Archiv der Kategorie: Panamericana

Nach Hause 13.3. – 14.4.03

Zwei Mal noch besuchten wir die für die Verschiffung zuständige Agentur, doch erst beim letzten Mal – als wir unseren Ärger über die Inkompetenz des für uns zuständigen Angestellten kaum mehr verbergen konnten – wurden wir an die wohl einzig fähige Person des Büros verwiesen. Und siehe da, wir erhielten nicht nur einen Plan des Hafengeländes, sondern auch wichtige Infos, darunter diese, dass unser Auto als normales, begleitetes Gepäck (equipaje acompañada) betrachtet werde und somit keine zusätzlichen Kosten anfallen würden. Unsere Freunde war gross, waren wir doch von Kosten in der Höhe von etwa 500 US$ ausgegangen, dies nämlich hatte uns die Agentur mündlich wie auch via E-Mail mitgeteilt.

Als der grosse Tag endlich gekommen war (wir können jetzt Führungen durch die Fussgängerzone von B.S. leiten), waren wir und Mosquito bereit. Wir fuhren am Vormittag durch das Chaos der argentinischen Hauptstadt direkt in den Hafen und wurden von Pablo, dem, wie schon oben gesagt, einzig fähigen Mitarbeiter der Agentur, bereits erwartet. Er führte uns gleich ins erste Zollgebäude, wo ein Zollbeamte in den Pässen verzweifelt durch unsere 9 Ein- und Ausreisestempel von Argentinien blätterte und versuchte, diese mit den Einträgen im Carnet de Passage abzugleichen. Nach etwa 5 Minuten Passblättern und weiteren 3 Minuten Carnetseiten vergleichen, gab er auf und stempelte erschöpft das Dokument. Im nächsten Büro, wir glauben es war die Hafenverwaltung, ging es dann so richtig hoch her, als Pablo dem ehrenwerten Beamten erklärte, dass für unseren Camper gar keine Papiere auszufüllen seien, da dieser als „begleitetes Gepäck“ mitgeführt werde. Der gewissenhafte Beamte liess sich erst nach einigem Hin und Her und einem Telefonat mit seinem Vorgesetzten davon überzeugen und so wurde auch diese Hürde gemeistert. Die Kontrolle an der Hafeneinfahrt wollte auf Hinweis von Pablo auch keine Dokumente mehr sehen und so kam es, dass wir eine halbe Stunde später am Quai sassen und unserem Schiff beim Einlaufen und Anlegen zusehen konnten. Dies stellte sich als wahre Geduldsprobe heraus, denn bis sich der grosse Frachter durch die Einfahrt geschlängelt, am Quai angelegt hatte und das Tor offen war, vergingen sicher 1½ Stunden. Während dieser Zeit konnten wir schon mal mit Carmen und Frank, unseren zukünftigen Kabinennachbarn, Bekanntschaft schliessen.

Das Schiff

Die Repubblica del Brasile ist ein Container und Roll-On / Roll-Off Frachtschiff. Ihre Masse sind: 209m Länge, 49m Höhe (davon meist 12m unter Wasser) und 30m Breite. Damit ist sie sicher nicht das grösste Schiff auf dem Meer, doch für uns reichte es. Das maximale Gesamtgewicht beträgt 42’000t, davon 18’000t Ladung, dieses Gewicht wird mit Hilfe von 17’000 kW (22’000 PS), mit 18Knoten (ca. 34 km/h) über die Weltmeere geschoben. Der Motor verbraucht zwischen 60 und 75t Schiffsdiesel pro Tag.
Damit uns unterwegs der Saft nicht ausgeht, haben wir 2’240m³ Diesel mit. Zusätzlich gibt es noch 5 Generatoren, die zusammen auch noch 6’000kW für verschiedene Hilfsmotoren liefern können. Nur 22 Besatzungsmitglieder halten das Schiff 24 h am Laufen, ach ja und jede Woche werden 500l Motorenöl nachgeschüttet, 9’000l hat es insgesamt. Der Hauptmotor wird mit Hilfe von Druckluft gestartet, diese kommt aus einem 7m³ Tank, der unter 30bar Druck steht.
Diese Daten haben wir uns in mühevoller Arbeit auf der Brücke und im Maschinenraum erarbeitet.

Das Leben an Bord

Der wichtigste Teil war das Essen, besonders bei einem italienischen Koch. Zwischen 7 – 9 Uhr gab es Frühstück mit süssem Gebäck, kalter Pizza, Brot, Butter, Konfitüre, Saft, Kaffee, Tee, Käse und Trockenfleisch. Zum Mittagessen wurden wir um 12 Uhr schon wieder gerufen und es gab jeweils ein 4gängiges Menü, bestehend aus Pasta oder Reis, Fisch oder Meeresfrüchte, Fleisch mit Salat oder Gemüse und zum Schluss Dessert mit Kaffee und Früchten. Abends ging es im gleichen Takt weiter mit Suppe, Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchte, mit Salat oder Gemüse, Dessert und Kaffee und Früchten. Unser Stewart Vincenzo servierte immer meisterhaft und gab sich alle Mühe, uns zum Essen zu animieren und uns nach den knapp 4 Wochen nicht mehr in die Kleider passen zu lassen.

Nach längerer Zeit in Mittel- und Südamerika fühlten wir uns in der ersten Woche wie im Paradies, alles klappte und überall war es sauber. In der zweiten Woche genossen wir das Essen und Leben an Bord immer noch und dachten sogar darüber nach, mal eine Kreuzfahrt zu unternehmen. In der dritten Woche stellt man dann fest, dass das Essen immer ein bisschen ölig ist (Olivenöl kalt gepresst, wohl gemerkt) und dass die Klimaanlage am besten funktioniert, wenn es draussen kalt ist. In der vierten Woche wird jeder, der auch nur an eine zukünftige Schiffsreise denkt, gleich über Bord geworfen und den Gedanken an Essen kann man kaum mehr ertragen. Obwohl, wenn es dann fein duftend und verführerisch angerichtet vor einem steht, sind alle guten Vorsätze wie weggeblasen.

Seekrank wurden wir die ganze Zeit auf See nie, obwohl auch ein so grosses Schiff erstaunlich heftig über die Wellen hüpfen kann. Besonders im Golf von Biscaya wurde es wild und wir Passagiere zogen uns bei Windgeschwindigkeit zwischen 80-100km/h – das Schiff schaffte nur noch 13 Knoten gegen den Wind – schnell in die Kabinen zurück. Die Fenster mussten geschlossen bleiben, weil es oft bis zu uns in den 8 Stock hoch spritzte.

