegenden Vulkane wird man das Gefühl nicht los, das jederzeit ein Dinosaurier aus dem Gebüsch springen könnte. In den Reiseführern und von anderen Reisenden gewarnt, wagten wir einem Ausflug zum Dorf San Pedro auf der anderen Seeseite. Laute Musik, Drogen, Hippies, Aussteiger und von noch viel mehr soll es dort nur so wimmeln. Dort angelangt trafen wir auf ein hübsches Dorf in einer reizenden Umgebung, wo sich, wie versprochen, ein paar Ausländer niedergelassen hatten, um sich mit Restaurants, Bars und sonstigem Allerlei ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Von Sodom und Gomorra war aber weit und breit keine Spur und so kehrten wir enttäuscht am Nachmittag wieder nach Panajachel zurück.

Bei einem ausgewanderten Ostdeutschen liessen wir Mosquito gründlich abschmieren und einen zusätzlichen Haken für den Auspuff anfertigen, damit der Auspuff nicht immer geschweisst werden muss.

Schon bald geht die Fahrt weiter in die Berge, wo wir einen Japaner besuchen wollen, den wir in Antigua kennen gelernt haben. Er arbeitet in einem kleinen Indigena-Dorf an einen von Japan gesponserten Landwirtschaftsprojekt, und baut Zwiebeln und Knoblauch an. Da wir da gleich in der Nähe der mexikanischen Grenze vorbeikommen, gehen wir nochmals unsere Fahrzeugerlaubnis auffrischen, damit wir, wenn Wale und Nicole zu Besuch kommen, nicht gleich wieder ausser Landes müssen.

Autopermit und bei der Familie 7. – 16.03.2002 (34’100 km)

Unser Leben bei der Familie Calderon

Wie bereits erwähnt, haben wir ein süssen Zimmer mit Balkon und Sicht auf die Vulkane Fuego und Acatenango. Der Fuego ist immer noch aktiv und nur ein paar Tage vor unserer Ankunft hat er gespuckt. Seitdem warten wir auf ein ähnliches Spektakel. „Mama Irma“ verköstigt uns 6 Tage die Woche mit 3 Mahlzeiten pro Tag (Sonntag ist frei). Nein, wir erhalten nicht immer nur Bohnen, wie in anderen Familien der Fall, sondern eine recht ausgewogene Ernährung. D.h. oft gibt es zum Znacht das gleiche Essen wie mittags, doch das stört uns nicht gross, es gibt ja eine riesige Palette an Restaurants.
Unsere Familie besteht aus Mama Irma und Papa Manuel (z.Z. in New York), den Kindern Flor (17), Renato (23) und Silvana (21). Letztere lebt mit ihrem Mann – Irma ist gar nicht glücklich über die Wahl ihrer Tochter – und dem 6 Monate alten Sohn Martin in der Wohnung nebenan. Wie jeder durchschnittlichen Familie des Mittelstandes gehört ihnen das Haus, das sie selbst gebaut haben, und in dem sie 2 Wohnungen vermieten. Doch was das Geld anbelangt, so ist dieses meist knapp. Das ist auch der Grund, weswegen so viele Familien in Antigua ihre Türe den Touristen öffnen. Reich werden sie damit zwar nicht, doch reicht es immerhin, Schulgebühren oder die extrem hohen Stromrechnungen zu bezahlen.
Apropos Strom: Was die Guatemalteken da treiben, lässt uns Schauer über den Rücken laufen. Da Gasinstallationen im Bad anscheinend zu teuer sind, wird das heisse Wasser in der Dusche mit elektrischen Durchlauferhitzern aufgeheizt. Auch unsere Dusche ist eine kleine Todesfalle, denn obwohl der Wasserhahn mit einem Plastiksäckchen umwickelt ist, verspüren wir oftmals kleinere Stromstösse. Wir fragen uns: Ist dies die guatemaltekische Lösung zur Bevölkerungsexplosion? Ein Bild dazu?
Ein weiteres Merkmal, das aber nicht nur den Guatemalteken eigen ist, ist ihr Hörverständnis. Musik ist hier nicht Privatsache, sondern soll dem Kollektiv zu Gute kommen. Dies ist eine bewundernswert soziale Einstellung, doch werden dem europäischen Ohr zu viele Dezibel zugemutet. Ein Beispiel: Kaum ist Mama Irma aus dem Haus, wird der Lautstärkepegel dermassen in die Höhe geschraubt, dass wir aus den Betten schnellen, als wäre uns eine Armee Kakerlaken über die Füsse gehuscht. Wir ziehen den altmodischen Wecker wirklich vor! Doch wir wollen uns nicht beklagen, so kommen wir auf jeden Fall in den Genuss lateinamerikanischer Musik und Birgit notiert sich auch jeweils eifrig die Sänger, damit wir unseren Musikvorrat aufstocken können. Zum Glück kosten die kopierten Kassetten nur ein paar Franken, doch langsam müssen wir uns über den Platz Gedanken machen…

