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29. - 30.04.2002 (36'100 km)
Erlebnisse am Zoll El Salvador - Honduras
Die Zölle in Mittelamerika wurden sehr
wahrscheinlich alle vom selben Architekten und Raumplaner aufgestellt. Es
ist nicht etwa so, dass die zu besuchenden Schalter in logischer
Reihenfolge angeordnet sind, auch allfällige Schilder oder Hinweistafeln
sind meist noch aus der Zeit vor dem letzten Grenzkonflikt. Die
Richtungsangaben der Schalterbeamten helfen einem nicht immer viel weiter,
besonders da sie sich über den genauen Ablauf meist selber nicht ganz im
Klaren sind. So kam es zu diesem kurzweiligen Zollnachmittag:
Aus Erfahrung wissen wir, dass man meistens zuerst als Person ausreisen
und im neuen Land einreisen muss, bevor das Auto an die Reihe kommt. Also
gingen wir erst zum El Salvadorianischen Ausreiseschalter und erhielten
problemlos den Ausreisestempel in den Pass, gratis. Auf die Frage, wie wir
wegen dem Auto vorgehen müssten, drückte man uns ein Formular für die
Fahrzeugeinfuhr in die Hand. Korrekt wie wir nun einmal sind, füllten wir
es gleich aus und der nette Schalterbeamte schickte uns damit aus dem
Gebäude hinaus, in Richtung Honduras. Die Zollzone ist mit Schranken gegen
aussen gesperrt, so fragten wir, bereits etwas verwirrt, den älteren
Polizisten an der Schranke, was denn nun zu tun sei. Er sah sich das
Formular für die Fahrzeugeinfuhr kurz an und schickte uns wieder zurück in
die Zollzone zur Policia Nacional Civil, kurz PNC, diese befindet sich in
einem Gebäude gleich neben der Zollanlage, einem weiteren Fussmarsch in
der brütenden Hitze waren wir entgangen. Wir legten einem Polizisten
unsere Fahrzeugbewilligung und das ausgefüllte Formular für die
Fahrzeugeinfuhr vor und erhielten beide innert Sekunden abgestempelt. Es
stellt sich heraus, dass wir das Formular für die Fahrzeugeinfuhr erst
ganz am Schluss wieder bei der Einreise nach Honduras brauchten, eben für
den Polizisten an der Schranke. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir ganz gut
in der Zeit, aber das sollte sich ganz schnell ändern.
Nun machten wir uns auf die Suche nach dem Zollschalter von El Salvador,
aha, dieser befand sich auf der Rückseite des Gebäudes. Bei Schalter mit
der Nummer 1 gaben wir die Fahrzeugerlaubnis mit 3 Kopien, den
Fahrzeugausweis und Hubis Pass ab (und weil der Herr Kopiermeister gerade
beim Mittagessen war, durften wir eine geschlagene Stunde warten!). Nach
einiger Zeit und noch mehr Stempeln, wurden wir zum Schalter 8 geschickt.
Dieser Herr fühlte sich aber nicht zuständig und schickte uns einen
Schalter weiter, zur Nummer 7. Dieser wiederum fragte den Beamten vom
Schalter 6, wer den nun für uns zuständig sei, wurden sich nach kurzer
Diskussion einig schickten uns zurück zum Schalter 8, wo mittlerweile eine
Frau Platz genommen hatte. Diese gähnte erst mal ausgiebig und schickte
uns dann wieder zum Schalter 1, allerdings begleitete sie uns und
schimpfte anschliessend kurzerhand den dortigen Schalterbeamten aus.
Dieser gab uns dann 2 der Fahrzeugerlaubnis-Kopien zurück, nun versehen
mit vielen Stempeln und Unterschriften, für unsere persönliche Ablage
bestimmt - wir sind sehr stolz darauf, müssen sie aber bereits irgendwo
verlegt haben!
Dass wir mittlerweile total die Übersicht verloren hatten und uns ziemlich
veräppelt vorkamen, kann man uns sicher nachfühlen. Danach wurden wir in
die heiligen Hallen des Zolls gebeten und der Herr Oberzollinspektor
erklärte uns: Um unnötige Rennerei zu sparen und keine Zeit zu
verschwenden, sollten wir uns doch erst noch "schnell" den Einreisestempel
von Honduras holen. Nichts leichter als das, dachten wir, uns machten uns
auf, den richtigen Schalter zu suchen. Nach mehrmaligem Fragen laufen wir
wieder in der inzwischen unerträglichen Hitze Richtung Honduras,
ignorieren den älteren Polizisten bei der Schranke und finden etwas weiter
vorne ein kleines verstecktes Häuschen - dort erhielten wir den
Einreisestempel für Honduras in den Pass, Kostenpunkt je 2 US$.
Schweissüberströmt und kurz vor dem Hitzetod kehrten wir erwartungsvoll
zum Herrn Oberzollinspektor zurück, doch dieser schickte und nun zu einer
Frau Formularassistentin auf der anderen Büroseite. Frau
Formularassistentin rannte dann wieder zum Herrn Oberzollinspektor, damit
er ihr ein Formular aushändigte, wir fühlten uns wie an einem Tennismatch.
