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7. - 16.03.2002 (34'100 km)
Unser Leben bei der Familie Calderon
Wie bereits erwähnt, haben wir ein süssen Zimmer mit Balkon und Sicht
auf die Vulkane Fuego und Acatenango. Der Fuego ist immer noch aktiv und
nur ein paar Tage vor unserer Ankunft hat er gespuckt. Seitdem warten wir
auf ein ähnliches Spektakel. "Mama Irma" verköstigt uns 6 Tage die Woche
mit 3 Mahlzeiten pro Tag (Sonntag ist frei). Nein, wir erhalten nicht
immer nur Bohnen, wie in anderen Familien der Fall, sondern eine recht
ausgewogene Ernährung. D.h. oft gibt es zum Znacht das gleiche Essen wie
mittags, doch das stört uns nicht gross, es gibt ja eine riesige Palette
an Restaurants
Unsere Familie besteht aus Mama Irma und Papa Manuel (z.Z. in New York),
den Kindern Flor (17), Renato (23) und Silvana (21). Letztere lebt mit
ihrem Mann - Irma ist gar nicht glücklich über die Wahl ihrer Tochter -
und dem 6 Monate alten Sohn Martin in der Wohnung nebenan. Wie jeder
durchschnittlichen Familie des Mittelstandes gehört ihnen das Haus, das
sie selbst gebaut haben, und in dem sie 2 Wohnungen vermieten. Doch was
das Geld anbelangt, so ist dieses meist knapp. Das ist auch der Grund,
weswegen so viele Familien in Antigua ihre Türe den Touristen öffnen.
Reich werden sie damit zwar nicht, doch reicht es immerhin, Schulgebühren
oder die extrem hohen Stromrechnungen zu bezahlen.
Apropos Strom: Was die Guatemalteken da treiben, lässt uns Schauer über
den Rücken laufen. Da Gasinstallationen im Bad anscheinend zu teuer sind,
wird das heisse Wasser in der Dusche mit elektrischen Durchlauferhitzern
aufgeheizt. Auch unsere Dusche ist eine kleine Todesfalle, denn obwohl der
Wasserhahn mit einem Plastiksäckchen umwickelt ist, verspüren wir oftmals
kleinere Stromstösse. Wir fragen uns: Ist dies die guatemaltekische Lösung
zur Bevölkerungsexplosion? Ein Bild
dazu?
Ein weiteres Merkmal, das aber nicht nur den Guatemalteken eigen ist, ist
ihr Hörverständnis. Musik ist hier nicht Privatsache, sondern soll dem
Kollektiv zu Gute kommen. Dies ist eine bewundernswert soziale
Einstellung, doch werden dem europäischen Ohr zu viele Dezibel zugemutet.
Ein Beispiel: Kaum ist Mama Irma aus dem Haus, wird der Lautstärkenpegel
dermassen in die Höhe geschraubt, dass wir aus den Betten schnellen, als
wäre uns eine Armee Kakerlaken über die Füsse gehuscht. Wir ziehen den
altmodischen Wecker wirklich vor! Doch wir wollen uns nicht beklagen, so
kommen wir auf jeden Fall in den Genuss lateinamerikanischer Musik und
Birgit notiert sich auch jeweils eifrig die Sänger, damit wir unseren
Musikvorrat aufstocken können. Zum Glück kosten die kopierten Kassetten
nur ein paar Franken, doch langsam müssen wir uns über den Platz Gedanken
machen...
Temporäre Fahrzeugerlaubnis in
Guatemala City
Da am 18.3.02 unsere temporäre Fahrzeugerlaubnis abläuft (man erhält
nur jeweils 30 Tage), machten wir uns schon eine Woche vorher an die
Arbeit.