Temporäre Fahrzeugerlaubnis in Guatemala City

Da am 18.3.02 unsere temporäre Fahrzeugerlaubnis abläuft (man erhält nur jeweils 30 Tage), machten wir uns schon eine Woche vorher an die Arbeit.
Nach einem 30minütigen Telefonmarathon (während dem man uns 15 verschiedene Telefonnummern und 3 Adressen gab), hatten wir immer noch keine Auskunft erhalten, ob es nun möglich sei, die temporäre Fahrzeugerlaubnis bei der Aduana Central (Zentrale Grenzstelle) in Guatemala City zu verlängern oder nicht. Todesmutig beschloss Hubi, sich am nächsten Tag mit seinem Lehrer Luis in die – laut Insidern – gefährlichste Stadt des ganzen Kontinents zu wagen. Immer die Ermahnungen unserer „Mama Irma“ im Ohr (viele ihrer Verwandten sind in der Hauptstadt bis auf die Unterwäsche ausgeraubt worden), liess Hubi sämtliche Wertgegenstände in Antigua zurück. Er sah danach so ärmlich aus, dass ihm Einheimische tatsächlich ein paar Quetzales zu stecken wollten.
Hier der Tatsachenbericht: „Fast ohne Probleme fanden wir die Adresse, die im Telefonbuch vermerkt ist. Dort gab man uns die neue Adresse der verantwortlichen Regierungsstelle, da diese erst vor kurzem umgezogen war. Also ab die Post zurück in den Regierungsdistrikt, wo wir das Gebäude auch tatsächlich fanden, das auf den ersten Blick wie ein modernes Hochhaus anmutet, auf den zweiten einem eine Vision des schrecklichen Hallenbadunglücks in Uster haben lässt.
Die Information beim Eingang wusste sofort Bescheid und schickte uns in den 3. Stock. Beide waren wir erstaunt über so viel Kompetenz und so stiegen wir in die heiligen Hallen hinauf. Nun kam die Frage auf, welcher Schalter für unser Begehren zuständig sei. Beim erst besten Schalter fingen wir mit der Suche an und wurden von einem Ende des Gebäudes zum anderen geschickt. Dann wurde uns mitgeteilt, dass die Fahrzeugerlaubnis nur beim Zentralen Zoll verlängert werden können. Komisch, wir dachten eigentlich, da seien wir. Auf unsere Antwort, dass die verantwortliche Stelle hierher umgezogen sei, ernten wir nur ungläubige Blicke. Zu erwähnen ist da vielleicht noch, dass wir uns nicht alleine in den Wandelhallen der Behörde befanden, nein, da waren noch Hunderte von anderen Leuten am Warten und Suchen, alle mit viel Papier oder einem wichtigen Blick bewaffnet. Nun aber zurück zu einem der vorherigen Schalter, wo man uns mitteilte, wir müssten es im oberen Stock versuchen, natürlich war da niemand in Sichtweite. An einem etwas neuer aussehenden Schalter versuchten wir es aufs neue und siehe da, das Glück war uns hold. Doch nicht der Schalterbeamte half uns weiter, nein, ein älterer Herr an einem anderen Schalter, der zufällig mitgehört hatte, gab uns die Information, dass der richtige Schalter unten am Eingang zu finden und mit Zoll angeschrieben sei.
Dankbar nahmen wir die Rolltreppen hinunter und suchten den angegebenen Schalter. Siehe da, er war zwar nicht mit Zoll, sondern einem anderen Namen angeschrieben, doch hatten wir tatsächlich die zuständige Stelle gefunden. Halleluja! Jetzt konnte nichts mehr schief gehen – dachten wir. Freundlich wies uns die Beamtin aber darauf hin, dass seit dem letzten Regierungswechsel und der Umstellung der Behörden die Erlaubnis hier nicht mehr verlängert werden könne, bzw. nur für jeweils 24 Stunden. Eventuell sei es an einer Grenze möglich, doch laut Gesetz müsse man vor der Neuausstellung der Erlaubnis mindestens 72 Stunden ausser Landes verweilen. Leicht staubig und etwas verärgert fuhren wir zurück nach Antigua.“ Eigentlich hätten wir es ja wissen müssen, Marcos unser Schuldirektor hat uns gewarnt.

