Salar de Uyuni |
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10. - 20.09.2002 (47'400 km) In Potosi hatten wir uns diesmal ausgiebig über die Strassenverhältnisse informiert - wir lernen ja schliesslich aus unseren Fehlern. Es stellte sich heraus, dass ein Teil der von uns geplanten Strecke über Uyuni nach Argentinien auch für Mosquito ohne Probleme zu bewältigen wäre, der 2. Teil aber seine Tücken hatte und davon nicht gerade wenige. Wir entschlossen uns deshalb, den Camper auf dem Parkplatz des Hostals sicher stehen zu lassen und mit Rucksack und Bus den Ausflug nach Uyuni und dem Salzsee "Salar de Uyuni" zu wagen. Uyuni Nach einer nicht unangenehmen 6stündigen Fahrt kamen wir wohlbehalten
in Uyuni an und waren zuerst einmal geschockt. Doch es stellte sich
glücklicherweise heraus, dass das Zentrum des Städtchen nicht so
unattraktiv war wie der Rest, ganz im Gegenteil. Ein paar Restaurants
hatten eine Art Fussgängerzone gebildet und so genossen wir seit langem
wieder einmal einen Kaffee draussen sitzend, das Gesicht zwecks Bräunung
der Sonne zugewandt. Ein Trip in die Kälte oder Sibirien lässt grüssen Der 1. Tag Pünktlich fanden wir uns am nächsten Morgen vor dem Reisebüro ein, mit einem Proviantsack, der aus Schokolade, Chips und Wasser bestand. Unsere Gruppe setzte sich aus 3 Holländerinnen, Ysabel, Patou und Elles, Fabian, einem Münchner, unserem Fahrer, Clemente und natürlich uns zusammen. Die Sonne schien, der Toyota Landcruiser schien fahrtauglich und Clemente sah auch nicht wie ein Quartalssäufer aus. Vor allem letzteres, waren wir gewarnt worden, sei nicht selten und führe oft zu dummen Unfällen. Doch unsere Beobachtungsgabe gab uns recht, denn Clemente chauffierte uns, immer gemütlich auf ein paar Cocablätter herum kauend, sicher über alle Berge und durch alle Flüsse. Unser erster Stopp war der Salar selbst. Wir alle hatten Mühe zu
glauben, dass wir tatsächlich auf Salz und nicht auf Schnee standen. Hier
erfuhren wir, dass der Salar de Uyuni das grösste Salzvorkommen der Welt
ist, doch weil der Salzpreis sehr tief ist, wird Bolivien mit dem Export
nicht reich. Nachdem wir erfahren hatten, wie das Salz abgebaut und
gereinigt wird und wir den, durch Autos und Touristen verursachten,
Schmutz gesehen hatten, waren wir uns einig, unseren Salzvorrat vielleicht
nicht gerade in Bolivien aufzustocken. Der 2. Tag Den Salar hatten wir ja schon am Vortag verlassen und so machten wir
uns durch eine spektakuläre Bergwelt Richtung Lagunen auf. Diesen wie auch
den nächsten Tag verbrachten wir zwischen 4'000 und 5'000 müM. Es
war widerlich kalt und eine gemeine Bise verdrängte jegliches Verlangen
zum Verlassen des Fahrzeugs. Mittagsrast machten wir an einer Lagune, in
der rosarote Flamingos leben. Zum Glück waren wir die erste
Touristenladung, denn die scheuen Tiere zogen sich nach den ersten Fotos
schnell vom Ufer zurück. Weiter ging es dann über Stock und Stein, bis wir
zu einer eigenartigen Felsformation kamen, die eine lustige Hasenart
beherbergt. Hier genossen wir die Windstille und liessen die Sonne unsere
armen Knochen aufwärmen. Der 3. Tag Gerädert standen wir alle kurz vor 5:00 Uhr auf, packten unsere Sachen
zusammen und machten uns - ohne Frühstück - auf den Weg zu den heissen
Quellen. Kurz nach Sonnenaufgang trafen wir dort auch ein und mussten von
Clemente fast gewaltsam zum Verlassen des warmen Autos gezwungen werden.