Nach einem 30minütigen Telefonmarathon (während dem man uns 15
verschiedene Telefonnummern und 3 Adressen gab), hatten wir immer noch
keine Auskunft erhalten, ob es nun möglich sei, die temporäre
Fahrzeugerlaubnis bei der Aduana Central (Zentrale Grenzstelle) in
Guatemala City zu verlängern oder nicht. Todesmutig beschloss Hubi, sich
am nächsten Tag mit seinem Lehrer Luis in die - laut Insidern -
gefährlichste Stadt des ganzen Kontinents zu wagen. Immer die Ermahnungen
unserer "Mama Irma" im Ohr (viele ihrer Verwandten sind in der Hauptstadt
bis auf die Unterwäsche ausgeraubt worden), liess Hubi sämtliche
Wertgegenstände in Antigua zurück. Er sah danach so ärmlich aus, dass ihm
Einheimische tatsächlich ein paar Quetzales zu stecken wollten.
Hier der Tatsachenbericht: "Fast ohne Probleme fanden wir die Adresse, die
im Telefonbuch vermerkt ist. Dort gab man uns die neue Adresse der
verantwortlichen Regierungsstelle, da diese erst vor kurzem umgezogen war.
Also ab die Post zurück in den Regierungsdistrikt, wo wir das Gebäude auch
tatsächlich fanden, das auf den ersten Blick wie ein modernes Hochhaus
anmutet, auf den zweiten einem eine Vision des schrecklichen
Hallenbadunglücks in Uster haben lässt.
Die Information beim Eingang wusste sofort Bescheid und schickte uns in
den 3. Stock. Beide waren wir erstaunt über so viel Kompetenz und so
stiegen wir in die heiligen Hallen hinauf. Nun kam die Frage auf, welcher
Schalter für unser Begehren zuständig sei. Beim erst besten Schalter
fingen wir mit der Suche an und wurden von einem Ende des Gebäudes zum
anderen geschickt. Dann wurde uns mitgeteilt, dass die Fahrzeugerlaubnis
nur beim Zentralen Zoll verlängert werden können. Komisch, wir dachten
eigentlich, da seien wir. Auf unsere Antwort, dass die verantwortliche
Stelle hierher umgezogen sei, ernten wir nur ungläubige Blicke. Zu
erwähnen ist da vielleicht noch, dass wir uns nicht alleine in den
Wandelhallen der Behörde befanden, nein, da waren noch Hunderte von
anderen Leuten am Warten und Suchen, alle mit viel Papier oder einem
wichtigen Blick bewaffnet. Nun aber zurück zu einem der vorherigen
Schalter, wo man uns mitteilte, wir müssten es im oberen Stock versuchen,
natürlich war da niemand in Sichtweite. An einem etwas neuer aussehenden
Schalter versuchten wir es aufs neue und siehe da, das Glück war uns hold.
Doch nicht der Schalterbeamte half uns weiter, nein, ein älterer Herr an
einem anderen Schalter, der zufällig mitgehört hatte, gab uns die
Information, dass der richtige Schalter unten am Eingang zu finden und mit
Zoll angeschrieben sei.
Dankbar nahmen wir die Rolltreppen hinunter und suchten den angegebenen
Schalter. Siehe da, er war zwar nicht mit Zoll, sondern einem anderen
Namen angeschrieben, doch hatten wir tatsächlich die zuständige Stelle
gefunden. Halleluja! Jetzt konnte nichts mehr schief gehen - dachten wir.
Freundlich wies uns die Beamtin aber darauf hin, dass seit dem letzten
Regierungswechsel und der Umstellung der Behörden die Erlaubnis hier nicht
mehr verlängert werden könne, bzw. nur für jeweils 24 Stunden. Eventuell
sei es an einer Grenze möglich, doch laut Gesetz müsse man vor der
Neuausstellung der Erlaubnis mindestens 72 Stunden ausser Landes
verweilen. Leicht staubig und etwas verärgert fuhren wir zurück nach
Antigua." Eigentlich hätten wir es ja wissen müssen, Marcos unser
Schuldirektor hat uns gewarnt.
Zum Glück ist Guatemala relativ klein, so planten wir für den nächsten
Tag eine Stippvisite nach El Salvador. Die relativ gute Strasse führte uns
über 150 km oder in 2 ½ Stunden nach La Hachadura an den Zoll. Dort nahmen
wir dankbar die Hilfe eines "offiziellen" Grenzhelfers an, der uns für ca.