Natürlich haben wir während den 4 Wochen auf hoher See nicht nur gegessen, gelesen und geschlafen, sondern unternahmen wagemutige Expeditionen in den Bauch des Seeungeheuers, fielen beim Kapitän in Ungnade durch unsere vielen wissbegierigen Besuche auf der Brücke, spazierten zur Verdauung unermüdlich der Reling entlang, trotzten dem Wind, um einen Blick auf fliegende Fische zu erhaschen, besuchten täglich den Fitnessraum, um Vincenzo „eins auszuwischen“ und spielten abends nach dem letzten Kaffe Domino, Yatzee oder Uno mit unseren Nachbarn. Alles in allem hatten wir eine eher stressige Zeit…

Route

13.3. Wir gingen in Buenos Aires an Bord
14.3. Auslaufen am Morgen Richtung Zarate, den Rio de la Plata hinauf
15.3. Auslaufen am Morgen Richtung Norden
18.3. Ankunft in Paranagua, Brasilen, Landgang
19.3. Auslaufen am Morgen Richtung Norden
20.3. Ankunft Rio de Janeiro, Landgang
20.3. Auslaufen während der Nacht Richtung Süden
21.3. Ankunft in Santos, Landgang
22.3. Auslaufen am Morgen Richtung Nordosten
29.3. Ankunft in Dakar, Schweizer brauchen ein Visum, also kein Landgang
30.3. Auslaufen am Morgen Richtung Norden
5.4. Ankunft in Tilbury, England, Landgang
6.4. Auslaufen am Morgen Richtung Norden
8.4. Ankunft in Hamburg, Deutschland
8.4. Ankunft in Creussen, Deutschland
14.4. Zurück in der Schweiz

Quer durch Deutschland

Schon beim Landgang in London hatten wir das erste Mal europäischen Boden unter den Füssen und genossen die Rückkehr in die Zivilisation. Und von wegen kühle Europäer, wir hatten gleich beim ersten Landgang ein schönes Erlebnis, als uns nämlich freundliche Bobbies im Patroullienfahrzeug mitnahmen, als wir – auf der Suche nach dem Seamens Club – durch den grossen Hafen von Tilbury irrten. Cheers!
Und dann endlich Hamburg. Von der Fahrt auf der Elbe hatten wir leider nichts mitbekommen, da wir zu dieser Zeit noch im Koma lagen. Schnell hetzten wir aber dann durchs Frühstück, packten in Windeseile unsere Siebensachen zusammen, verabschiedeten uns von unseren Freunden in der Crew und bei den Passagieren und schon rollte Mosquito die Rampe hinunter aufs Festland. Nun endlich auf dem Kontinent wurden wir von einer beissenden Kälte (-7°) empfangen. Der europäische Zoll interessierte sich gar nicht für uns, so waren wir schon am Vormittag auf der Autobahn Richtung Süden. Als Langsamste waren wir unterwegs und erreichten ohne all zuviel Verkehr unser Ziel, Creussen in Oberfranken, wo wir Verwandten von Birgit einen Besuch abstatteten.

Oma Trebing hiess uns noch am gleichen Tag mit knusprig frischem Brot, leckeren Wurstwaren und feinem Wein willkommen. Erschöpft nach den 8 Stunden Fahrt liessen wir uns verwöhnen und fielen kurz darauf in unser Bett. Zwei Tage später trafen dann noch weitere Familienmitglieder ein und Hubi wurde in die Geschichte Oberfrankens im Allgemeinen und Creussen im Speziellen eingeweiht. Es stellte sich schnell heraus, dass Hubi ein aufmerksamer Schüler ist, konnte er doch die verschiedenen Bratwursttypen in Windeseile unterscheiden.

Am Vorabend unserer definitiven Heimreise in die Schweiz fing Mosquito tatsächlich an zu bocken. War ihm wohl der gefallene Schnee nicht gut bekommen? Auf jeden Fall verlor er Kühlerflüssigkeit und davon nicht gerade wenig. Schnell wurde die Schuld auf einen Ventil beissenden Marder geschoben, doch stellte sich heraus, dass das Leck bei der Pumpe zu suchen war. Eine Testfahrt zeigte aber, dass wir es sehr wahrscheinlich bis nach Bern schaffen könnten.

Also nahmen wir am folgenden Tag die letzte Etappe unserer Reise unter die Räder und Mosquito zeigte uns wieder einmal, dass er auch mit kleineren Verletzungen nicht zu schlagen ist. Wir fuhren die letzten 600 km ohne Probleme und das einzig Bemerkenswerte an dieser Fahrt war die Einreise in die Schweiz. Es war nämlich so: Gemäss TCS muss das Carnet de Passage bei der Einreise in die Schweiz am Zoll abgestempelt werden. Doch als wir dem Schweizer Zollbeamten in Weil am Rhein unser Carnet in die Hände drückten, bekamen wir eine glatte Abfuhr. Der Beamte weigerte sich schlichtweg, es zu stempeln, mit der Begründung, dass dies sei gar kein offizielles Dokument sei und er überdies noch nie ein solches Papier gesehen hätte (man braucht also gar nicht so weit zu reisen…). Nach kurzem Hin und Her gaben wir uns geschlagen, erwarben eine Autobahnvignette und ohne dass der Zöllner einen Blick in unsere Pässe geworfen oder uns nach zu verzollender Ware gefragt hätte, fuhren wir in unsere Heimat ein.

Das war’s Leute!

Autofahren in Lateinamerika 4. – 13.3.03

Wieder in Buenos Aires

Zum letzten Mal auf unserer Reise kamen wir nach Bs.As. und mussten uns von lieb gewonnenen Freunden verabschieden. Hier galt es ein letztes Asado zu verspeisen, da noch einmal Sushi auf Stäbchen zu balancieren und dort ein letztes Bife de Lomo auf der Zunge zergehen zu lassen. Ach bella Argentina, wir werden dich und deine Menschen vermissen!
Bei unseren vorhergehenden Aufenthalten hatten wir schon alles Interessante besichtigt und so zogen wir durch altbekannte Gassen und warteten auf unser Schiff. Nach zweimaliger Verschiebung des Abfahrtstermins klappte es doch noch und wir konnten am 13. März mit Mosquito auf der Repubblica del Brasile einziehen. Am nächsten Morgen dann stachen wir tatsächlich in See.

Autofahren

Da es über Bs.As. nicht mehr viel zu erzählen gibt, halten wir hier ein paar Szenen aus dem Strassenverkehr in Lateinamerika fest.