Holland machte sich auf, die kalten Füsse im ca. 35° warmen Wasser
aufzuwärmen, während Schweiz und Deutschland sich auf einen
Erkundungsspaziergang wagten. Wir fanden nur wenige Meter von den
heissen Quellen entfernt gefrorene Tümpel und übten uns übermütig im
Eiskunstlauf. Eine Ahnung, dass das Frühstück fertig sein könnte, trieb
uns dann wieder zum Auto zurück. Während wir genüsslich das heisse Rührei
mit einem noch heisseren Tee herunterspülten, beobachteten wir mit
Entsetzen, wie sich ein paar Lebensmüde die Kleider vom Leib rissen und
sich in die warmen Fluten stürzten - es waren vor allem Italiener und
Franzosen. Keiner unserer Gruppe konnte sich zu solche einer Aktion
aufraffen. Der 4. Tag Der letzte Tag bestand eigentlich nur aus der Rückfahrt. Wir hielten zwar noch in San Cristobal, um eine hübsche Kirche zu bewundern und auf dem Friedhof der Züge (Schrottplatz), doch waren wir in Gedanken bereits in Uyuni und diskutierten während der Fahrt darüber, welche Pizza wir denn später bestellen wollten. Alles in allem hatten wir die 80 US$ pro Person gut investiert, wenn wir uns auch gewünscht hätten, dass uns unser Fahrer Clemente mehr über Land und Leute, Flora und Faune etc. erzählt hätte - aber man kann nicht alles haben (alte bolivianische Weisheit). In der Mine Da uns der Gedanken, schon wieder Auto, bzw. Bus fahren zu müssen, Schauer über die Rücken jagen liess, entschieden wir uns für die Variante Zug. Dafür mussten wir zwar noch einen Tag länger in Uyuni bleiben (der Zug fährt nur 1x die Woche von Uyuni nach Pototsi und dies dienstags), doch nutzten wir diesen Tag, um gemütlich auszuschlafen, die diversen Strassenrestaurants auszuprobieren und einfach auszuspannen. Die Zugfahrt stellte sich als mehr als gemütlich heraus und die 6 Stunden und genau 15 Minuten vergingen wie im Fluge. Am nächsten Tag unternahm Hubi, todesmutig, die Minentour, während sich
Birgit von den Uyuni-Strapazen erholte. In Kooperativen werden,
hauptsächlich ohne elektrischen Strom und Pressluft, Kupfer, Zinn, Silber
und andere Erze abgebaut. Um die Mineros gütig zu sinnen, bringt man
Geschenke in die Mine mit, welche man vorher auf dem Minenmarkt kaufen
kann. Empfohlen sind Dynamitstangen (inkl. Zünder und Zündschnur),
Cocablätter, 96% Alkohol usw. Mit Geschenken, Helm und Karbitlampen
bewaffnet, machten wir uns nun auf in die Minen. Der Eingang ist mit
Lamablut verschmiert, um Mutter Erde (Pachamama) zu besänftigen. In
gebückter Haltung kommt man nach ein, zwei Abzweigungen zu ein Paar
Kreuzen, um auch dem Gott der Katholiken zu gefallen. Nur kurze Zeit
später erscheint die Statue des Onkels (Tio, der Ehemann Pachamamas?), die
Spaniern bezeichneten ihn damals als Teufel, heute ist er der Schutzgott
der Mineros. Gott und dem Onkel werden Cocablätter geopfert, aber nur der
Onkel wird zusätzlich noch mit Alkohol und Zigaretten verwöhnt. Dann geht
es weiter hinein in den Berg, in gebückter Haltung, dies versteht sich von
selbst. Der Berg ist durchlöchert wie ein Schweizerkäse, so haben wir den
Käse jedenfalls noch in ferner Erinnerung und beim Gehen spürt man
stellenweise den Kumpel, der einen Gang unter einem die Löcher für seine
Dynamitstangen mit Hammer und Meissel in den Berg haut. Die SUVA hätte an
diesen Arbeitsbedingungen keine Freude und es gab einem schon zu denken,
als wir den 13-jährigen Pablo beim Meisseln sahen. Er arbeitet aber nur 4
Stunden täglich hier, weil er ja noch zur Schule muss. Zur Grenze Wie schon gesagt, sind die Strassen hier ein Hohn. Das Fahren mit
unserem Auto auf diesen Waschbrett- und Steinpisten kann man sich etwa
gleich vorstellen, wie auf einem Konzertflügel eine Geröllhalde
hinunterzurutschen. Knapp 60 km nach Potosi machten wir wieder einmal
einen Radwechsel und stellten dabei fest, dass der linke Stossdämpfer
deutlich Öl verlor. Zum Bild mit dem Flügel stelle man sich jetzt einfach
noch vor, man habe zusätzlich einen Hammer dabei und schlage damit während
der fröhlichen Rutschpartie eifrig auf das Instrument ein. Nach weiteren
200 km und 6 1/2 Stunden fanden wir in Tupiza endlich jemanden, der zwar
keinen Ersatzpneu, aber dafür einen Schlauch für den platten Reifen hatte.
Am nächsten Morgen legten wir die letzten 100 km Geröllstrasse zur
argentinischen Grenze zurück und waren froh, endlich wieder einmal
geteerte Strassen fahren zu können.
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