Zum Glück ist Guatemala relativ klein, so planten wir für den nächsten Tag eine Stippvisite nach El Salvador. Die relativ gute Strasse führte uns über 150 km oder in 2 ½ Stunden nach La Hachadura an den Zoll. Dort nahmen wir dankbar die Hilfe eines „offiziellen“ Grenzhelfers an, der uns für ca. 1.50 US$ (10 Quetzales) durch die nötigen Stellen lotste.
José führte uns zusammen mit seinem Kollegen zuerst einmal über die Brücke, an vielen wartenden Lastwagen vorbei, in das Zollgebiet von El Salvador, um die bestehende Erlaubnis im SAT Büro (Superintendencia de Administration Tributaria) annullieren zu lassen. Eine Beamtin überprüfte dort die Fahrzeugnummer am Auto, sowie auf der Erlaubnis und meinte, dass wir eventuell eine Busse bezahlen müssten, weil wir nicht 72 Stunden ausser Landes gewesen seien. Anschliessend ging es zurück auf die guatemaltekische Seite.
Am ersten Schalter wurden Pass und Fahrzeugausweis abgegeben, daraufhin kam wiederum eine Beamtin aus dem Haus mit eben diesen Papieren in der Hand und gab sie wieder durch das selbe Fenster hinein (das soll mal einer verstehen). Anschliessend wollte sie einen Blick in unser Auto werfen, denn sie hatte noch kein Wohnmobil von Innen gesehen. Bald darauf erhielten wir ein ausgefülltes Formular, mit dem wir zur Bank mussten, um die Erlaubnis zu bezahlen (45 Quetzales). Den Beleg wurde dann am gleichen Schalter wieder abgegeben. Etwas später erhielten wir ein leeres Formular und den Fahrzeugausweis. Damit mussten wir in die Schreibstube und den dort in der Hängematte schlafenden Beamten wecken (ist wahr!). Das Ausfüllen dieses Formulars kostete ca. 1.50 US$ (10 Quetzales). Mit dem neu ausgefüllten Formular ging es wieder zurück zum ersten Schalter. Was damit gemacht wurde, sahen wir nicht, es hiess nur, dass auf den Chef gewartet werden müsse, der die Angaben auf dem Papier mit dem Auto vergleicht und dann das Formular auch unterschreibt. Noch einmal mussten wir damit beim Schalter vorbei und erhielten einen Kleber (Erlaubnis) und auch die Ausweise zurück.
Damit wäre man eigentlich ausgerüstet für die Wiedereinreise nach Guatemala. Nur hatten sich unsere beiden Grenzhelfer ein Spässchen für uns ausgedacht und so ging Hubi also nochmals bei einem schmierig aussehenden Herrn vorbei. Dieser wollte 3 Kopien (3 Quetzales) von unserer Erlaubnis und als Hubi damit ankam noch 300 Quetzales (CHF 75.-). Hubi erklärte ihm – die Abzocke riechend – diesmal noch freundlich, dass er diesen Betrag liebend gerne bezahle, wenn er dafür auch eine Quittung erhalte. Der Schmierige erwiderte, dass der, der die Quittungen ausstelle, leider gerade beim Mittagessen sei, das dauere schon so bis zu einer Stunde, aber eine Quittung sei ja gar nicht nötig. Wofür der horrende Betrag überhaupt sei, erklärte er uns auch auf wiederholtes Fragen nicht. Wir meinten dann nur, dass wir gerne warten würden. Zurück beim Auto erklärten wir den Grenzhelfern, dass wir über sehr viel mehr Zeit als Geld verfügen und wir das Ganze vielleicht doch ganz gerne mit dem Herrn Oberzolldirektor besprechen würden. Dies erklärten wir kurz darauf auch dem schmierigen Herrn, wobei ihm Hubi – bereits weisslippig – seine bösesten Blicke zuwarf. Ja und plötzlich hiess es, dass wir fertig seien und einreisen dürfen.
Wenn dich diese Geschichte stark an die Arbeit in deiner Firma erinnert, dann lehn dich einfach zurück, schliess die Augen und stell dir vor du seiest mit uns auf der Reise.