  • Nachts wird an roten Ampeln, wegen der Überfallgefahr, gar nicht erst gehalten, tagsüber halten viele weiter an diesem Brauch fest. Als Tourist muss man also beim Halten vor Ampeln auch immer im Rückspiegel überprüfen, ob der Hintermann bremsen wird.
  • Manchmal ist der Strassenzustand dermassen schlecht, dass man sich auf Asphalt wie auf einer Geländestrasse fühlt, dieses Gefühl wird durch fehlende Gullydeckel nicht gemindert. Manchmal stellt eine gute Seele eine Eisenstange mit einem Fetzen Stoff in das Loch oder, mit etwas mehr Glück, einen Kehrrichteimer. Gewollte Hindernisse auf der Strasse sind wie schlafenden Polizisten, sie sind mit Rücksicht auf Federung und Karoserie nur ganz langsam zu überwinden und manchmal sind sie so hoch, dass man sie umfahren muss.
  • In Sachen Strassenschilder und Markierungen ist auch kein Meister vom Himmel gefallen. Ohne weiteres findet man Schilder, die vor einer Baustelle vom letzten Jahr warnen, aber vor dem gerade neu ausgehobenen Graben für eine neue Wasserleitung befindet sich keine Warnung. Orts-, Richtungs- und Strassenschilder hat es nur dann, wenn man schon lange weiss, wo man sich befindet. Dass diese eine praktische Zielscheibe für alle Arten von Schiesswaffen abgeben, ist logisch. Die Strassenbemalung entspricht meist dem Strassenverlauf vor etwa 15 Jahren und schon damals hat sich bestimmt nie jemand daran gehalten.
  • Ein Auto das links blinkt, zeigt an, dass man es links überholen kann, oder dass es links abbiegen will. Letzteres Manöver wird auch ohne blinken eingeleitet. Fortgeschrittene unterlassen jegliche Richtungsangabe oder brauchen Handzeichen. Überholmanöver finden selbstverständlich links und rechts statt. Beliebt ist – wir nennen es das Idiotenmanöver – den Vordermann links zu überholen, ihm mit nur 10 cm Anstand vor die Nase zu fahren, scharf abbremsen und rechts abzubiegen. Dasselbe gilt selbstverständlich auch rechts beginnend.
  • Die Vortrittsregeln sind meist unabhängig von der Signalisation. Wichtiger sind Grösse und Art des Fahrzeugs sowie Lebensmüdigkeit des Fahrers. Als Fussgänger, Fahrrad- und Motorradfahrer ist man ganz unten auf der Skala. Immer wieder beobachteten wir mit Erstaunen, wie diese sofort von der Strasse in den Graben hüpften bzw. fuhren, sobald sie uns von hinten kommen hörten.
  • Taxifahrer sind auch eine Spezies für sich, ihre Verhaltensweise im Strassenverkehr orientiert sich daran, ob ein Kunde im Wagen sitzt oder nicht. Die Suche gestaltet sich folgendermassen: Der Taxifahrer fährt ganz langsam am Strassenrand entlang und wartet auf das obligate Winken, Pfeifen oder Kopfnicken oder aber er macht den potentielle Kunde mittels Hupe auf seine Vakanz aufmerksam. Ist der Fisch an der Angel d.h. im Auto, kann sich der Taxifahrer leicht in einen Rennfahrer verwandeln.
  • Busse fahren eigentlich immer schnell, so muss man sich jederzeit gut festhalten, sonst fliegt man entweder beim Anfahren oder spätestens beim Bremsen durch das Fahrzeug. Busse und Taxis halten überall und jederzeit an, um Passagiere ein- oder aussteigen zu lassen.

Dies war ein grober Eindruck über die Grundregeln, in grösseren Städten kommen noch 6spurige Strassen, viel Verkehr und 35° Grad im Schatten dazu. Vor unserem geistigen Auge sehen wir also nun in der rechten Fahrspur die Taxis schleichen oder rasen, links daneben drängeln sich Fahrzeuge, die bei der nächsten Gelegenheit links oder rechts abbiegen wollen. In der mittleren Spur geht es mehr oder weniger geordnet zu, doch schon eine Spur weiter links befinden sind bereits wieder Fahrzeuge, die nach rechts oder links abbiegen wollen. Erschwerend kommen noch die extrem vielen Busse hinzu, die, um schneller vorwärts zu kommen fast ganz nach links rüber fahren, dann aber einen Passagier rechts winken sehen und wieder abdrehen. Ein geschickter Bussfahrer schafft es ohne weiteres, eine 5spurige Strasse mit seinem Fahrstil zu blockieren. Nicht vergessen darf man die Autos, die in der ganz linken oder rechten Spur geparkt haben und sollte diese schon voll sein, auch ohne Probleme in der zweiten Reihe stehen. Viel Spass.

Am Karneval 28.2. – 4.3.03

Salvador de Bahia

Nach einer Woche faulenzen am Strand stürzten wir uns mit neu gewonnener Energie ins Stadtleben. Und Salvador hat auch eine Menge zu bieten: eine grosse Altstadt mit wunderschön restaurierten Kolonialhäusern, eine tolle Einkaufsmeile und natürlich Strand soweit das Auge reicht.

Hier verschafften wir uns einen ersten Eindruck vom brasilianischen Karneval. In den Strassen der Altstadt genossen wir das Gewusel und fröhliche Treiben. Einzelne Maskierte und ganze Gruppen zogen, oft unter lautem Trommeln, durch die Gassen und auf den Plätzen spielten verschiedene Bands. Etwas ausserhalb drehten Wagen, wie an der Streetparade, ihre Runden und versuchten sich den Weg durch das tanzende Getümmel zu bahnen. Zur Sicherheit aller hatte es unzählige Polizisten, die in 5er-Gruppen durch die Strassen patrouillierten oder auf Podesten Wache schoben. Wir genossen den exotischen Karneval bis in die frühen Morgenstunden.

Rio de Janeiro

Rio ist für uns ein alter Bekannter und die touristischen Höhepunkte hatten wir schon während unserem früheren Treffen abgeklappert. So blieb uns nur noch, an der Copacabana herum zu strolchen, Kokosnusssaft in den vielen Strandcafes zu trinken und das Leben und Treiben der Einheimischen und Touristen zu beobachten. Und nach den letzten Wochen kulinarischer Tiefpunkte genossen wir wieder die leckere japanische, indische und italienische Kost.