Anschliessend verschwanden die Zwei für eine Viertelstunde, nicht aber
ohne uns vorher noch eine Sitzgelegenheit anzubieten. Wieder zurück wird
ein anderer Herr mit der Zusammenstellung der Formulardaten beauftragt.
Dieser und sechs weitere engagierte Männer, die sonst gerade nichts zu tun
haben, machten sich auf den Weg zum Camper. Auf dem folgenden Foto sieht
man sie bei der Suche nach der Motorennummer. Man beachte den verzweifelt
aussehenden Herrn rechts sitzend.

Während der verzweifelten Suche nach den
verschiedenen Nummern (man findet diese eigentlich auch im
Fahrzeugausweis), fragte uns der Stellvertreter des Oberzolldirektors
nicht gerade sehr diskret nach unserem Partnerschaftsverhältnis aus. Als
wir die Frage nach der Anzahl unseres Nachwuchs mit Null beantworteten,
fragte er Hubi verblüfft, was denn sein Problem sei. Spitzbübisch grinsend
erwiderte Hubi, dass wir am Herumreisen wären und keine Zeit für Ninos
hätten. Dies beeindruckte den Herrn mit dem grossen Schnurrbart nicht
sehr, nein, im Gegenteil, mit einem anzüglichen Augenzwinkern meinte er,
dass ja gerade diese Zeit die beste sei - zum Üben, wohlgemerkt...
Etwas später wurde eine andere Dame, die von Schalter Nr. 8, mit dem
Ausfüllen des Formulars beauftragt. Frau Formularassistentin machte einen
weiteren Stempel in Hubis Pass und rief per Funk nach dem Besitzer des
zweiten Stempels. Vergnügt warten wir eine Viertelstunde, bis auf einmal
der Herrn Oberzollinspektor vorbeischaute und uns mit einem verwunderten
Blick fragte, was denn jetzt noch fehle. "Ach, der Stempel", plötzlich
waren der gesuchte Mann und sein Stempel gefunden. Eine Unterschrift hier,
eine andere da und nochmals ein Stempel. Fast fertig, nun brauchten wir
nur noch Kopien, 2x Pass Fotoseite, 2x Pass Seite mit den Einreisestempeln
und den Stempeln, auf die wir so lange gewartet hatten, plus 2xl
Fahrzeugausweis. Einige dieser Kopien gehören ja zu unserem SGÜS (Standard
GrenzÜberquerungs-Set), aber eben, die Stempel kann man ja erst kopieren,
wenn man sie hat. Die Kopierstube ist diesmal offen, aber leer. Hilfe
suchend schauten wir in die Gegend und siehe da, der Kopiermeister machte
nur gerade ein Nickerchen im Schatten - das Essen lag ihm wohl etwas
schwer im Magen. Frisch aufgeweckt erhielten wir dann die benötigten
Kopien.
Damit wurden wir zum hondurianischen Zollschalter geschickt. Dort mussten
wir etwa 15 CHF für die Dienstleistung (?) bezahlen. Die armen Leute hier
mussten nochmals das ganze Formular in ihren Computer eintippen.
Anschliessend mussten wir zur Bank, um das Formular und andere
Dienstleistungen zu bezahlen. Während wir friedlich in der Schlange
standen und die Klimaanlage genossen, kam ganz entnervt die Frau vom
Schalter 8 angerannt, weil nämlich zur Bezahlung noch ein Formular fehlte.
5 Minuten später war sie wieder mit dem Formular zurück und wir kamen
endlich an die Reihe. Mit Leidesmine wies uns der Kassierer daraufhin,
dass er von dem Zahlformular eine Kopie brauche, die Frau vom Schalter 8
hatte dies vergessen. Während Birgit nicht mehr an sich halten konnte und
in einen unkontrollierten Lachanfall ausbrach, machte sich Hubi auf den
Weg zum Kopierbüro. Dass dieses diesmal wohl wegen Nachtessen geschlossen
war, überraschte ihn nicht sonderlich. Freundlich wies er den Kassierer
darauf hin, dass er halt etwas länger auf die Kopie warten müsse. Und oh,
siehe da, es ging doch auch ohne Kopie! So bezahlten wir 60 CHF für das
neue Formular, Dienstleistung und Taxen.
Und schon waren wir fertig, das Ganze hatte
nur 4 Stunden gedauert. Zum Glück waren wir schon kurz nach 13:00 Uhr am
Zoll eingetroffen, sonst hätten wir wohl noch dort übernachten müssen.
Laut einem anderen Grenzgänger hätten wir Glück gehabt, weil dieser sich
schon seit drei Tagen mit den Zollbehörden herumschlug.
Vollkommen erschöpft und mit den Nerven ziemlich am Ende, entschlossen wir
uns, gleich Im nächsten Dorf zu übernachten. Einen sicheren Schlafplatz
fanden wir vor der Polizeikaserne und gingen dann erst mal in Ruhe was
Essen und fielen später dann in einen komaähnlichen Schlaf.