In Antigua 28.02. – 6.03.2002 (33’700 km)

Erste Tage in Antigua

Bevor wir überhaupt in Antigua eintrafen, hatten wir schon genaue Vorstellungen, wo wir Spanischunterricht nehmen und bei welcher Familie wir wohnen wollten. Das haben wir Silvia und Daniel, 2 Bernern, die mit dem Motorrad entlang der Panamericana reisen, zu verdanken. Von einander gehört hatten wir über Jochen und Tom und dank der modernen Technologie, dem Internet. Getroffen haben wir uns bis heute nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Also eben, durch regen Email-Austausch haben die Beiden uns ihre Schule und auch ihre Familie in Antigua bekannt gegeben. Also fuhren wir zuerst zu der Familie, stellten aber schnell fest, dass sich entweder der Torbogen oder Mosquito bleibenden Schaden aus einem Einfahrversuch zuziehen würde. So, dachten wir, dann werden wir das Problem „Parkieren“ mal an die Schule delegieren.
Da die Strassen in Antigua aus einer Art Kopfsteinpflaster bestehen und viele Strassen mit Steinpfeilern die Durchfahrt grösserer Fahrzeuge verhindern, liessen wir unser Auto für einmal stehen und machten uns zu Fuss auf die Suche nach der Schule. Dort angekommen, wurden wir vom Direktor Marcos ganz freundlich begrüsst und wir erzählten ihm von unserem Begehr nach Schule, Unterkunft und sicherem Parking. Kurzerhand rief er sämtliche Familienmitglieder (die haben wirklich grosse Familien hier in Guatemala) an und schickte alle zum Torbogenhöhe und -breite messen.
Während wir auf die Messergebnisse warteten, widmete sich Marco dem Schule-Anpreisen und zeigte uns mal seine offizielle Kurs-Preisliste. Wir röchelten nach Luft, denn 410 US$ für 3 Wochen à 5 Tage mit je 6 Stunden Einzelunterricht und das pro Person, nimmt wohl jedem den Atem. Wir erzählten ihm dann von unseren Busenfreunden, Silvia und Daniel, wie sehr ihnen die Schule gefallen habe und so weiter und so fort. Marcos erklärte sich dann sofort bereit, uns zu den gleichen Bedingungen unterrichten zu lassen. So einigten wir uns auf den Preis von 250 US$, den die zwei sich sicher hart erkämpft hatten. An dieser Stelle: Gracias Silä u Dänu.
Unterdessen stellten wir fest, dass alles Messen nichts half, wir sind einfach zu hoch. Da aber kam Gustavo zum Zuge, der da auch so rum sass. Es gibt überall immer wieder Leute, die sich im Rumsitzen üben. Er kannte den Besitzer einer Werkstatt, auf dessen Gelände schon zwei Wohnmobile stehen. Gegen den bescheidenen Betrag von 20 Quetzales – der Quetzal ist neben dem Wappenvogel und auch die Währung von Guatemala – also etwa für CHF 4.00 am Tag, könnten wir Mosquito dort sicher parkieren. Damit fiel unser Plan, im Auto zu leben und bei einer Familie zu essen, ins Wasser. Aber, das macht nichts, denn wir sind ja so unheimlich flexibel – man wird das auf einer Reise.
Bevor wir eine Leidensmine wegen den Kosten für einen Monat Parkieren aufsetzen konnten – wir wollen nämlich bis nach Ostern in Antigua bleiben, da in dieser Zeit wunderbare und weltweit berühmte Semana Santa-Umzüge stattfinden -, griff Marcos zum Taschenrechner und erklärte feierlich, dass er während unseres Schulaufenthaltes (ganze 3 Wochen) für die Kosten des Parkings aufkommen werde. Wow, das hat uns unglaublich gefreut!
Mit dem Sohn des Werkstattbesitzers haben wir dann ausgemacht, dass wir die ganze Zeit für den Preis von drei Wochen stehen dürfen – gewusst wie.
Dann haben wir unser Quartier bei einer Familie bezogen. Gleich zu Beginn fiel uns das fehlende Privatbad auf und auch, dass der Raum etwas gar finster war. Ja, ja, von unserem Mosquito sind wir halt schon etwas verwöhnt.
Zurück beim Schuldirektor liessen wir uns dann ein neues, helles Quartier mit Privatbad und eigenem Balkon vermitteln. So kommt es, dass wir am 27. Februar unser erstes Quartier bezogen und 4 Tage später schon wieder umgezogen sind.