Der Höhepunkt des karnevalesken Treibens fand anschliessend hier im Sambodromo statt. Zwischen neun Uhr abends und sieben Uhr morgens zogen 8 Sambaschulen vor den etwa 45’000 Zuschauern vorbei.
Jede Sambaschule stellt mit 3’800 bis 4’500 Mitgliedern und sechs bis acht verzierten Wagen ihr diesjähriges Thema vor. So wurden wir Zeugen der Geschichte des Theaters, der Homage an eine brasilianische Schauspielerin, 50 Jahre Sambaschule und einiger anderen. Jede Schule hatte EIN eigenes Lied, das man bis am Schluss auswendig konnte, wurde dieses doch während dem 80-minutigen Umzug unermüdlich gesungen. Und für den Rest lassen wir Fotos sprechen…

Am Strand 17. – 28.2.03

Fortaleza

Von Manaus haben wir uns in die 5. grösste Stadt Brasiliens, nach Fortaleza, fliegen lassen. Wir hatten uns den günstigsten Flug ausgesucht und kamen darum in den Genuss von jeweils 5 Starts und Landungen. So flogen wir also mehrmals in Sichtnähe des verzwickten Netzes des Rio Amazonas durch den Regenwald und kamen uns vor wie in einem Dokumentarfilm. Leider waren die Fenster des Flugzeugs schon sehr zerkratzt, aus diesem Grund können wir nicht mit Fotomaterial dieses spektakulären Anblicks aufwarten.
Fortaleza ist eine geschäftige Metropole mit vielen Hochhäusern, einer wichtigen Kleiderherstellungsindustrie, mehren Stränden mit vielen Hotels und Restaurants. Nachdem wir unsere Weiterfahrt organisiert und die interessantesten Sehenswürdigkeiten im Zentrum besichtigt hatten, machten wir uns an den Strand Praia de Iracema, wo wir dann seit langem wieder einmal ausgezeichnet zu Abend assen.

Canoa Quebrada

Eigentlich hatten wir vor, uns die 50 schönsten Strände von Brasilien anzuschauen, leider blieben wir aber schon am ersten hängen. Bilder sagen oft mehr als Worte…

Im Amazonasgebiet 8. – 16.2.03

Porto Velho

Die Busfahrt von Cuiaba nach Porto Velho war bisher unsere längste, denn ganze 25½ Stunden waren wir unterwegs. Eigentlich erstaunlich, da die 1’500 km lange Strecke, unter Kennern kurz BR-364 genannt, in einem sehr guten Zustand war. Doch für einmal hatten wir sehr vorsichtige Busfahrer, die erstens lange brauchten, bis sie sich zu einem Überholmanöver aufraffen konnten und zweitens öfters als Normal Stopps einlegten. So wurde unser Schönheitsschlaf alle 2-3 Stunden rüde unterbrochen und wir mussten jeweils mindestens 10 Minuten auf den Genuss der auf optimale 21° eingestellten Klimaanlage verzichten. Den Stopp um 2:25 Uhr werden wir nicht so schnell vergessen, denn die Bushaltestelle ist gleichzeitig auch Restaurant und ambulante Klinik. So kann man sich rund um die Uhr die fakultative Gelbfieberimpfung verpassen lassen und das tatsächlich gratis, ja, wenn wir das gewusst hätten…

Porto Velho mit seinen knapp 300’000 Einwohner liegt am Rio Madeira und ist ein Ausgangspunkt für Bootsfahrten ins Amazonasgebiet. Die Stadt ansonsten hat nicht viel zu bieten, aber wir waren sowieso nur am Hafen und der dort vertäuten Schiffe, die nach Manaus schippern, interessiert. Auch ist diese Stadt an Sonntagen dermassen ruhig, dass wir fast verhungert wären, da alle Churrascarias (Fleischrestaurants) Ruhetag hatten. Doch zum Glück konnte Bibi überredet werden, auch mal in einen leckeren Doradofisch, zubereitet à la brasiliana, zu beissen. Doch bevor wir uns dieser kulinarischen Köstlichkeit hingeben konnten, musste viel Arbeit erledigt werden. Es hiess, ein Schiff zu finden, das nicht aussah, als würde es nächstens zu einem Spielplatz für Piranhas werden, die Kabinen auf Sauberkeit zu untersuchen und zu guter Letzt den Kapitän auf einen akzeptablen Preis herunter zu handeln. Wir haben, durch Zufall, das beste Boot auf der Route erwischt. Zum anderen vor Anker liegenden Kahn meinte Birgit nur, sie übernachte lieber gleich in der Hängematte an Deck oder falls diese Plätze auch bereits ausgebucht seien, lasse sich halt durch den Piranha verseuchten Fluss ziehen! Nach hartem Verhandeln konnten wir uns die Suite 1 auf der „Cidade de Manicore“ sichern; wie man da auf die Bezeichnung „Suite“ kommen kann, ist uns schleierhaft. Zusätzlich zu unserer Luxuskabine mit Klimaanlage (Raum ohne Fenster von 4m², inkl. WC und Flusswasser-Dusche), kauften wir 2 Hängematten, damit wir während der 2-3 Tage dauernden Fahrt an Deck auch so richtig rumhängen konnten.

