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12. - 14.10.2001 (20'200 km)
Salt Lake City
Schon am Morgen früh machten wir uns auf die Socken und landeten in der
Nähe des Allerheiligsten der Mormonen, dem Tempel of Jesus Christ of the
Latter Days Saints (sonst gibt es hier nicht viel zu sehen). Hübsche,
junge, gut angezogene Leute lächelten uns im Vorbeigehen freundlich an und
erkundigten sich nach unserem Befinden oder ob wir gerne eine Tour durch
die Anlage möchten.
Wir liessen uns schlussendlich von einer älteren Dame führen. Sie zeigte
uns das Gebäude und erzählte von den Wundern, die beim Bau geschahen.
Natürlich kamen auch Hinweise auf ihre Kirche nicht zu kurz.
Die Mormonen und ihre Kirche kamen uns irgendwie unwirklich und etwas
märchenhaft vor. Es geschehen hier noch täglich Wunder, der Zusammenhalt
unter den Gläubigen und im Besonderen innerhalb der Familie wird stark
gepflegt, geheiratet wird nicht "bis das der Tod euch scheidet" sondern
"für alle Ewigkeit". Zu den Tugenden eines guten Mormonen gehören Fleiss,
Pflichtbewusstsein und kollektives Denken und Handeln.
Dass sie nicht vergnügungssüchtig sind, beweisst die Tatsache, dass es in
der Innenstadt keine Fussgängerzone und keine Strassencafés gibt, dafür
trifft sich jung und alt in den beiden Shopping Malls. Interessant fanden
wir auch, dass Gott noch heute einen Propheten (seit jeher ein Mann) als
Sprachrohr benutzt und bei dessen Wahl (aus den 12 Aposteln) es, laut der
nicht unbefangenen Quelle, ohne die in der katholischen Kirche üblichen
Ränkespiele zugeht. Geteilter Meinung waren wir über die offiziell nicht
mehr gelebte Polygamie und das etwas traditionelle Frauenbild mit dem
Weibchen hinter dem Herd. Wir vertragen uns aber wieder...
Am Abend stellten wir uns dann ganz spontan in die Warteschlange für ein
Konzert der Utah-All-State-Band, des Utah-All-State-Orchesters und des
Utah-All-State-Chores. Im Chor waren über 700 Sänger, das Orchester
bestand aus 112 Musikanten, die Band aus 100 - wir genossen die kulturelle
Darbietung sehr.
Was eine Kupfermine und $125.- gemein haben
Auf einer kleinen Rundfahrt besichtigten wir den grossen Salzsee
(überhaupt nicht spektakulär) und anschliessend eine Kupfermine (laut
Prospekt die weltgrösste Tagbau-Kupfermine der Welt). Doch wie es Minen so
an sich haben, befindet sich auch diese in den Bergen. Und um sie von oben
betrachten zu können, mussten wir eine steile und staubige Rüttelpiste
(fast nur im ersten Gang zu bewältigen) hinauffahren. Bravourös meisterte
Mosquito diese Herausforderung und erreichte das Top, ohne zu kochen oder
auf dem Eis zu rutschen.
Nun, was oben ist, muss auch wieder runter und so machten wir uns,
begeistert von der wunderbaren Aussicht, auf den Rückweg. Auf der
vereisten Strasse fuhren wir extra langsam, doch die liebe Schwerkraft...
So musste Hubi halt mal ganz sanft bremsen und - wie zu erwarten - wollte
uns das Heck überholen. Bibi, die schon mal der weiblichen Intuition
folgend ihre Tasche an sich gerissen hatte, rettet sich mit einer
Hechtrolle aus dem Auto in den Strassengraben. Hubi gibt natürlich sofort
Gegensteuer, nun ja, vielleicht etwas zu sehr und lässt wohl auch die
Bremse nicht mehr los, auf jeden Fall stoppt das Auto, quer auf der
Strasse, kurz vor dem Abhang. Uff, geschafft!
Denkste! Dummerweise ist gerade hier ein Teil der Strasse abgebrochen und
talwärts gerutscht. Böses ahnend springt Hubi aus dem Wagen - da helfen
nur noch Ketten! Aber noch bevor wir einen Keil unter die Räder legen
können, rutscht das Ding auf dem Eis und schiebt den rechten Vorderreifen
über die Strasse hinaus ins Leere. Tapfer klammert sich Bibi an die Türe
und versucht den Wagen zu bremsen. Schockiert sieht Hubi vor seinem
geistigen Auge das geliebte Weib und den treuen Mosquito in den Abgrund
stürzen.
Doch glücklicherweise kippt der Wagen und die rechte Vorderachse trifft
auf den Boden und bremst bis zum Stillstand. Jetzt ist's geschehen, da
helfen auch keine Ketten mehr.
Währenddessen hatten sich unterhalb bereits ein paar Autos angesammelt und
es stellte sich heraus, dass wir mit Mosquito die Zufahrtsstrasse zu einem
beliebten Ausflugsort blockierten. Sofort kam die amerikanische
Hilfsbereitschaft zum Einsatz und nach einer kurzen Situationsanalyse war
klar, dass nur ein Abschleppwagen weiterhelfen kann. Eine nette Familie
nahm Hubi mit in die nächste Stadt, wo sie ihm bei der Suche nach einem
Abschleppwagen behilflich war - das an einem Sonntag.
Ein Mormonen-Clan kümmerte sich in der Zwischenzeit rührend um die
zurückgelassene Birgit und mit vereinten Kräften wurde Mosquito mit einer
Kette an einen nahe stehenden Baum gekettet. Damit wurde sichergestellt,
dass sich der Abschleppwagen nicht vergebens herauf bemühte. Diese Aktion
nahm eine gute Stunde in Anspruch und wurde immer wieder von neuen Helfern
unterbrochen, die mit guten Tipps aufwarteten. Eiszapfen hatten sich
bereits an den laufenden Nasen gebildet, als Hubi endlich mit dem
Hilfstrupp nahte. Relativ schnell gelang es den Helfern, unseren Camper
wieder auf die Strasse zu ziehen. Nach einer kurzen Kontrolle (alles
intakt) wurden die Schneeketten für das verbleibende Eisfeld montiert und
die Gefahrenzone verlassen. Wir verabschiedeten uns herzlich von
unseren Helfern und auch von $125.- Abschleppkosten. Leicht benommen doch
ohne eine Schramme setzten wir unsere Reise zu neuen Abenteuern fort.
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