Wie viele weitere Familien werden folgen? Werden die Lehrer unseren hohen Ansprüchen genügen? Wer wird auf der Strecke bleiben? Mehr, bald auf dieser Website….

Weiter nach Antigua 21. – 27.02.2002 (33’700 km)

Von Flores zur Finca Ixobel

Die Insel Flores im Peten Itza See, mit dem gleichnamigen Städtchen, lebt heute hauptsächlich vom Tourismus. Richtig Rast machten wir aber erst auf der Finca Ixobel, die etwa 5 Km südlich von Poptun liegt. Auf dieser aktiven Farm treffen sich seit Jahren viele Rucksackreisende. Hier erholen sie sich (wir auch) in der grünen Umgebung und geniessen die gute Küche. Aber nur zu bald sind die 3 Tage um und die Reise geht weiter Richtung Guatemala City und Antigua.

Weiter nach Antigua

Unterwegs liessen wieder einmal den Auspuff schweissen und verbrachten eine gemütliche Nacht in der Nähe von Rio Hondo, auf dem Parkplatz einer Art Badeanstalt. Leider hatten diese gerade die Becken geleert und so fiel der erfrischende „Abend-Schwumm“ buchstäblich ins Wasser.
Und in diesem kleinen Kaff, 15 km von der Hauptstrasse entfernt, nahm eine komische Geschichte ihren Anfang: Schon kurz nach unserer Ankunft wurden wir von einer Polizeistreife nach unseren Papieren gefragt. Nach deren Überprüfung und einem freundlichen Schwätzchen (Gerald zeigte den schwer beeindruckten Männern seine Hanteln) zogen die netten Polizisten wieder von dannen. Dies ging dann aber den ganzen Abend so weiter! Alle 2 Stunden kam ein Polizeiauto angefahren, immer mit anderer Besatzung, und nahm jedes Mal (insgesamt 3x) unsere gesamten Personalien auf. Sie versicherten uns aber jeweils, dass wir auf dem Platz ohne weiteres übernachten dürften und dass sie auch auf uns aufpassen würden. In der Nacht kamen sie noch ein paar Mal vorbei, netterweise ohne uns zu wecken und auch am Morgen liessen sie nicht lange auf sich warten. Beim Frühstück fragten sie höflich, wann wir denn gedenken weiterzufahren. Mit unserer Antwort „in einer Stunde oder so“ zufrieden, liessen sie uns fertig frühstücken und fuhren weiter.
Natürlich machten wir uns unsere Gedanken: Sind wir da in ein Schmuggler-Nest geraten und die Polizei steckt mit unter der Decke? Wurden die Personalien nur aufgenommen, um unser Verschwinden mit einer abenteuerlichen Geschichte zu decken? Werden unsere Masse, nach Wild-West-Manier, vor dem Showdown erfasst, um die Beisetzung möglichst schnell und unauffällig über die Runde zu bringen?
Aber trotz unserer Sorgen schmeckte uns das selbstgebackene Brot vorzüglich…