Nach Manaus

Als wir am übernächsten Tag in unsere Kabine einzogen, machte sie plötzlich einen viel besseren Eindruck: Sie war aufgeräumt und ordentlich gereinigt worden und die traurige Matratze hatte einen Überzug erhalten. Wir hatten das Schiff und Kabine von unserer raschen Inspektion her in schlechter Erinnerung behalten und hatten uns auf das Schlimmste gefasst gemacht – so konnten wir ja nur positiv überrascht werden!
Der Stolz unseres Boots war die Bar, die sich auf dem obersten Deck befand. Hier dröhnten den ganzen Tag laute Rhythmen aus den Boxen und das Dosenbier floss in Strömen. Natürlich genehmigten auch wir uns ab und zu einen kühlenden Schluck, doch waren wir – was den Alkoholgehalt im Blut anbelangt – immer etwas im Rückstand.
Da der Fluss jetzt während der Regenzeit gut Wasser führt, kamen wir rasch vorwärts. Die gemütliche Fahrt – es wehte uns immer ein kühles Lüftchen um die Nase – wurde ein paar Mal durch Hafenstopps unterbrochen, doch da Petrus gerade anderweitig beschäftigt war, mussten wir uns nicht wegen zu grosser Hitze an Land in ein Restaurant oder in unsere Kabine flüchteten, sondern konnten das Leben und Treiben gemütlich von Bord aus beobachten.
Das Essen wurde – wie es sich gehört – direkt in unserer Suite serviert, nur klappte dies beim ersten Mal nicht so ganz. Gegen Mittag erhielten wir schon mal das Dessert und zwei Getränke geliefert, anschliessend passierte 1½ Stunden lang gar nichts. Dann kam plötzlich der Hilfskoch vorbei, fuchtelte mit den Händen und erzählte etwas auf Portugiesisch, das Hubi wie immer mit einem freundlichen Sim, Sim. (ja, ja) beantwortete. Birgit wurde nun langsam wirklich hungrig und schickte Hubi eine weitere halbe Stunde später in die Küche. Auf seine scheue Nachfrage, wo denn das Essen bleibe, antwortete die Küchenchefin mit einem portugiesischen Wortschwall und Hubi entnahm diesem, dass sie sich entschuldigte. 10 Minuten später servierte sie uns das Essen persönlich. Aus dem folgenden Wortwechsel glauben wir entnommen zu haben, dass der Hilfskoch gemeldet hätte, wir würden aufs Mittagsessen verzichten. Es könnte also sein, dass Hubi die Mahlzeit abbestellt hatte. Soviel zu unseren Sprachkenntnissen. Das Essen selber war nicht gerade gut, aber bestimmt nahrhaft. Wir sahen unsere Diät auf jeden Fall nicht gefährdet.
Übrigens kamen unsere Körper während der 2 1/2 Tage kein einziges Mal mit Wasser in Form einer Dusche in Berührung. Das nicht etwa, weil wir wasserscheu sind, nein, sondern weil das bräunliche Flusswasser irgendwie sehr ungesund aussah. Ehe wir uns mir Ausschlägen herumkämpfen wollten, verzichteten wir heroisch auf das köstliche Nass und verfuhren wie die Franzosen. Zum Glück konnte man aber Wasser in kleinen Pet-Flaschen kaufen.
Abends wurde um 19 Uhr immer eine Seifenoper gezeigt, während dieser Zeit hatte immer ein Matrose die Aufgabe, sekündlich die Sattelitenantenne auszurichten. Die begeisterten Zuschauer schien dies in keiner Weise zu stören, für uns war dies ein Zeichen, früh zu Bett zu gehen und zu lesen.
Für unsere Unterhaltung am Tage trugen Emerson (9 Jahre) und Bruna (8 Jahre) Sorge. Die ersten Stunden unserer Bekanntschaft schauten sie uns immer tief in die Augen, aber nicht etwa, weil sie sich in uns verliebt hatten – nein, das kam später – sondern, weil sie von unseren blauen Augen fasziniert waren. Die Beiden versuchten auch unermüdlich unser Portugiesisch zu vertiefen, indem sie jeden gesprochenen Satz x-Mal repetierten, das war mit der Zeit etwas ermüdend, verstanden wir doch nur Bahnhof. Süss war, als uns Emerson davon abzuhalten versuchte, das servierte Essen zu essen. Dies mit der Begründung, dass es ungesund sei. Er selbst mampfte während seines Monologes an einem in der Bar gekauften Hamburger.

Manaus

In unserer romantischen Vorstellung haben wir uns diese Stadt mit ihren 2,1 Mio. Einwohnern viel kleiner und mehr von tropischem Regenwald umgeben vorgestellt. So à la: Die Natur im ewigen Kampf gegen die Zivilisation, immer wieder Wege zurück in die Stadt findend, hier eine Liane, die den Weg versperrt, da eine Pflanze, die den Asphalt durchdringt und ein Passieren unmöglich macht. So extrem ist das leider nicht mehr, durch Brandrodung wurde und wird immer noch Platz geschaffen, somit ist Manaus eine normale Grosstadt, mit viel Verkehr, Abgasen und Menschen. Wir konnten einige schöne Kolonialbauten fotografieren und besichtigten das berühmte Opernhaus, das 1896 während des Gummibooms fertig gestellt wurde.
Um wirklich in unberührte Gegenden vordringen zu können, muss man viel Zeit, Geld und einige Strapazen auf sich nehmen. Dies war uns bei der feuchten Hitze doch zuviel. Apropos Hitze, wir liefen triefend durch die Gegend, während wir Einheimische sahen, die in Rollkragenpullovern herum spazierten. Auf unser ungläubiges Staunen hin erklärte uns ein Hotelangestellter, dass es im Moment eher kühl sei und die Luftfeuchtigkeit gering, ausserhalb der Regenzeit wäre es dann wirklich heiss. Da laust uns doch der Affe.
Neben der Besichtigung der paar Sehenswürdigkeiten machten wir auch noch eine Ausflug auf dem Rio Negro, der zusammen mit dem Solimoes den grossen Amazonas bildet. Die Wasser der beiden Flüsse fliessen für mehrere Kilometer noch nebeneinander her und vermischen sich nur langsam. Grund dafür sind die Dichteunterschiede der Wasser, bedingt durch die unterschiedliche Temperatur und mitgeführten Schwebestoffe. Der Amazonas/Solimoes entspringt in den Anden Perus und ist kälter und braun wegen der vielen mitgeführten Erde. Der Rio Negro hingegen kommt aus Kolumbien, ist wärmer und sieht dunkel bis schwarz aus, wegen der verrotteten Blätter und Pflanzen. Auf der wieder einmal langen Bootsfahrt konnten wir kurz die rosafarbenen Flussdelfine beobachten, für Fotos waren sie aber zu schnell.

Im Pantanal 3. – 8.2.03

Nach 18 Stunden Busfahrt kamen wir in Cuiaba, der Hauptstadt des Staates Matto Grosso an. Von hier aus planten wir den Pantanal, ein 230’000 km² grosses Sumpfgebiet, zu erobern. Wir buchten gleich für den nächsten Tag eine 4tägige Tour, die 3 Nächte auf einer Fazenda, Vollpension und diverse Ausflüge mit dem Bus, Boot, zu Fuss und zu Pferde beinhaltete.[jwplayer mediaid=“3885″]
Mit mehreren Fläschchen Antibrumm Forte bewaffnet, wagten wir uns also in den Sumpf, denn wir waren vorab gewarnt worden, dass es während der Regenzeit ein paar Stechmücken haben soll. Wie wir dann feststellen mussten, sind diese Mücken sind nicht etwa gewerkschaftlich organisiert und stechen wie bei uns nur 1 Stunde vor und nach Sonnenuntergang, nein, hier wird rund um die Uhr Blut gezapft. Hinzu kommt, dass es nicht etwa wenige dieser kleinen Vampire hat, sondern dermassen viele, dass man auf dem Ausritt das eigene Pferd nicht mehr sieht. Antibrumm kam voll zum Einsatz und enttäuschte uns nicht!
Unser Flora-und-Fauna-Führer Alex konnte zwar nicht sonderlich gut englisch, dafür legte er trotz der Stechmückeninvasion den nötigen Enthusiasmus und Freude an den Tag und vermittelte uns einen Einblick ins Leben der Pflanzen und Tiere während der Regen- und Trockenzeit.