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So als Spass am Rande, wir haben in den
heiligen Hallen des Zolls noch deren Leitbild hängen gesehen: |
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Dieses lautet in etwa:
VISION:
Standardisiert arbeiten mit Qualität und Produktivität, wie die 3
besten Zölle der Welt
MISION
Wir übertreffen die Anforderungen des Wettbewerbs, der
Modernisierung, der Globalisierung des internationalen Handels
durch das Leisten von standardisierten und effizienten
Dienstleistungen, durch das Benutzen einer angemessenen Technologie
und durch das Reduzieren der nötigen Eingaben. Qualität soll
sichergestellt und Eingaben des Staates optimieren werden, um die
Anforderungen des Zolls und des Aussenhandel zu erfüllen und
erfüllen zu lassen.
Kommt Dir das bekannt vor? Ist doch erstaunlich wie stark sich
Fremd- und Eigenbild unterscheiden können. |
Hubi und das kleine Loch im Pneu
Es musste ja einmal passieren, das war uns
klar, doch rechneten wir nicht gerade an einem dermassen heissen Tag
damit. Es geschah folgendermassen: Wir fuhren gerade gemütlich eine
kurvige Bergstrecke und wussten uns schon ein paar Kilometer vor dem Ziel,
als uns ein Lastwagen überholte und der Beifahrer komische Zeichen machte.
Da dies das normale Prozedere beim Überholen ist, machten wir uns nicht
viele Gedanken. Doch schon kurze Zeit später liessen uns ungewöhnliche
Geräusche rechts ran fahren.
Hubis Gesicht beim Anblick des stinkenden und total platten Pneus war
Filmreif! Ihm fiel nicht nur die Kinnlade runter, sondern es bildeten sich
auch bereits die ersten Schweisstropfen auf seiner Stirn, allein beim
Gedanken an die kommende Arbeit.
Während Hubi das nötige Werkzeug aus dem "Kofferraum" holte, schickte er
Birgit los, die fehlende Radkappe zu suchen, dann beauftragte er sie, das
Pannendreieck populär zu platzieren. Schon Minuten später hielt ein
Fahrzeug des hondurianischen Roten Kreuzes und fragte nach, ob bei uns
alles in Ordnung sei und von welchem Roten Kreuz wir denn seien. Ungläubig
sahen sie uns an, als wir darauf bestanden, Schweizer zu sein.
Nach dieser kurzen Unterbrechung gingen wir wieder an die Arbeit. Birgit
versuchte, Hubi so gut es ging zu unterstützen, trotzdem lief diesem
innert kurzer Zeit der Schweiss in Strömen runter und er versuchte gar
nicht mehr, die Kraftausdrücke zu unterdrücken. Es war aber auch eine
verflixte Arbeit. Unser Wagenheber, wir hatten aus Platzgründen die
kleinere Ausgabe gekauft, verursachte die ersten Probleme, doch Hubi löste
diese mit Unterschieben von Holzstücken. Das Lösen der Radmuttern war
wiederum eine schweisstreibende Arbeit und das in der grössten
Mittagshitze. Als der Reifen mit Ächzen und Würgen endlich abmontiert war,
musste Hubi unter den Wagen kriechen, um das dort versteckt angebrachte
Ersatzrad hervorzuholen. Birgit zog das Rad mit Einsatz ihrer ganzen
Körperkraft unter dem Wagen hervor, inspizierte den Reifen, erspähte mit
Adleraugen den eingefahrenen Nagel und sah schlussendlich selbst wie ein
kleiner Mechaniker aus.
Es stellte sich dann heraus, dass Hubi unseren Mosquito zwar genügend
angehoben hatte, um das kaputte Rad zu lösen, es aber wegen ein paar
lächerlichen Zentimetern nicht reichte, das Ersatzrad zu montieren. Darauf
benötigte er erst mal einen grossen Schluck Wasser. Wieder wurde der
Camper runtergelassen (natürlich genügend stabilisiert), ein grosser,
flacher Stein unter die Hölzer und den Wagenheben geschoben und das Ganze
ging von Neuem los. Das Ersatzrad war dann schnell montiert, der
Wagenheber gelöst, das Werkzeug weggeräumt. Was nun mit dem kaputten Rad?
Nachdem Hubi festgestellt hatte, dass die Stange, die den Ersatzreifen an
Ort und Stelle hält, ohne Ersatzreifen nicht wieder zu fixieren war, war
die Sache klar. Hubi kroch wieder unter den Wagen und Birgit versuchte,
das Rad unter das Auto zu schieben. Ein in der Nähe sitzender Junge zeigte
Erbarmen und mit vereinten Kräften schoben sie das Rad in Hubis
Reichweite. Eine letzte Kraftanstrengung und der kaputte Reifen war
angebracht - und der arme Hubi war fix und fertig!
Schnell holte Birgit das Pannendreieck und nach einem "Gracias" fuhren wir
dem auf den Bus wartenden Jungen davon. Wir hätten ihn natürlich
mitgenommen, aber er wollte in die andere Richtung.
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