1.50 US$ (10 Quetzales) durch die nötigen Stellen lotste.
José führte uns zusammen mit seinem Kollegen zuerst einmal über die
Brücke, an vielen wartenden Lastwagen vorbei, in das Zollgebiet von El
Salvador, um die bestehende Erlaubnis im SAT Büro (Superintendencia de
Administration Tributaria) annullieren zu lassen. Eine Beamtin überprüfte
dort die Fahrzeugnummer am Auto, sowie auf der Erlaubnis und meinte, dass
wir eventuell eine Busse bezahlen müssten, weil wir nicht 72 Stunden
ausser Landes gewesen seien. Anschliessend ging es zurück auf die
guatemaltekische Seite.
Am ersten Schalter wurden Pass und Fahrzeugausweis abgegeben, daraufhin
kam wiederum eine Beamtin aus dem Haus mit eben diesen Papieren in der
Hand und gab sie wieder durch das selbe Fenster hinein (das soll mal einer
verstehen). Anschliessend wollte sie einen Blick in unser Auto werfen,
denn sie hatte noch kein Wohnmobil von Innen gesehen. Bald darauf
erhielten wir ein ausgefülltes Formular, mit dem wir zur Bank mussten, um
die Erlaubnis zu bezahlen (45 Quetzales). Den Beleg wurde dann am gleichen
Schalter wieder abgegeben. Etwas später erhielten wir ein leeres Formular
und den Fahrzeugausweis. Damit mussten wir in die Schreibstube und den
dort in der Hängematte schlafenden Beamten wecken (ist wahr!). Das
Ausfüllen dieses Formulars kostete ca. 1.50 US$ (10 Quetzales). Mit dem
neu ausgefüllten Formular ging es wieder zurück zum ersten Schalter. Was
damit gemacht wurde, sahen wir nicht, es hiess nur, dass auf den Chef
gewartet werden müsse, der die Angaben auf dem Papier mit dem Auto
vergleicht und dann das Formular auch unterschreibt. Noch einmal mussten
wir damit beim Schalter vorbei und erhielten einen Kleber (Erlaubnis) und
auch die Ausweise zurück.
Damit wäre man eigentlich ausgerüstet für die Wiedereinreise nach
Guatemala. Nur hatten sich unsere beiden Grenzhelfer ein Spässchen für uns
ausgedacht und so ging Hubi also nochmals bei einem schmierig aussehenden
Herrn vorbei. Dieser wollte 3 Kopien (3 Quetzales) von unserer Erlaubnis
und als Hubi damit ankam noch 300 Quetzales (CHF 75.-). Hubi erklärte ihm
- die Abzocke riechend - diesmal noch freundlich, dass er diesen Betrag
liebend gerne bezahle, wenn er dafür auch eine Quittung erhalte. Der
Schmierige erwiderte, dass der, der die Quittungen ausstelle, leider
gerade beim Mittagessen sei, das dauere schon so bis zu einer Stunde, aber
eine Quittung sei ja gar nicht nötig. Wofür der horrende Betrag überhaupt
sei, erklärte er uns auch auf wiederholtes Fragen nicht. Wir meinten dann
nur, dass wir gerne warten würden. Zurück beim Auto erklärten wir den
Grenzhelfern, dass wir über sehr viel mehr Zeit als Geld verfügen und wir
das Ganze vielleicht doch ganz gerne mit dem Herrn Oberzolldirektor
besprechen würden. Dies erklärten wir kurz darauf auch dem schmierigen
Herrn, wobei ihm Hubi - bereits weisslippig - seine bösesten Blicke
zuwarf. Ja und plötzlich hiess es, dass wir fertig seien und einreisen
dürfen.
Wenn dich diese Geschichte stark an die Arbeit in deiner Firma erinnert,
dann lehn dich einfach zurück, schliess die Augen und stell dir vor du
seiest mit uns auf der Reise.
Das zweite Mal war es dann viel einfacher.
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