Ganz speziell war die Bootstour, die morgens um 5:30 startete und auf der wir das Erwachen der Natur beobachten konnten. Aber auch der 2stündige Ausritt wird uns in lebendiger Erinnerung bleiben, gallopierten wir doch mehrmals um die Wette und Birgits Prachtross zeigte den anderen was eine Harke ist. Man kann sich gut vorstellen, dass uns danach das Sitzen einmal mehr Mühe bereitete – aber das war uns der Spass wert! Birgits Geschwindigkeitsrekord als Jockey wurde nur von ihrer Meisterleistung beim Piranhafischen übertroffen, zog sie doch – ungewollt – die meisten dieser bissige Viecher an Land.
Wegen der derzeitigen Regenzeit steht ein Grossteil des Gebiets unter Wasser, doch dank Pferd blieben unsere Füsse relativ trocken. Nicht nur die Touristen bleiben in dieser Zeit aus (ausser Tarzan und Jane), auch viele Tiere ziehen sich in trockenere Gebiete zurück. Wir konnten zwar verschiedene Arten von Stechmücken kennen lernen, Termitenbauten aus der Nähe beäugen, Vögel während dem Putzen, Flirten und Jagen beobachten, Pfotenabdrücke von Jaguar und Ozelot unter die Lupe nehmen und lustige Kapuzineräffchen beim Spielen betrachten, doch der ultimative Kick, einer Anakonda beim Hypnotisieren eines Tapirs zusehen zu können, blieb leider aus.
Dies alles liest sich nun fast wie ein Ausflug nach Disneyworld, mit dem einzigen Unterschied, dass hier die Klimaanlagen ausgefallen sind. Bei fast 40° im Schatten, einer hohen Luftfeuchtigkeit, einer Lage Sonnencrème und mehreren Lagen Antibrumm schwitzten wir uns durch alle Ausflüge und sorgten bei berühmten Getränkeherstellern für Rekordumsätze.

 

 

Um Belo Horizonte 28.1. – 3.2.03

Nach einer 6-stündigen Busfahrt kamen wir in Belo Horizonte an. Die Stadt hat an und für sich nichts Besonderes zu bieten, ist aber eine praktische Ausgangsposition für den Besuch von Ouro Preto und einer der in der Umgebung liegenden Höhlen.
Ouro Preto hat eine äusserst schöne Altstadt mit restaurierten Bauten aus der Kolonialzeit, man fühlt sich fast wie im 18. Jahrhundert. Mit dem Bau wurde auf einem Hügel begonnen und wie es so ist, wuchs die Stadt weiter und deckt heute ein grosses hügeliges Gebiet ab. Damit die Religion nicht zu kurz kommt, steht auf jedem Hügel eine Kirche, es sind deren 15. Da jährlich unzählige Touristen nach Ouro Preto pilgern, hat es viele Restaurant, Schmuck-, Kleider- und Souvenirläden und sage und schreibe auch ein Internet-Cafe. Uns wird diese Stadt nicht nur als Schmuckstück der Kolonialarchitektur in Erinnerung bleiben, sondern auch, weil wir uns dort in einem kleinen Tante-Emma-Laden je einen wasserdichten Schirm gekauft haben. Denn ja, es regnet immer noch häufig.

Unter Kennern ist Brasilien auch für seine grossenzügigen Höhlensysteme bekannt. Wir besuchten die Gruta de Maquine, die ca. 130 km nördlich von Belo Horizonte liegt. Von der mehr als 20 km langen Höhle sind nur 2 km für Laien zugänglich, der Rest ist Höhlengespenstern und Profis vorenthalten. Einige der Kammern sind so gross, dass manchmal Konzerte und Hochzeiten darin abgehalten werden. Uns erstaunte, dass die Höhle nach den exzessiven Regengüssen der letzten Tage ohne Probleme begehbar war.

Brasilia

Um nach Brasilia, der Hauptstadt Brasiliens, zu gelangen, setzten wir uns wieder einmal eine Nacht lang in den Bus und waren 12 Stunden später vor Ort. Die Stadt, deren Bau 1957 begann, wurde in nur 1’000 Tagen buchstäblich aus dem Boden gestampft. Die architektonischen Meisterstücke und sehr grosszügige Verkehrsplanung sind einer Hauptstadt wirklich würdig. Nur der Fussgänger kommt einmal mehr zu kurz: Die Distanzen zwischen den Sehenswürdigkeiten sind extrem gross und für genügend Schatten wurde auch nicht gesorgt. Dies zwingt den Touristen gerade zu, eine Citytour zu buchen.
Da in der Stadt nicht mehr als 500’000 Einwohner leben dürfen (und dies nur in speziellen Wohnsektoren), bildeten sich etliche, deutlich weniger geordnete Satellitenstädte ausserhalb, wo die Menschen wie überall anderswo in Brasilien leben. Nach einer Stadtrundfahrt und einigen Spaziergängen hatten wir genug gesehen und freuten uns auf den folgenden Abstecher in die fast unberührte Natur des Pantanals und auf die Weiterreise entlang des Amazonas.

Rio de Janeiro 21. – 28.1.03

In Rio de Janeiro

In Rio hat es von allem zuviel, zu viele Menschen, Verkehr, Sehenswürdigkeiten, Strassen und Strände. Es ist oft zu heiss, zu feucht, die Armut ist zu gross und es gibt zu viele Einkaufsmöglichkeiten. Trotzdem wird man von dieser Metropole in den Bann gezogen. Spätestens wenn man auf einen der Aussichtpunkte, wie Zuckerhut oder Corcovado, steigt und Rio aus der Vogelperspektive betrachtet.

Kaum angekommen, konnten wir ein günstiges Hotel für die Karnevalszeit reservieren, die Eintritte für das Spektakel im Sambadromo sowie einen preiswerten Rückflug nach Bs.As. erwerben. Und dies deutlich günstiger als die Angebote der Reisebüros in Bs.As oder aus dem Internet. Jetzt kann der Karneval kommen!

Dass wir die Samba-Rhythmen im Blut haben, sehen uns die Cariocas, so nennen sich die Einwohner von Rio, schon von weitem an. Deshalb ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass wir sogleich mehrere Angebote zur Teilnahme am Karneval erhielten. Natürlich fühlten wir uns äusserst geschmeichelt, doch wir sind viel zu bescheiden, um den seit 12 Monaten Übenden die Schau zu stehlen.