Als wir nach dem Frühstück gemütlich losfuhren, stand die Polizei schon am Strassenrand bereit und folgte uns mit eingeschalteten Warnblinkern bis zur Hauptstrasse. Dort angekommen bogen wir links und sie rechts ab. Aber keine 200m weiter hatten wir schon wieder eine Streife hinter uns. Obwohl wir uns, wie es sich gehört und sicher als Einzige, an die manchmal absurden Geschwindigkeitsvorschriften hielten und bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorschriftsmässig die Blinker benutzten, fühlten wir uns nicht recht wohl in unserer Haut. Man kennt ja die Horrorgeschichten über die Polizei in den lateinamerikanischen Ländern, die weder von hohen Touristenbussen noch Meuchelmord zurückschrecken.
Bei der Einfahrt ins nächste Dorf verschwand der Streifenwagen wieder, aber schon kurz darauf hatten wir wieder einen Schatten. Manchmal wechselten sie sich auf offener Strecke ab: Ein Wagen kam uns entgegen und winkte unserem Schatten zu, dieser fuhr dann rechts ran und der andere Wagen übernahm die Schattenrolle. Wir, mit dem schwächeren Auto, fuhren vorne weg, während Gerald das Schlusslicht bildete. Einmal fand er dann, dass er besser mal anhalten solle, vielleicht wollten die ja was von uns. Aber weit gefehlt. Der Streifenwagen hielt prompt hinter ihm an und ein Polizist stieg aus. In der Hand hielt er einen Zettel mit unseren Daten und er erklärte Gerald wortreich (Gerald spricht kein Spanisch), dass sie eine Eskorte für uns seien, weil gerade in dem von uns zu durchquerendem Gebiet manchmal geschossen werde. Wer auf wen und warum haben wir nicht heraus gefunden. So kam es, dass wir die ganzen 150km bis Guatemala-City unter dem Schutz einer nicht ganz diskreten aber sicher kompetenten Polizeieskorte standen.

Am nächsten Tag hiess es dann von Gerald Abschied nehmen, er fuhr zurück nach Mexiko und wir weiter nach Antigua, um unsere Hirnzellen wieder einmal in Betrieb zu nehmen und mit professioneller Hilfe unsere Spanischkenntnisse aufzufrischen. Nach einer entspannenden, ca. 1stündigen Fahrt durch Guatemala-City auf der Suche nach wenigstens einem Wegweiser, kamen wir wieder einmal in eine Polizeikontrolle, diesmal waren sie auf der Suche nach Drogen. Hierzu ist zu sagen, dass es in Guatemala viel weniger Kontrollen gibt als vergleichsweise in Mexiko. Wir müssen schon am Morgen früh dermassen abgekämpft ausgesehen haben, dass wir wieder einmal eine Polizei-Eskorte erhielten, welche uns den richtigen Weg nach Antigua zeigen wollte. Was sie auch tat, doch vorher mussten wir noch eine kurze Pause einlegen, da der Kühler des Polizeiautos kochte und dieser ja zuerst abkühlen musste, bevor Wasser nachgegossen werden konnte.
Wir erreichten dann Antigua ohne weitere Probleme und lassen schon bald wieder von uns hören.

Guatemala 18.02. – 25.04.2002

centro
Tikal
Weiter nach Antigua
In Antigua
Autopermit und bei der Familie
Keine Angst vor Bastelarbeiten
Semana Santa in Antigua
Am See
Nach Aguacatan und zum Zoll
Die Besucher in Antigua
Die Besucher in Panajachel

Ursprüngliche Indigena-Kultur, koloniale Städte, Vulkane und Ruinen vergangener Kulturen.

 

Einreise: 18.02.02 Cd. Melchor de Mencos, aus Belize, gefahrene Kilometer seit Reisebeginn 32’900
Einreise-Formalitäten: Zuerst wird das Fahrzeug mal wieder desinfiziert 6 US$. Dann deklariert man das Auto für die Einfuhr und erhält einen blauen Kleber der für 30 Tage gültig ist. Wie die Verlängerung von statten ging, liest du hier. Natürlich wird das Fahrzeug auch im Pass eingetragen 7 US$.
Autohaftpflichtversicherung haben wir auf die Schnelle keine gefunden und es halt bleiben lassen.
Der Einreisestempel für Personen ist gratis und erlaubt uns 3 Monate Aufenthalt.
Nach dem Zoll hat es eine Brücke mit Barriere, wo der Polizist zuerst umgerechnet 12 US$ Brückenzoll verlangte und als wir ihm sagten, dass wir fast kein Geld mehr haben, liess er uns für umgerechnet 3 US$ und Quittung weiter fahren. Gerald haben wir mit seinem Fahrzeug weiter gewunken, als wir festgestellt haben, dass das nur so eine Abzocke war.
Ausreise-Formalitäten: Siehe Einreiseformalitäten El Salvador
Ausreise: 25.04.02 Ciudad Pedro de Alvarado nach El Salvador, gefahrene Kilometer seit Reisebeginn 35’400