Und natürlich besuchten wir auch die weltberühmten Strände Copacabana und Ipanema, doch leider spielte das Wetter da schon nicht mehr mit. Die ersten paar Tage unseres Aufenthaltes in Rio hatten wir das schönste Wetter, es war ziemlich heiss und schwül, dann setzte ein Tief unserer Entdeckungsreise ins Land der Bikinis und Strandschönheiten ein jähes Ende. Es regnete mindestens ein Mal pro Tag und die Temperaturen sanken um ein paar Grad. Aus diesen Gründen blieben die Strände leer und wir können keine Fotos von Miss Rio vorweisen. Doch uns bleibt ja noch eine zweite Chance, während des Karnevals muss es einfach schön sein.

Petropolis

Der zweite und letzte König von Brasilien, Peter der Zweite, hielt sich während seiner Regierungszeit (1840-1889). meistens in seiner Sommerresidenz in Petropolis auf. Die Lage der Stadt ist optimal: Sie liegt ca. 70 km von Rio entfernt etwas erhöht in den Bergen und das Klima ist das ganze Jahr über sehr angenehm. Die Fahrt dorthin kommt einem unendlich lange vor, da ein Teil der Strecke sehr kurvig ist und die Buschauffeure einander zu übertrumpfen suchen, wer die Strecke in kürzester Zeit bewältigen kann. Wir konnten unser Frühstück nur mit Müh und Not bei uns behalten. Nachdem sich unsere Mägen wieder etwas beruhigt hatten, besichtigten wir die königliche Residenz, die im Vergleich zu Versaille äusserst bescheiden ausfällt. Bestimmt aber sind die Parkettböden die am besten polierten, denn jeder Besucher muss sich eine Art Pantoffel über die Strassenschuhe stülpen und damit im Museum herumschlurfen. Es ist augefällig, dass Dom Pedro nicht viel von Vergnügungssucht hielt, denn es befinden sich mehr Büros als Ballsääle im Schloss. Während seiner Regierungszeit verbesserte er u.a. das Bildungssystem, das Landwirtschaftswesen und unterstützte Immigration aus Europa. Von den vielen geschichtlichen Daten, die wir während der elektronischen Führung vermittelt bekommen haben, ist uns das Jahr 1888 in Erinnerung geblieben. In diesem Jahr nämlich wurde von Prinzessin Isabella, der älteren der beiden Töchter Peter II, die als temporäre Regentin die Regierungsgeschäfte in Händen hielt, die Sklaverei abgeschafft. Dies kostete Dom Pedro letztendlich die Krone. Nachdem 1889 die Republik ausgerufen worden war, schiffte die königliche Familie nach Europa ein. 2 Jahre später starb der letzte König von Brasilien in einer Absteige in Paris.

Nach Rio de Janeiro 17. – 21.1.03

Florianopolis, Blumenau

Nach 16 Stunden Fahrt standen wir gerädert am Busbahnhof und erkundigten uns bei der Touristeninformation nach erschwinglichen Hotelzimmern. Gleich in der Nähe wurden wir fündig und nach einer erfrischenden Dusche waren wir bereit für die Stadtbesichtigung. Dieser Ort ist eher bekannt für seine Strände, die Stadt selber konnte uns nicht lange fesseln.

Die im Jahre 1897 von Dr. Bruno Otto Blumenau gegründete gleichnamige Stadt liegt 120 km nördlich. Schöne Fachwerkbauten verleihen diesem florierenden Ort einen gewissen Charme, uns hatte es vor allem der Biergarten angetan.

Curitiba

Mit einem gewaltigen Regenguss wurden wir nach 14 Stunden Busfahrt willkommen geheissen. Auch hier gingen wir als erstes zur Touristeninformation, man beachte, dass es diese in jedem Busbahnhof gibt. Als Brasilianisch sprechender Tourist erhält man sicher auch kompetent Auskunft, uns hingegen wird oft einfach eine Liste mit Hotelnamen in die Hand gedrückt. Man stelle sich also vor: Zwei übermüdete und bereits früh am Morgen unter der Hitze leidenden Gringos stehen wild gestikulierend vor dem Schalter und versuchen in fliessendem Brasilenglspanisch zusätzliche Infos (Preis, Lage) zu den Hotels vom zuständigen, aber uninteressierten Beamten zu bekommen. Ab und zu schaffen wir das Unmögliche und man drückt uns einen Stadtplan in die Finger oder der Beamte greift höchstpersönlich zum Telefonhörer und klärt Preis und Verfügbarkeit ab.
Unser erster Eindruck von dieser 1,5 Mio. Stadt bestätigt, was auch in allen Reiseführern steht: Curitiba ist eine der saubersten Städte Lateinamerikas, mit schöner Kolonialarchitektur und einer grosszügigen Fussgängerzone.

Die bisher gesehene Landschaft gefällt uns sehr. Schon lange verschwunden ist die braune, dürre, argentinische Pampa, angesagt ist saftiges Grün, rote Erde und eine hügelige Gegend. Oft fahren wir stundenlang durch Agrargebiete oder dschungelartige Wälder. Wir kommen uns fast vor wie in Costa Rica, nur die vielfältige Tierwelt fehlt.

Etwas zur Sprache

Wir sind nun seit 2 Wochen im Land und haben uns schon etwas an die nasale Aussprache der Brasilianer gewöhnt. Wenn man diese Sprache geschrieben sieht, kann der Spanisch sprechende Tourist sehr schnell in die Falle tappen und annehmen, dass das Brasilianische mit etwas Fantasie dem Spanischen sehr ähnlich ist. Doch das stimmt nur, wenn man das Geschriebene nicht ausgesprochen hört. Je nach Redner verstehen wir viel, mittel oder auch gar nichts, es hängt sehr stark davon ab, ob wir wissen, von was die Rede ist und ob sich der Redner Mühe gibt, verstanden zu werden.
Mit der Aussprache hapert es bei uns noch etwas, obwohl wir jeden Tag üben und uns von den Einheimischen z.B. die Zimmernummern mehrmals vorsagen lassen. Merken konnten wir uns auf jeden Fall schon, dass ein te am Schluss eines Wortes als tsch oder je nachdem auch als tschi ausgesprochen wird. Lässt man noch ein paar s weg und fügt ein paar i ein, dann noch ein tsch am Schluss und man ist bei den Leuten.
Hubi hat – seitdem wir in Lateinamerika sind – seine eigene Methode der Beantwortung von Fragen entwickelt: Er beantwortet einfach alles, was er nicht versteht, konsequent mit einem herzlichen Si = Ja. Falls das dem Fragesteller spanisch, äh, komisch vorkommt, dann fragt dieser nochmals nach, falls nicht, kann es ja nicht wichtig gewesen sein, laut Hubi. Man kann sich gut vorstellen, dass es so schon zu ganz lustigen Situationen gekommen ist. Birgit wiederum hat keine Hemmungen, den Fragesteller mehrere Male das Selbe wiederholen zu lassen, so lange halt, bis sie versteht, um was es nun eigentlich geht. Ist dies das selbe Syndrom wie „Nach dem Weg fragen“?

Iguazu 13. – 17.1.03

Unsere Reise nach Brasilien begannen wir mit einer organisierten Tour von Bs.As. aus. Das Paket beinhaltete die Hin- und Rückfahrt per Bus, Reiseführer, 7 Tage/4 Nächte im Hotel mit Halbpension, Besichtung der Iguazufälle brasilianische und argentinische Seite, Besuch der ehemaligen Jesuitensiedlung San Ignacio, einer Edelsteinmine und des Wasserkraftwerks Itaipu. Dies alles zum unschlagbaren Preis von CHF 120.- p.P.

Wir fuhren entlang der uruguayanischen Grenze nach Iguazu. Während der langen Busfahrt (inkl. Pausen und Besichtigungen 26h) wurde der Filme „Die Mission“ gezeigt, was uns optimal auf den Besuch der Ruinen der einstigen Jesuitensiedlung San Ignacio im Bezirk Missiones einstimmte
Neue Lebensenergie und das Versprechen ewiger Jugend erhielten wir in der Edelsteinmine Wanda durch das Berühren von verschiedenen Kristallen. Der Minenführer versuchte vergeblich jeden Passagier zum Kauf mehrer Kilos Kristall zu verführen. Originalzitat: „1 kg Rosenquarz (es darf auch etwas mehr sein) auf dem Schreibtisch schütz vor negativer Computerstrahlung“.

Am nächsten Tag wurden wir vom Hotel abgeholt um das Wasserkraftwerk und die brasilianischen Fälle zu besuchen. Um die Fahrzeit zu verkürzen wurde „Wer hat das mieseste Hotelzimmer?“ gespielt. Gewonnen haben 3 Mädchen, die das Zimmer mit Küchenschaben teilen, zuerst noch Haare des Vormieters vom Kopfkissen pflücken mussten, weder Ventilator noch Klimaanlage funktionierte und zu allem Übel noch die Toilette verstopft war. Nach langen Telefongesprächen nach Bs.As. und einer unruhigen Nacht konnten die Drei am nächsten Tag für einen minimalen Aufpreis in ein besseres Hotel umziehen. Diese Behandlung von Kundenreklamationen hat uns ziemlich erstaunt, aber sehr amüsiert.
Da wir nicht viel erwartet hatten, waren wir mit unserem Zimmer recht zufrieden, obwohl der Fernseher nur 3 brasilianische Sender hatte, die Klimaanlage nur auf dem Minimum lief und immer wenn Bibi in der Dusche war, es gerade kein warmes mehr Wasser hatte. Dies wurde in den letzten zwei Tagen immer schlimmer, bis das Wasser jede Stunde einmal ausfiel. Als wir unsere Reisegruppe verabschiedet hatten und am Pool auf unseren Linienbus nach Florianopolis warteten, wurde uns sogar dieses Vergnügen genommen, weil die Putzfrauen hier regelmässig ihre Putzkessel mit Wasser auffüllten.

Wasserkraftwerk Itaipu

Das Wasserkraftwerk Itaipu wurde gemeinsam von Brasilien und Paraguay in 9 Jahren harter Arbeit errichtet und 1984 in Betrieb genommen. Hier ein paar Zahlen dieser Mammutleistung: Der Hauptdamm ist 8 km lang, 18 Turbinen erzeugen 12,6 Millionen kW und produzieren 75 Milliarden kWh pro Jahr. Man ist aber bereits daran, 2 zusätzliche Turbinen zu installieren, um auf 14 Millionen kW aufzustocken.
Der Fluss Parana wurde an dieser Stelle zu einem See von 1’400 km2 gestaut und Ferienressorts wurden an seinen Ufern gebaut. Um dieses Projekt zu verwirklichen ging viel Wald verloren, dadurch wurde vielen Tierarten der Lebensraum genommen und einige Guaranidörfer mussten umgesiedelt werden. Trotzdem zählt der Damm zu den technischen Wundern dieser Welt. Böse Zungen behaupten, das Wasserkraftwerk werde die entstandenen Kosten niemals decken können, dies wird die Zukunft zeigen.

Die Wasserfälle

Dann endlich führte uns Fernando, unser Reiseführer, in den Nationalpark Iguazu zu den Fällen auf der brasilianischen Seite. Uns erwartete eine spektakuläre Aussicht auf die wohl schönsten Fälle der Welt. Auch hier können wir Zahlen liefern: Auf einer Front von 2,5 km befinden sich 275 Wasserfälle über die wiederum 2 Millionen Liter Wasser pro Sekunde fallen. Die Hauptfälle sind 20 Meter höher und 1,5 Mal so breit wie die Niagarafälle. Die Viktoriafälle in Zimbabwe sollen höher sein, da fehlt uns aber das Zahlenmaterial.

Was unterscheidet die brasilianische Seite von der argentinischen? Schnell ist die Antwort gefunden: Von Brasilien aus hat man eine bessere Sicht, in Argentinien befindet sich aber die Action. Auf beiden Seiten ist die Umgebung Regenwald, der immer noch Jaguare, andere Kleinkatzen, viele Affen und Nagetiere beheimatet. Zu sehen bekamen wir Millionen von Schmetterlingen, ein paar in den Bäumen herumspielende Affen und zu unserer Freude eine Familie Pizotes (siehe Costa Rica). Wunderschönes Wetter und keine Stechmücken versüssten diesen einmaligen Tag.
Am nächsten Morgen erwartet uns Fernando bereits um 7:20 h an der Rezeption und ab ging es nach Argentinien, wo wir den ganzen Tag bei den Fällen verbringen sollten. Auch an diesem Tag war uns Petrus wohl gesonnen, kein Regen in Sicht, dafür Wolken, die die Hitze von 38° ertragbar machten und nur wenig Luftfeuchtigkeit. Allerdings befinden sich mehr Moskitos auf dieser Seite…
Während des ganzen Tages waren die Fälle in Hör- und Sehweite, mehr als einmal konnten wir uns in der Gischt der Fälle abkühlen, uns an der mannigfaltigen Botanik erlaben und Fotos für andere Touristen schiessen. Ein Höhepunkt war die rasante Fahrt in einem Motorboot über Stromschnellen den Fluss hinauf, mit anschliessender Dusche unter einem der Fälle!